Jadakiss – Kiss Of Death

Ob sein Solo-Debüt „Kiss Tha Game Goodbye“ wirklich so schlecht war, wie man allerorten lesen kann, sei dahingestellt. In jedem Fall ist drei Jahre weiter der zweite Solo-Longplayer bestimmt dreimal besser und damit richtig klasse! Ob Jadakiss nun der „eigentliche Star“ von The Lox ist – oder wie toll das damals bei den Ruff Ryders war – interessiert mich bei „Kiss Of Death“ keine Spur.

Auf diesem Album überzeugt er aus mehreren Perspektiven. Zunächst mal straft er all die Spötter Lügen, die ihm zwar bescheinigen, als Gast bei so vielen anderen Künstlern gut zu sein, es alleine aber nicht zu bringen. Ob er schon in einem Atemzug mit den ganz Großen im Game genannt werden muss, zählt da wenig.

Einige der Großen und andere interessante Gäste unterstützen Jadakiss sinnvoll auf dieser CD: Snoop Dogg, DJ Quik, Nate Dogg, Anthony Hamilton, Pharrell, Sheek, Styles P., Kanye West (darf aktuell ja nirgends fehlen…), Eminem und sogar Mariah Carey. Gerade der Track mit ihr, „U Make Me Wanna“, macht deutlich, dass es bei Jadakiss ein Umdenken gegeben hat: Gefühle zeigen kommt auch bei Rappern gut.

Noch deutlicher wird der Kurswechsel allerdings bei „Why. Gangster-Geschichten sind schön und gut – bei Rap-Musik meiner Meinung nach auch nie falsch – doch spannender wird’s einfach, wenn jemand zeigt, dass er sich auch ernsthaft über’s Leben Gedanken gemacht hat. Mit „Why“ stellt er ein paar gute Fragen, wagt er sich an gesellschaftliche oder sogar politische Themen heran.

Über Stimme und Rap-Qualitäten muss ich nicht viel sagen, da stimmt’s einfach bei ihm. Was mich bei „Kiss Of Death“ anspricht, ist die nicht bloß abwechslungsreiche, sondern auch sehr gute Instrumentierung. Denn seien wir mal ehrlich: Da gibt es – positiv formuliert – noch gewaltigen Verbesserungs-Spielraum bei unzähligen Acts. Nichts gegen eine Konzentration auf das Wesentliche – die Rapper der ersten Stunde sind ja gerade nicht mit Orchester angetreten – doch zwischen Schlichtheit und Langeweile gibt’s eben einen dicken Unterschied. Auf diesem Feld macht Jadakiss mit seinen Produzenten mehr als nur ein paar Punkte!

Der Fairness halber will ich nicht unerwähnt lassen, dass nun auch nicht jeder mit so einem guten Producer Team arbeiten kann – dafür ist der Kreis der Top-Leute allein schon mal zu klein. Was für eine Verschwendung, könnte man dann von „Kiss Of Death“ behaupten: Eminem, Swizz Beatz, Kanye West, The Neptunes und Havoc sind noch nicht mal alle, die ihre Talente eingebracht haben. Entsprechend erwartungsfroh kann man sich diese CD auch anhören.

Bei „Kiss Of Death“ stimmt auch die Mischung: Kräftige und vergleichsweise ruhige Tracks stehen in einem ausgewogenen Verhältnis, das diese CD zum Durchhören empfiehlt. Party-Tracks sind kaum dabei, was aber keine Lücke hinterlässt „Kiss Of Death“ ist gut, wie es ist. Sehr gut!

Künstler: Jadakiss | Album: Kiss Of Death | Label: Ruff Ryders / Interscope / Universal | VÖ: 22. Juni 2004

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

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