Oleta Adams – I Can’t Live A Day Without You

Ich muss zugeben, dass ich mich ein wenig von der negativen Bewertung von Menschen, die sonst schon was von Musik verstehen, habe beeinflussen lassen. „I Can’t Live A Day Without You“ ist aber gar nicht so schlecht, wie sie gesagt haben, im Gegenteil! Allerdings habe ich mich dazu verleiten lassen, dieses Album erst einmal weiter unten in meinen großen Stapel an CDs, die ich mir alle noch anhören möchte, zu packen.

Oleta Adams hat hier ein sehr schönes Dutzend Songs für Menschen, die Soul mögen und am besten ein wenig dem Sound der 80er nachtrauern. Denn dieses Album klingt so, als ob Hip-Hop nie erfunden worden wäre. Das wär’ schlimm, aber noch schlimmer finde ich, dass viel zu viele Soul-Künstler ihren Sound von Hip-Hop so stark haben beeinflussen lassen. Das hat einfach überhand genommen.

Umso erfrischender klingt Oleta’s eher rückwärts gewandter Sound, der ihre klare Stimme schön in den Vordergrund stellt. Natürlich ist „I Can’t Live A Day Without You“ mit seiner Mischung aus Soul, Pop, Gospel und Jazz – besonders so, wie es produziert worden ist – kein Beispiel für Innovation oder besondere künstlerische Leistungen, wohl aber für eine besondere Künstlerin, die auch wenig spektakuläre Songs zu etwas Besonderem machen kann.

„I Can’t Live A Day Without You“ entzieht sich scheinbar allen aktuellen Trends, ist mainstreamig, ohne dass dies in diesem Fall unangenehm wäre und vor allem die Art von Musik, die auch in 20 Jahren noch viele Menschen gerne hören werden. Ja, „Kompromiss“ könnte diese CD als Untertitel tragen, denn Musik für ein sehr breites Publikum bietet naturgemäß wenig Überraschungen und einen „unspeziellen“ Sound.

Doch Oleta Adams beweißt hier eindrucksvoll, dass gute Musik weder einem Trend entsprechen, angesagte Gäste aufweisen, zur Avantgarde in einem bestimmten Genre zählen oder sich auch nur auf einen bestimmten Stil festlegen muss.

Eines sollte indes nicht unerwähnt bleiben: Kein einziger Track auf „I Can’t Live A Day Without You“ ist neu. Alle Songs waren bereits auf der im Februar 2001 veröffentlichten „All The Love“ zu hören, allein die Reihenfolge wurde geändert. Da dieses Album in Deutschland nicht veröffentlicht wurde, geht das schon klar, das jetzt nachzuholen. Import-CDs sind halt einfach mal teurer als die Pressungen für den deutschen Markt. So lange damit zu warten – auch wenn die Musik zeitlos ist – lässt aber wenig Raum für Hoffnungen auf einen Aufschwung in der Musikindustrie.

Künstler: Oleta Adams | Album: I Can’t Live A Day Without You | Label: California Sunshine Rec. | VÖ: 13. September 2004

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

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