Mario Winans – Hurt No More

Die Kelten waren ein kriegerisches, trinkfreudiges Volk, aber denen wird „Hurt No More“ kaum etwas nützen. Was das mit Mario Winans zu tun hat? Für seine erste Single aus seinem zweiten Longplayer hat er schließlich wie Mitte der Neunziger bereits die Fugees für „Ready Or Not“ den Song „Boadicea“ gesampled. Na und der ist schließlich aus dem 1986er Soundtrack zur sechsteiligen Doku der BBC „The Celts – Rich Traditions & Ancient Myths“.

Mario Winans zu schelten, den Erfolg der Fugees mit dem Sample wiederholen zu wollen, wäre aber zu kurz gegriffen. Immerhin ist auf „I Don’t Wanna Know“ neben P. Diddy auch Enya zu Gast, die als junge Künstlerin gemeinsam mit Nicky und Roma Ryan den Score zu dieser TV-Serie gemacht hat.

Der Rest des Albums hat schon so manchen, der auf mehr im Stil von „I Don’t Wanna Know“ gehofft hatte, enttäuscht. Mich nicht, denn Mario Winans liefert mit „Hurt No More“ ein solides, modernes und – ja! – kommerzielles R&B-Album. Es ist so ausgewogen, dass es fast schon wieder übertrieben ist. Damit ist aber auch für jeden was dabei: Slow Jams für’s Candlelight Dinner und Hip-Hop-Orientiertes zum Feiern. Mitgefeiert wird von Enya, Slim, Loon, Foxy Brown, Black Rob und natürlich P. Diddy. Befürchtungen, letzterer würde als Executive Producer zu viel Einfluss auf den Sound nehmen, kann man zur Hälfte zurückweisen.

Zum einen spürt man schon seinen Einfluss, aber dafür arbeitet man ja mit Profis wie ihm. Gerade auch, weil Mario Winans selbst als Produzent schon berechtigter Weise einen ausgezeichneten Ruf genießt, war auch nicht zu erwarten, dass er ausgerechnet auf seinem eigenen Album dieses Talent nicht einsetzen dürfte. Womit wir wieder bei P. Diddy, für den er ja oft genug gearbeitet hat, wären, denn als Labelchef von Bad Boy kann er umso mehr den Freiraum des Künstlers definieren.

Was mir fehlt, oder sagen wir mal, dass es sich um eine nicht genutzte Chance handelt, ist ein stärkerer Bezug zum Gospel. Mario Winans hat mit seinen berühmten Familienmitgliedern die perfekten potentiellen Gäste. Fürs nächste Album melde ich hiermit offiziell schon mal den Wunsch an, dass es Kooperationen auf Familien-Ebene gibt. Das soll aber nur bedeuten, dass er es noch besser kann, als er auf „Hurt No More“ zeigt, nicht, dass ich enttäuscht wäre – im Gegenteil!

Künstler: Mario Winans | Album: Hurt No More | Label: | VÖ: 14. Oktober 2004

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.