R. Kelly – Happy People / U Saved Me

Mag man R. Kelly nicht, lässt sich eine Menge Negatives über „Happy People / U Saved Me“ sagen. Doch auch das Gegenteil ist möglich: sich vor dem Genie des Künstlers zu verbeugen. Dieses Album spaltet die R&B-Fans so, wie es selbst in zwei Teile gespalten ist: „Happy People“ kommt ganz im Chicagoer Steppin’ Sound daher, „U Saved Me“ ruhig und religiös. Diese Zweiteilung hat R. Kelly so konsequent durchgehalten, dass es manch einem zuviel wird – vom einen wie vom anderen.

Die ganze erste CD wirkt zunächst einmal so, als ob das titelgebende „Happy People“ so oft geklont wurde, bis genug Stoff für eine ganze Scheibe vorhanden war. Wer Steppin’ als Stil nicht mag, wird hier einfach nicht auf seine Kosten kommen, egal wie sehr R. Kelly stimmlich brilliert. Positiv gesehen hält der Mann einen Stil durch und überzeugt durch die konzeptionelle Gesamtgestaltung dieses Doppelalbums. Genau so bei der Sache bleibt R. Kelly nämlich bei CD2 im soften, spirituellen Teil. Noch dazu wirken beide Hälften so fröhlich und unbeschwert, dass man auch das wirklich mögen muss.

Hinzu kommt die musikalische Würdigung der 70er und 80er im neuen Longplayer und nicht zuletzt der Umstand, dass R. Kelly sich nicht aufs Songschreiben und Singen beschränkt, sondern so viel es ging sich auch in die anderen Bereiche eingebracht hat. Dafür spricht viel – aus künstlerischer Sicht. Hinsichtlich Charterfolg und Begeisterung der Massen ist das riskant, wobei allerdings genug potentielle Chartstürmer auf dem Doppel enthalten sind, um auch das Album nach oben zu treiben. Ob am Ende allerdings alle Käufer glücklich damit werden, steht auf einem anderen Blatt.

Aus meiner Sicht geht R. Kelly hier ohne Frage den richtigen Weg, denn kommerziell hat er weit, weit mehr erreicht, als jeder Künstler, der nicht völlig dem Größenwahn erlegen ist, sich wünschen sollte. Aus dieser komfortablen Situation heraus kann sich R. Kelly als Förderer der Kunst in eigener Sache betätigen.

Künstler: R. Kelly | Album: Happy People / U Saved Me | Label: Zomba / Jive | VÖ: 23. August 2004

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