Silk – Silktime

Da veröffentlicht eine der besten R&B Bands einen neuen Longplayer – und niemand merkt es. Niemand? Naja, es haben wirklich nur wenige Black Music Fans mitbekommen, was sehr schade ist, weil Silk auch mit diesem Album wieder auf ihrem Fachgebiet überzeugen: Slow Jams! Fast ausnahmslos zielt „Silktime“ auf die Schlafzimmer, das konnten die Jungs auch immer am besten.

Auch wenn mit Lil G (Gary Jenkins) einer der Künstler die Gruppe verlassen hat, müssen an den Standard von Silk andere erst einmal herankommen. Schaffen nur wenige. Vor allem ein Grund dürfte es sein, warum auch viele Silk-Hörer früherer Tage nicht einmal etwas von der Veröffentlichung wussten: Statt auf einem der Major Labels ist „Silktime“ über Liquid 8 Records & Entertainment veröffentlicht worden.

Dort setzt man zwar auf Qualität, ohne Genre-Grenzen als geistige Schere im Kopf oder Ohr zu haben. Auch kann Liquid 8 mit beeindruckenden Namen wie Five Blind Boys Of Alabama, Shirley Caesar und sogar Smokey Robinson aufwarten, doch sind das aktuell nun nicht die Künstler mit den Verkaufsrekorden und Charterfolgen.

Der Sound auf „Silktime“ wirkt an einigen Stellen ein wenig unterkühlt, technisch, doch das hat seinen eigenen Reiz, damit sind sie in diesem Genre auch nicht die Einzigen. Auch Künstler wie Aaliyah, Next und Brandy haben nicht immer auf warmen Sound gesetzt. Beim großen Neo Soul Hype machen schließlich nicht alle mit.

Die großen Meister der Innovation sind Silk nie gewesen, erst Recht nicht auf „Silktime“, doch im Vergleich mit der breiten Masse schneiden sie in diesem Bereich dennoch über dem Durchschnitt ab – abgesehen davon, dass es ein sehr, sehr ruhiges Album ist, bleibt genug Raum für eine gewisse Abwechslung (die sich aber eher den Freunden des Genres und nicht den Durchschnittshörern erschließt).

FAZIT: Ein solides Album für die ruhigen Stunden ohne besondere Überraschungen. Gute Arbeit, aber keine Sensation.

Künstler: Silk | Album: Silktime | Label: Liquid 8 Rec. & Ent. | VÖ: 14. Oktober 2004

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.