Kool & The Gang – ….Da schließt sich der Kreis (Robert Bell im Interview)

Bei Kool and The Gang denkt man an eine 40-jährige Jazz- und R&B-Karriere, die ganz unten begann und sich bis an die Spitze fortsetzte. Jetzt bringt die Band ein Album heraus, das von internationalen Kollaborationen nur so strotzt: Jean Paul, Jamiroquai, Youssou N’ Dour und Lisa Stansfield schmücken die Mitarbeiterliste- um nur eine Auswahl zu treffen.

rap2soul unterhielt sich exklusiv mit Robert „Kool“ Bell und begibt sich auf die Odyssey von Kool and The Gang.

Robert Bell live in Budapest, Ungarn / Dezember 2003 (Foto: Petra Sommer)
Robert Bell live in Budapest, Ungarn / Dezember 2003 (Foto: Petra Sommer)

Wenn man als Band 40 Jahre auf dem Buckel und etliche Best Of Alben herausgebracht hat, braucht man eine ausgefeilte Marketingstrategie um das Erscheinen eines neuen Albums in angebrachter Weise zu zelebrieren. So dachten zumindest Entertainment Partner in London, als sie der Jazzformation ihre Idee eines Tribute Albums unterbreiteten.

Ich sagte ihnen, dass ich mit der Idee einverstanden war, aber nicht noch eine Compilation oder noch ein Tribute Album herausbringen wollte. Wir mussten ein Konzept entwickeln.“

Die Idee, mit aktuellen Künstlern der Black Music und R&B Szene ausgewählte Songs neu aufzunehmen, legte den Grundstein des Projektes.

„Ich schlug dann den Titel „Kool And The Gang Music Odyssey“ vor.“ Ein passender Name -bedenkt man die Hürden einer solchen Mammut- Produktion, die sich in der zweijährigen Schaffensphase stellten:„Es brauchte einige Zeit, um das Album fertig zu stellen und um die Künstler für das Projekt auszuwählen. Viele von ihnen waren gar nicht dabei, als die Sounds aufgenommen wurden.“ So geschehen bei Blue, Liberty X und Atomic Kitten. „Wir wussten gar nicht wer Atomic Kitten war, bis sie uns beim Label in London vorgestellt wurden.“ Das Resultat dieser Zusammenarbeit ist die erste Singleauskopplung: „Ladies Night“.

Mick Hucknall, heißer Favorit der Band für eine Neuinterpretation von „Take My Heart“ konnte letztlich nicht für die Produktion gewonnen werden- eigene Projekte standen dem Simply Red- Frontmann im Weg. Mit den Mastercard MOBO Awards im September 2003 löste sich das Besetzungsproblem dann quasi von selbst. Kool & The Gang, ausgezeichnet mit dem Outstanding Achievement Award für ihr bisheriges Schaffen, kamen mit Blu Cantrell in Kontakt, die sofort begeistert war und „Take My Heart“ im Visier hatte.

Robert "Kool" Bell; Bonn Juli 2003 (Foto: Petra Sommer)
Robert

Auch Lil’Kim wurde an hiesigem Tag in das Odyssey-Projekt eingeweiht: „Sie wollte den Track„Get Down On It“, den wir schon mit Blue produzierten. Wir sagten ihr aber, dass wir sie vielleicht mit einspannen könnten.“ Heraus kam dabei eine Kooperation von den Altmeistern Blue und Frischfleisch Queen B****.

Das Konzept der generationsübergreifenden Genregrößen wird auch im „Reggae Dancing“ eifrig verfolgt: Hier reichen sich Jimmy Cliff und Bounty Killer die Klinke.

Lauryn Hill, die zwar lediglich im Background des Tracks „Somewhere Madness“ (mit Youssou N’ Dour) agiert, stellt laut Bell eine der bedeutendsten Koop-Partnerinnen dar: Schließlich hatte sein Bruder Ronald Bell, auch bekannt als Khalis Bayyan, die Gründung der Fugees in die Wege geleitet und ihr Debütalbum „Blunted on Reality“ maßgeblich unterstützt. „Lauryn Hill, Wyclef Jean und Prakazrel kommen aus unserem Stall“ bestätigt er – nicht ohne Stolz.

Kool & The Gang live in Bonn; Juli 2003 (Foto: Petra Sommer)
Kool & The Gang live in Bonn; Juli 2003 (Foto: Petra Sommer)

Im Februar 2004 fand in der Londoner Music Hall das Konzert „An Evening with Kool & the Gang“ statt, wobei die Künstler des Odyssey-Projektes teilnahmen. Aufgezeichnet wurde der Gig von I-TV. „ Auch in Deutschland hat ein TV-Sender bereits Interesse an einem ähnlichen Projekt bekundet. Außerdem haben wir Freunde, die das gesamte Making of produzieren wollen: Eine Crew soll nach New York fliegen, um die damalige Szene einzufangen. So wie es eben war, als wir in Jersey City, Brooklyn und Harlem angefangen hatten. Dann wollen wir mit einigen Künstlern vom Album ein paar Shows auf die Beine stellen. Vielleicht sind Atomic Kitten, Blue, Jimmy Cliff, Bounty Killer und Jamiroquai mit an Bord.“ Neben dem Feature-Projekt arbeiten Kool & The Gang auch an ihrem neuen Album „Still Cool“.

Über 40 Tracks haben sie aufgenommen, von denen etwa 18 Songs auf dem Album landen sollen. Musikalisch geht es dabei für die Band zurück zu ihren Wurzeln: Schon auf Kindesbeinen sind Robert und Ronald Bell mit Jazz in Berührung gekommen. In den 60er Jahren, als Duo The Jazziacs, widmeten sie sich dem puren Jazz, bevor sie den R&B in ihren Rhythmen mit einbezogen. Bis in die 70er Jahre hinein behielt die Band, inzwischen um einige Mitglieder erweitert und in Kool &The Gang umgetauft, ihren Fokus auf instrumentale Arrangements.

Dieses Konzept steht bei „Still Cool“ wieder im Zentrum: „Die Leute, die auf dem Album singen werden, sind alle Musiker: Ein Gitarrist ist dabei, sowie Skip Martin, der Trompete spielt. Nach „Odyssey“ werden die Türen für „Still Cool“ offen stehen. Du wirst wieder neben der Band mehrere Sänger hören, die unsere Songs einsingen und damit den Gegensatz zu unseren Produktionen aus den 80ern bilden.“

Durch Kool & The Gang wird Jazz also wieder mehr in den Vordergrund treten und vielleicht auch wieder Charttauglichkeit beweisen. Rap2Soul wünscht jedenfalls weiterhin viel Erfolg!


Vielen Dank! Die Fotos von Kool & The Gang wurden uns freundlicherweise von Petra Sommer zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder auf der Homepage unter 8ung.at/petrasommer


Dank auch an Felix von edel-Records, der uns das Interview ermöglichte.

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Marie-Luise Kehl ist Redakteurin bei rap2soul. Als gelernte Musikredakteurin lernte sie ihren Job bei MTV.

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