Donald McCollum – U Don’t Want My Love (weitere Kritik)

In der ganzen Welt umherreisen und interessante Leute Treffen. Dieses alte Versprechen der US-Armee, um Rekruten anzulocken, ist für Donald McCollum aufgegangen. Nach Belgien zu ziehen, mit deutschen Produzenten zu arbeiten, in Großbritannien ein Album veröffentlichen, das ist zu einem großen Teil auch das Ergebnis seiner Zeit in der U. S. Air Force.

Nach seiner Militärzeit wollte er in Europa bleiben, um eine Gesangskarriere zu starten. Das alles erklärt, warum „U Don’t Want My Love“ überhaupt nicht so klingt wie Musik von anderen Künstlern, die in Chicago geboren wurden. Dôme Records passt hervorragend zu ihm, denn dieses erfolgreiche englische Label steht auch für ein bestimmtes Sound-Spektrum, in das Donald McCollum bestens passt.

Dennoch würde eine Etikettierung als „British Soul“ für das Album als Ganzes in die Irre führen, was nicht nur daran liegt, dass er drei Cover-Versionen („Waiting In Vain“, „Be Thankful For What You Got“ und „You’re My Everything“) aufgenommen hat, sondern noch mehr daran, dass Retro-Sound für ihn nicht nur ein sparsam dosiertes Stilmittel ist.

Tatsächlich ist „Retro“ das Konzept des Albums und bleibt der Künstler mit seinem Team nicht bei den 80ern und 90ern stehen, sondern lebt seine Liebe zur Motown-Ära genauso aus wie die zu Bands wie Incognito und den Brand New Heavies oder auch zu Jamiroquai. Sind das nicht zu viele Einflüsse auf einmal? Robbie Hardt und Harry Zier – bekannt auch als Team unter den Namen Candy Station und Soul-O-Matic – als erfahrene Produzenten haben es gut hinbekommen.

Auch stimmlich ist Donald McCollum dem voll gewachsen, denn ob er bei William DeVaughn’s „Be Thankful For What You Got“ seine Falsettostimme einsetzt oder bei „You’re In My Arms Again“ beeindruckend tief singt, stets wirkt der Mann sehr souverän. Immerhin singt er nicht erst mit Leidenschaft, seit er aus der Armee ausgeschieden ist, sondern schon fast sein ganzes Leben. Sein Vater war in einer Gospelgruppe, die zahlreiche Auftritte hatte. Zu erleben, wie sein Vater damals auf der Bühne stand, hat ihn inspiriert. Im Alter von sieben sang er gemeinsam mit seinen Schwestern in einer eigenen Gruppe in Talentshows – oft unter tränen, weil er sehr schüchtern war und ihm die öffentlichen Auftritte Angst machten. So schrecklich es oft auch für ihn war, er hielt durch, weil er das Singen so liebte.

Aus diesem Grund ist er mit seinem Team auch nicht angetreten, einen Hit zu produzieren oder ein Album, das „jeder“ mögen würde, sondern zuerst einmal er selbst. Ohne Rücksicht auf die spätere Vermarktung hat Donald McCollum „U Don’t Want My Love“ so gestaltet, wie er es fühlt. Wenn ihm jetzt jemand sagt, dass es ihm gefällt, freut Donald das umso mehr.

Künstler: Donald McCollum | Album: U Don’t Want My Love | Label: Dôme Records | VÖ: 27. Januar 2006