Jay-Z – The Blueprint2 – The Gift & The Curse (weitere Kritik)

Wer ihn kompromisslos goutiert, den wird das Doppelalbum mit 25 Songs glücklich machen. Ein wenig Selbstbeschränkung wäre aber nicht schlecht gewesen. So hätte Jiggaman darauf verzichten können, Paul Anka zu samplen.

Auch vor der Kollabo mit Lenny Kravitz hätten ihn die Entscheidungs-Schlips-Träger bei Roc-A-Fella bewahren können, da bei „Guns & Roses“ nicht zusammenwächst, was irgendwie nicht zusammengehört. Davon abgesehen präsentiert sich Jay-Z mit Tracks wie „The Watcher 2“ oder „All Around The World“ in guter Kondition. Seine Raps flowen gewohnt lässig.

Jay-Z – The Blueprint2 – The Gift & The Curse (Cover)
Jay-Z – The Blueprint2 – The Gift & The Curse (Cover)

Zu Bestform läuft der New Yorker bei einer schwierigen Gratwanderung auf: Shawn Carter schafft es, zusammen mit Memphis Bleek ausgerechnet Earth, Wind & Fire’s „Fantasy“ zu remaken und die – eigentlich unter strengem Sampleverbot stehende – Funkperle in einen locker flockigen Party Jam umzutopfen. (Kompliment von einem traditionsbewussten Betonkopf, der sich sonst für eine Art ´Artenschutz´ für die Klassiker unter den Klassikern der Black Music stark macht.)

Aber mal ehrlich: Müssen zwei volle Scheiben noch mit drei Bonustracks garniert werden? Es wäre so einfach gewesen: Die in „The gift“ und „The Curse“ unterteilte Doppel-CD hätte auf einen Silberling zusammen gestrichen werden können. Man hätte nur bei der stärkeren Seite („The gift“) Füller eliminieren und um die Essenz von „The Curse“ anreichern sollen. Dann hätten alle mehr davon gehabt; auch die, die Jay-Z nicht kompromisslos goutieren.

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Künstler: Jay-Z | Album: The Blueprint2 – The Gift & The Curse | Label: Roc-A-Fella | VÖ: 18. November 2002 | Album des Monats: Dezember 2002

Über Torsten Fuchs 517 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".