Syleena Johnson – Chapter 3: The Flesh (weitere Kritik)

Mit “Chapter 3: The Flesh” zeigt Syleena Johnson, dass sie eine der besten R&B-Sängerinnen des noch jungen Millenniums ist. Nach nun vier Alben (Chapter 1 war ja schon ihr zweiter Longplayer) sollten es mehr Black Music Fans gemerkt haben, aber bislang erreichte sie die meiste Aufmerksamkeit als Gastsängerin auf „All Falls Down“ von Kanye West.

An Unterstützung durch klangvolle Namen mangelt es ihr bei diesem Album indes auch nicht: R. Kelly, Common, Kay Gee, Twista, Fabolous. Jermaine Dupri und natürlich Kanye West. Gemeinsam ist so ein ausgesprochen gutes Album produziert worden, das nicht zu modern ist – also auch in einigen Jahren noch begeistern kann – andererseits aber auch nicht so rückwärtsgewandt klingt, wie bei einigen angesagten Künstlern, die eher im Neo Soul zu verorten sind. Syleena Johnson und ihrem Team gelingt es erfolgreich, zwischen modernem R&B und Sound der 60er und 70er eine Brücke zu schlagen, ohne dass dies bemüht oder zu angestrengt wirken würde.

Mit „Love, Pain & Forgiveness“ sowie „The Voice“ hat sie sich eine Fan-Basis geschaffen, die zum Teil etwas irritiert auf „The Flesh“ reagiert hat: angefangen beim – gemessen an dem, wie sich Syleena bisher präsentiert hat – provokativen Cover und erst Recht bei Liedern wie „Phone Sex“. Bei diesem Track geht es jedoch nicht um eine anonyme Telefonsex-Hotline, sondern um ihren Partner, der weit weg ist und mit dem sie dann Telefonsex hat. Zugegeben, diese Nummer hat auch mich überrascht, weil sie doch weit anschaulicher erzählt als das etwa R. Kelly bei seinem Lieblingsthema tut. So wünsch ich mir das!

Sinnlichkeit versprüht Syleena Johnson überhaupt eine Menge auf „Chapter 3: The Flesh“. Zusammen mit dem überwiegend sehr warmen Sound dieses Longplayers stimmt die Mischung auch auf dieser Ebene. Reifer Sound, volle Weiblichkeit und eine Stimme, mit der sie Männer um den Verstand singen kann machen diese CD zu einem besonderen Erlebnis – zu einem seltenen, denn wer so zu singen vermag präsentiert sich meist recht zugeknöpft und überlässt den verstärkten Körpereinsatz den stimmlich weniger talentierten Konkurrentinnen.

Der Hip-Hop-Anteil, mit dem „Chapter 3: The Flesh“ ausgestattet ist, verleiht dem Album die nötige Schneidigkeit, ohne jemals den Sound zu dominieren. Auch hinsichtlich der unterschiedlichen Tempi möchte ich gratulieren. „More“, das Syleena gemeinsam mit Anthony Hamilton singt und natürlich mit „Hypnotic“, bei dem sie R. Kelly und Fabolous an ihrer Seite hat und das schnelle „He Makes Me Say“, sorgen für ausgelassene Stimmung, während „Slowly“ etwa für intensive Stunden zu zweit passt.

FAZIT: „Chapter 3: The Flesh“ gehört zu den Alben, die man immer und immer wieder hören kann, die sich dabei nicht rasch abnutzen, sondern die man dabei erst richtig zu schätzen lernt.

Künstler: Syleena Johnson | Album: Chapter 3: The Flesh | Label: Zomba (Sony BMG) | VÖ: 14. Oktober 2005

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

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