Donell Jones – Journey Of A Gemini

Es sind nicht immer die Besten, die ihre Alben im Jahrestakt veröffentlichen. Die Besten erleiden oft herbe Rückschläge, was sie in vielen Fällen bestimmt auf lange Sicht auch besser werden lässt. Leidenschaft und Leiden sind beide wichtige Komponenten für R&B und die Leidenschaft muss schon stark sein, um sich nicht entmutigen zu lassen. Donell Jones musste so mehr als vier Jahre warten, um sein viertes Album veröffentlichen zu können. Persönliche Probleme und solche mit seinem alten Plattenlabel haben seine Karriere ausgebremst, zuletzt wurde „Journey Of A Gemini“ auch immer wieder verschoben.

Das fertige Produkt, das in den Läden steht, ist ein Diamant, schön und begehrt zugleich. In den amerikanischen R&B Album Charts war Donell Jones mit diesem Longplayer auf Platz 1, die Kritiken sind zum Großteil ausgesprochen gut.

Den Titel finde ich zwar nicht besonders originell – viele Künstler sind im Sternbild Zwillinge geboren, Donell Jones ist nicht der erste, der sich selbst in eine gute und schlechte Hälfte teilt, um so seine Möglichkeiten zu erweitern. Dafür setzt er Maßstäbe für modernen R&B: weniger durch Innovationen als dadurch, wie hoch die Qualität seines Albums insgesamt liegt. Nicht einmal im Vergleich mit den drei vorherigen Alben ist eine stilistische Entwicklung zu bemerken. Die neuen Songs lassen sich prima mit denen von „My Heart“, „Where I Wanna Be“ und „Life Goes On“ mischen.

Wenn es doch eine Veränderung gibt, die ohne Mühe erkennbar ist, dann liegt der Grund woanders: Hatte Donnell Jones bislang alle Songs nicht bloß selbst geschrieben, sondern auch noch selbst produziert, holte er sich für “Journey Of A Gemini” die Unterstützung von Produzenten wie den Underdogs, Ryan Leslie, Tim & Bob, Mike City sowie Jermaine Dupri. Letzterer ist mit seiner markanten Stimme auch rappender Weise auf dem Partytrack „Better Start Talking“ sofort herauszuhören – was nicht jedem gefällt, den Song auch nicht künstlerisch aufwertet, aber dafür sorgt, dass er sich geradezu einbrennt beim Hörer, eben zum Ohrwurm wird.

Für Extra-Würzung sorgen sonst noch Gastraps von Bun B bei „If You Want“ sowie Clipse beim Remix von „I’m Gonna Be“. Ohne sie würde dem Album zwar auch nichts fehlen, doch ein paar schnittige, Party-taugliche Tracks erfreuen auch viele R&B-Fans, die es sonst lieber smooth mögen. Ruhig und sanft genug ist „Journey Of A Gemini“ nämlich schon genug, ein Mangel an Slow Jams war auch nicht zu erwarten.

Ob die einzelnen Songs thematisch tatsächlich so gut zueinander passen, dass eine runde Geschichte daraus wird, mag man so oder so wahrnehmen, spielt im Zeitalter von Zufallswiedergabe und dem Einzelkauf von Songs im Internet keine so große Rolle mehr wie früher. Ohne Frage überzeugend eingesetzt hat Donell Jones seine Fähigkeiten als Songwriter jedenfalls so weit, dass die meisten Songs auch auf dieser Ebene überzeugen.

Damit hat Donell Jones eindrucksvoll bewiesen, dass er so stark wie früher zurückgekehrt ist und seine Musik nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat. „Journey Of A Gemini“ bietet die passenden Songs, um aus einem viel versprechenden Date einen unvergesslichen Abend werden zu lassen.

Künstler: Donell Jones | Album: Journey Of A Gemini | Label: La Face | VÖ: 26. Juni 2006

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

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