Ashanti – Concrete Rose

Reden wir nicht Drumherum: „Concrete Rose“ bringt die Art von poppigem R&B, die wir nicht vermissen würden, wenn sie plötzlich nicht mehr im Radio laufen würde. Doch genau das Gegenteil davon erleben wir: Ihr seichter Sound verklebt weltweit die Lautsprecher. Angeblich hält Ashanti selbst ihr aktuelles Album für das Beste, das sie je aufgenommen hat. Naja, erstens hat wohl noch kein Künstler zugegeben, dass er früher schon mal besser war. Zweitens: siehe erstens.

Meiner Meinung nach hat sie mit jedem Album qualitativ nachgelassen. War ihr Debüt durchaus interessant und vielversprechend hinsichtlich ihrer weiteren Karriere, war schon „Chapter II“ ein wenig enttäuschend. Bei „Ashanti’s Christmas“ haben die Beteiligten es wohl selbst eingesehen und nach der Hälfte der üblichen „Mindest“-Spielzeit eines Albums die Arbeit eingestellt. Kürze ohne Würze. The Inc. will anscheinend auch nichts mehr davon wissen, wie sonst erklärt es sich, dass „Concrete Rose“ sogar auf der Website des Labels als drittes Album bezeichnet wird…?

Ashanti ist keine große Sängerin, doch im Gegensatz zu den meisten Kritiken, die ich bislang zu „Concrete Rose“ gelesen habe, kann ich leider nicht behaupten, dass 7 Aurelius das durch die geschickte Produktion ausgleichen oder zum Teil wettmachen könnte. Nicht mal ansatzweise!

Mit einer besseren Produktion hätte aus „Concrete Rose“ durchaus ein angenehmes Album werden können, doch bis auf wenige Ausnahmen wie „Focus“, das wenigstens unterscheidbar und irgendwie cool ist und nicht nur diesen klebrigen, sehr zähen Soundbrei liefert, frage ich mich bei einigen Tracks, wie das Album nur in diesem Stadium veröffentlicht werden konnte.

Der große Mangel an Originalität müsste gar nicht das Problem sein: „Still Down“ mit dem Feature von T. I. zeigt, dass auch die alten Ideen noch mal so aufgewärmt werden können, dass man als Konsument irgendwie satt davon wird. Auch „Don’t Let Them“ ist – ohne Originalität – in seiner ruhigen, eindringlichen Art ein hübscher Track. Ähnliches gilt für „Freedom“. Für den Remix von Ja Rule’s „Wonderful“, das „Concrete Rose“ abschließt und dem Ganzen wenigstens einen würdigen Abschluß gibt, muss man sich die CD der Künstlerin auch nicht kaufen, denn (keine Überraschung) so originell ist der Remix nun auch, da reicht die einfache Single von Ja Rule.

Lieder wie „Love Again“ taugen bestenfalls dazu, feindliche Agenten durch Psycho-Folter weichzukochen. Beim Sound nicht nur dieses Songs habe ich das Gefühl, dass Ashanti neben der Spur singt oder die Geschwindigkeit nicht stimmt. Wer begleitet sie…das Orchester der verstimmten Instrumente?

T. I., Lloyd und Ja Rule können es auch nicht retten. „Turn It Up“ zum Beispiel fehlt (bei ansonsten solidem Aufbau) einfach der Bums. In der vorliegenden Fassung wäre es nur was für ein Demo-Tape, um mal zu zeigen, in welche Richtung es gehen soll.

FAZIT: So weggedröhnt, wie Ashanti auf dem Cover aussieht, klingt leider der größte Teil des ganzen Albums.

Künstler: Ashanti | Album: Concrete Rose | Label: The Inc. | VÖ: 14. Dezember 2004

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

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