Ciara – Goodies

Die Single „Goodies“ kennt wohl so gut wie jeder an modernem R&B Interessierte, und mit „1, 2 Step“ hat Ciara als zweiten Song noch einen Track ausgekoppelt, der für die Tanzfläche bestimmt ist.

Doch auf ihrem „Goodies“-Album zeigt Ciara, dass sie auch im mittleren und langsamen Bereich punkten kann – doch ihr Debüt-Album werden sich viele, die den Stil der ersten beiden Singles nicht mögen, gar nicht erst angehört haben. Das ist schade!

Zugegeben, Ciara ist stimmlich keine Sensation, doch mit Top-Leuten wie Lil Jon, Jazze Pha, Sean Garrett, Missy Elliott, Petey Pablo, Ludacriss und R. Kelly liegt mit „Goodies“ am Ende eine CD vor, die einfach Spaß macht.

Ob Ciara den Titel Princess Of Crunk & B tragen sollte, ist eine unsinnige Frage, denn ohne Königreich ist er nichts wert – und das gibt es mangels Masse an Künstlerinnen in diesem Feld einfach (noch?) nicht.

Wie eng die musikalischen Grenzen der Künstlerin noch liegen, lässt sich besonders gut bei „Next To You“, dem Track mit dem R. Kelly-Feature, bemerken: Ciara schafft es insbesondere bei den hohen Tönen nicht, diesem Songmaterial gerecht zu werden. R. Kelly hat ganze Arbeit geleistet, ein Lied geschrieben, dass zwar klingt, wie schon sehr viele andere aus seiner Feder, aber grundsolide konstruiert fast schon eine Hitgarantie eingebaut hat. Hätte er das bloß selbst gesungen und nicht Ciara rangelassen!

Gleich beim folgenden Lied, „And I“, reizt Ciara ihre Grenzen aus ohne zu überreizen, macht sie einen guten Job. Das gilt insgesamt übrigens auch für ihre Texte, die zwar keine besonderen Einsichten ins Leben eröffnen, aber zu einer erst 18jährigen Sängerin passen – und damit eben tatsächlich passen und nicht fehlplaziert wirken.

Warum ihr Titeltrack „Goodies“ im Sommer 2004 so ein Erfolg war, ist nachvollziehbar, persönlich finde ich ihn sehr schwach. Der Song mit dem Namen (!) „The Title“ zeigt dagegen einmal mehr, dass Ciara Talent hat, es aber nicht so genutzt wird, wie es vorhanden ist – und man ihr Dinge zugemutet hat, für die ihre Stimme noch nicht bereit ist.

Zur Hochform läuft Ciara bei „Thug Style“ auf, einer sehr relaxten Midtempo-Nummer, die rundum stimmig ist. Auch stimmlich! Mehr davon und sie wird sich einigen Respekt in der R&B-Szene erwerben können. Ähnliches lässt sich über „Hotline“ sagen, dem gleichzeitig kräftig und entspannt wirkenden Song, auf dem Ciara beweist, dass sie mit ihrer dünnen Stimme sehr wohl überzeugen kann.

Die meisten Tracks auf „Goodies“ sind übersichtlich gebaut, ohne zu simpel gestrickt zu sein; das passt bestens zum Gesang der Künstlerin. Es tut mir leid für Ciara, dass der Einsatz der vielen erfahrenen Musiker nicht dazu geführt hat, dass sie ihrer momentanen Stärke entsprechend arbeiten konnte.

Künstler: Ciara | Album: Goodies | Label: Zomba | VÖ: 25. Oktober 2004

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

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