Harlem Shuffle – November 2003

Torsten Williamson-Fuchs
Torsten Williamson-Fuchs

Mary J. Blige kehrt zu ihren Wurzeln zurück, sprich, sie räumt dem Hip-Hop wieder mehr Platz ein auf „Love & Life“ (Geffen/MCA). Dennoch ist das die Spielzeit einer CD ausreizende Album durchgängig soulful und kann zu den besten Werken der ‚Queen of Hip-Hop/Soul‘ gestellt werden. Auch wenn die Vorgänger künstlerisch noch wertvoller waren. Aber jetzt darf zu „MJB“ wieder richtig getanzt werden. Und das ist nicht zu schwach zu bewerten.Das Boo Yaa Tribe die Finger vom Metal-Rap lassen, kommt dem Album „West Koasta Nostra“ (Sarinjay/Neo) sehr zugute. Es ist nach „New Funky Nation“ die bislang beste LP der Samoaner. Straight Gangsta heißt die neue/alte Marschrichtung, die sehr kraftvoll beschritten wird. In dem Street Funk der Mafiosi steckt massive Power, außerhalb der Dancefloors sollte man sich mit denen lieber nicht anlegen …

Olli Banjo zieht für „Erste Hilfe“ (Headrush/EMI) die Arschkarte, doch die Erregung über das Video zur durchaus witzigen Single „Dein Arsch“ schlafft schnell ab. Denn die LP weist schon im Intro alle Symptone auf, an denen deutscher Rap krankt. Auch wenn es noch Lichtblicke wie „Jesus“ gibt – eine Booklet-Gestaltung im Stil der 2 Live Crew reicht noch lange nicht für ein gutes Album.

Eine Frau wie Ursula Rucker hat das Sex-Sells-Prinzip nicht nötig, das unterstreicht ihre neue Produktion „Silver Or Lead“ (! K 7 Records). Sie bietet einen sehr persönlichen Stil aus Sprechgesang, Spoken Word-Performance, Soul und Dancefloor-Jazz an, der bestens zum Chillen und (Zu-)Hören geeignet ist. Ein ergiebiger Kosmos öffnet sich mit diesem Album, das zu den besten des Jahrgangs 2003 gehören wird!

Auch Cassandra Wilson setzt auf die eher leisen Töne und Zwischentöne. Dennoch ist „Glamoured“ (Blue Note/EMI) schwungvoller als das Vorgängeralbum. Mit den zwischen Jazz und Folk hin und her pendelnden Songs könnten Nachtsendungen auf den Kulturwellen immer wieder neu bestückt werden, ohne dass es langweilig würde. Für Wilsons Lieder gilt als Prädikat der Titel des neuen Jazzkantine-Albums: „Unbegrenzt haltbar!“ (Warner). Die Köche kochen die bewährte Suppe aus Jazzfunk und Rap, ohne neue Rezepte auszuprobieren.

Angebot des Tages: ein Gastbeitrag von Xavier Naidoo, der volles Aroma versprüht. Sein Song „Schmetterling“ allein ist ein Grund, in die Jazzkantine einzukehren.

Stimmgewaltig wie eh und je präsentieren sich The Manhattan Transfer auf „Couldn’t Be Hotter“ (Telarc/In-Akustik). Der erst jetzt verfügbare Mitschnitt eines Konzertes in Tokio vom Dezember 2000 wartet mit den großen Hits des Vocal Jazz-Quartetts wie „Twilight Zone“ auf, fängt aber auch Soloausflüge wie Cheryl Bentynes „Clouds“ ein. Da sich die New Yorker aus unerklärlichen Gründen (zu teuer?) seit Jahren in Deutschland rar machen, tröstet dieses Album ein wenig über entsprechende Sehnsüchte der Transfer-Fans hinweg.

Am Ende noch eine weitere sorgsam kompilierte Sammlung aus dem Haus Audiopharm: „Asia Lounge“ (SPV) hat 25 ‚Asian flavoured Club Tunes‘ im Schlepptau, die sicher im Windschatten von Panjabi MC mitfahren. Aber Namen wie Skeewiff, Morcheeba, Hattler und Mo‘ Horizons sind die Reise in den Fernen Osten wert.

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Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".