Will Downing – Christmas, Love And You

Überraschungen kennt man eigentlich nicht von Will Downing. Vielmehr hat sich der Mann aus Brooklyn seit seinem ersten Album von 1988 in erster Linie durch vorhersagbaren, sehr soliden, guten, jazzigen R&B ausgezeichnet.

Auf „Christmas, Love And You“ überrascht der Bariton-Mann gleich beim ersten Track mit einer modernen und ungewöhnlich schnellen Version des Weihnachtsklassikers „The Little Drummer Boy“, bei der sogar afrikanische Einflüsse deutlich werden. Kreativ und – vor allem für Will Downing – unerwartet! Auch seine Interpretation von „All I Want For Christmas Is You“ hatte ich so groovy nicht erwartet – clubtauglich! Will Downing-Fans brauchen dennoch keine Sorge zu haben, dass Will Downing über aller Weihnachtsbegeisterung seinen Sinn für die sanften, ruhigen Töne vergessen hätte.

Insgesamt gesehen ist „Christmas, Love And You“ sogar mehr ein typisches Will Downing-Album als eine typische Weihnachts-CD. In erster Linie bringt dieser Longplayer den besonderen Sound von Will Downing, angereichert mit weihnachtlichen Klängen. Und dass, obwohl sieben der zehn Lieder sogar altbekannte Songs sind; Will Downing zwingt sie auf sanfte Art in sein Schema. Immerhin drei neue Kompositionen finden sich auch, was vom Verhältnis her gut passt, weil der Künstler auch für sich selbst den Anspruch hatte, zu den Wurzlen von Weihnachten zurückzukehren…wenngleich er dies vom Standpunkt eines Menschen tut, der sich eingesteht, der Kommerzialisierung des Festes bisher zu wenig widerstanden zu haben. Aus dieser Perspektive ergibt der Griff nach den Klassikern einen Sinn!

Doch es geht noch tiefer: Will Downing ist seinen Eltern dankbar, dass sie früher an Weihnachten so viele Platten mit Weihnachtsklassikern aufgelegt haben (vor allem Nat King Cole); überhaupt waren die Aufnahmen zu „Christmas, Love And You“ eine Gelegenheit für ihn, die schönen Erinnerungen an die Weihnachten seiner Kindheit aufleben zu lassen. Im Gegensatz zu einigen anderen CDs von Soul- und R&B-Künstlern aus der letzten Zeit, die zum Teil vielleicht einfach keine rechte Begeisterung für das Thema aufbringen konnten und vielleicht nur aus kommerziellen Motiven oder Druck der Plattenfirma ins Aufnahmestudio gegangen sein mögen, ist „Christmas, Love And You“ das Album eines Mannes, dem diese Arbeit ein persönliches Anliegen war.

Mit Unterstützung von Musikern wie Kirk Whalum, Gerald Albright, Joe Sample, David Sanborn, Najee und Jonathan Butler hat Will Downing eine CD herausgebracht, von der sich viele sicher fragen, warum er sich nicht schon früher mit einem solchen Projekt beschäftigt hat. Weihnachtliche Klänge in solch homöopathischen Dosen können den einen oder anderen bestimmt neu für Christmas Songs interessieren. Das liegt weniger an Innovationen – Will Downing bleibt sich wie angedeutet ja treu – als vielmehr an der so gut passenden Kombination aus seinem ganz eigenen (wenn auch unspektakulären) Stil mit Songmaterial, das sonst oft genug zu einer Art klebrigen Breis verarbeitet wird. Kurz: Er lässt den Kitsch draußen.

Damit wird „Christmas, Love And You“ zu einem Album, dass nicht nur in der (Vor-) Weihnachtszeit, sondern an allen kalten Tagen des Jahres etwas Wärme in unsere Seelen tragen kann.

Künstler: Will Downing | Album: Christmas, Love And You | Label: GRP / Verve / Universal | VÖ: 2. November 2004 | Album des Monats: Dezember 2004