Teedra Moses – Complex Simplicity

Mit Teedra Moses betritt eine Sängerin die Black Music-Bühne, die mit einem beeindruckenden Debüt auf breiter Front überzeugen kann: Vom Slow Jam bis zum Party Track ist alles dabei. Besonders erfrischend ist, dass hier qualitativ hochwertiger R&B jenseits von Neo Soul ins Spiel kommt, denn wenn es um hochwertige R&B-Mixturen geht, ist selten von Künstlern außerhalb des Neo Soul Hype die Rede.

„Complex Simplicity“ zeigt, wie deutlich Promotion und Wahrnehmung durch Fans des Genres auseinanderdriften können, denn das bei TVT Records hat die CD nicht mit gewaltiger Promotion in den Markt gedrückt, der Markt hat es eher von sich aus aufgesagt, nachdem es draußen war. Im Netz wimmelt es von begeistertem Feedback, und viele frisch gewonnene Teedra Moses-Fans wundern sich öffentlich, wieso das Album nur still in die CD-Regale der Läden gestellt wurde.

Zum einen wird das daran liegen, dass TVT Records nicht zu den ganz wenigen verbliebenen Riesen-Musik-Konzernen gehört, sondern (immerhin einer der größten) unabhängigen Player im Music Biz ist. Zum anderen habe ich den Verdacht, dass man einfach vorsichtig war und nicht großes Geld auf gut Glück auf die Newcomerin setzen wollte.

Ihre Mischung aus R&B, Soul und Hip-Hop mit Mary J. Blige und Faith Evans zu vergleichen und sie andererseits eher in eine Reihe mit Jill Scott und Amerie zu stellen, muss kein Widerspruch sein – sogar dann nicht, wenn sie nicht wenige sogar an Cherelle erinnert. Teedra Moses bringt auf diesem sehr gut produzierten Longplayer das Kunststück zustande, ein gewisses 80er Retro-Feeling mit modernem R&B und Hip-Hop so zu vermengen, dass das Ergebnis frisch wie – nein, nicht der junge Morgen, sondern eher frisch wie der bevorstehende Club-Abend wirkt. Teedra Moses macht da weiter, wo die von mir sehr geschätzte Amerie aufgehört hat, wagt sich ein Stück weiter auf die Straße, wirkt aber gleichzeitig ein Stück steriler und kommt vom Sound her leichter rüber obgleich dieser „ausgeklügelter“ klingt. Verheddere ich mich da in Widersprüche wie bei weißen Raben?

Wohl nicht, an diesem Punkt hilft der Blick auf den Titel: „Complex Simplicity“ lässt vermuten, dass diese Widersprüche von der Künstlerin intentiert und von ihren Produzenten sehr geschickt „aufgelöst“ wurden. Das macht das Album so spannend, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass „Complex Simplicity“ nicht durch echte musikalische Innovation und schon gar nicht durch Ideenreichtum beeindruckt. Beeindruckt bin ich eher vom Mut, das Album nicht so konservativ anzugehen, sondern so unterschiedliche Stile zu vereinen. Damit ist Teedra Moses dann irgendwie doch wieder innovativ, weil sie eine musikalische Lücke füllt. Anmerken will ich noch, dass mich derartige Mischerei sonst wie ein rotes Tuch zur Ablehnung treibt – wie ich jetzt merke, ist das dann aber wohl vor allem eine Frage, wie gut es „gemacht“ wird.

Im Fall von Teedra Moses: herausragend!

Künstler: Teedra Moses | Album: Complex Simplicity | Label: TVT Rec | VÖ: 20. Juli 2004

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.