Erykah Badu – Worldwide Underground (weitere Kritik)

Ich möchte ehrlich zugeben, dass ich von Erykah Badu nicht viel erwartet habe. Den ganzen Hype um ihre Person kann ich eh nicht nachvollziehen. Das kleine Album (10 Tracks inkl. Intro) kommt aber frischer daher, als ich angenommen hatte. Das ist nicht gerade ein Markenzeichen von Neo Soul und ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass sich Erykah Badu auf „Worldwide Underground“ überraschend stark Richtung Hip-Hop orientiert.

Natürlich ist „Worldwide Underground“ kein Rap-Album, doch der Einfluss aus dieser Richtung ist spürbar stärker dieses Mal. In ihrem Fall kommt das dem Sound stark zugute. Dennoch werden die meisten Fans nicht enttäuscht, denn ihre unbestreitbaren stimmlichen Talente setzt sie diesmal so ein, dass sie damit ein noch größeres Publikum erreichen kann. Ihr sonst so typisches, nervenaufreibendes Säuseln habe ich entweder überhört oder ist kaum vorhanden. Dafür dominieren extrem groovige Beats ihr drittes Studioalbum.

Laut ihrer Website hat Erykah Badu an Airplay im Radio oder Single-Auskoppelungen überhaupt nicht dabei gedacht, doch weit mehr als alles andere, was ich von ihr bisher gehört habe, ist es für die kommerzielle Vermarktung geeignet. Ich nehme ihr das, was sie sagt zwar ab – dafür spricht auch das äußerst unvorteilhafte Cover, sowie die stressige Website (Versucht die mal mit einem Modem!) – doch wenn „Worldwide Underground“ eines nicht ist, dann ist es Untergrund.

Sicher ist es nicht so glatt wie ein echtes Mainstream-Produkt, aber das rechne ich ihrem künstlerischen Anspruch zu. Doch von Untergrund ist keine Spur. Sicher, der Hintergrund für diese Namensgebung ist mit ihrer „Frustrated Artist Tour“ verbunden: Auf ihrer Website gibt sie selbst zu, dass sie keine Idee hatte, worüber sie als nächstes schreiben sollte und daher zur Inspiration auf Tour gegangen ist. Das ist eine gute Idee, aber eine Club-Tour zu einer Reise in den Untergrund zu erklären, erscheint mir bei ihrem Publikum völlig unrealistisch. Wenn eine russische Punk-Rock Band in Frankreich auf Tour geht – mal so als ausgedachtes Beispiel – dann können wir von Untergrund sprechen. Aber die Fans von Erykah Badu? Ich muss doch bitten!

Immerhin hat sie mit ihrem Produktionsteam „Freakquency“ einen bemerkenswert eigenständigen Sound auf die Beine gestellt, der dadurch aber von meiner Seite aus noch keinen Innovationspreis gewinnt. Hip-Hop und Funk in erhöhtem Maße in ihren Neo Soul und R&B Sound einzuarbeiten, macht „Worldwide Underground“ zu einem rhythmusorientierten Longplayer, der aufgrund seiner Produktionsqualität und Erykah’s Profi-Stimme sowie dem Umstand, dass scheinbar aus allen denkbaren Stilen etwas hineingewürfelt wurde, geradezu zeitlos wirkt / wird. Das sind nicht die Regeln der „Kunst“, das sind die Regeln des Big Business.

Künstler: Erykah Badu | Album: Worldwide Underground | Label: Motown | VÖ: 15. September 2003 | Album des Monats: Oktober 2003

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