Laurneá – The Collection

Ein guter Zeitpunkt: Nach vier Studioalben hat Laurneá ausreichend Material, um für “The Collection” eine Auswahl sehr hochwertiger Soul Tracks zu treffen. Ihre Solokarriere haben leider nur sehr wenige Soulliebhaber verfolgt, was angesichts des hohen künstlerischen Anspruchs auch kein Wunder ist. Damit wir uns richtig verstehen: Ihre Musik ist (meistens) nicht anstrengend, verlangt aber oft nach Aufmerksamkeit. Stücke wie „Peaceful Waters“ sind – wenngleich der Titel anderes vermuten lässt – nicht friedlich genug, um sie als Klangteppich während der Arbeit zu verwenden.

Gleich der erste Track auf „The Collection“, das gemeinsam mit India.Arie produzierte „Doin’ It For Me“, ist locker und heiter genug, um viele Menschen – auch jenseits der Black Music Fangemeinde – zum Mitsummen zu animieren. Insofern liegt hier durchaus Potenzial, um ihren Hörerkreis zu erweitern, aber nur bei ausgewählten Stücken, ihre Alben insgesamt sind bei weitem nicht so leicht zugänglich – „The Collection“ bildet dabei keine Ausnahme. Wer allerdings Künstler wie India.Arie und N’Dambi, mit denen sie befreundet ist und auch gelegentlich zusammenarbeitet, schätzt, sollte Laurneás Sound unbedingt prüfen!

Gehört haben ihre Stimme schon sehr viele Menschen, nur war das keine bewusste Entscheidung für sie als Künstlerin. Laurneá war einfach schon für zahlreiche Größen des Genres als Backgroundsängerin im Studio: Jeffrey Osborne, Chaka Khan, James Ingram, Patti Labelle und natürlich Babyface. Ihr Debüt-Album „Betta Listen“ (1997) erschien immerhin auf seinem Label Yab Yum. Da es hinsichtlich der Verkaufszahlen die Erwartungen nicht erfüllte, führte dies dazu, dass „II“ (im Jahr 2000) und „New Territory“ (2002) in Eigenregie erschienen – in Japan erschien das dritte Album auch bei JVC. Den vierten Longplayer „I Remember“ (2003) brachte sie gleich bei Universal Japan raus, im August 2005 noch einmal über Dôme Records. Das vorliegende „The Collection“ ist auf Shanachie erschienen und damit zumindest was Anspruch und Kernzielgruppe angeht, genau an der richtigen Adresse.

Zum Thema „schon mal gehört“ zählt nicht zuletzt, dass Laurneá Mitglied der britischen R&B Band Loose Ends und Leadsängerin bei der Hip-Hop Crew Arrested Develeopment war.

Laurneá Wilkerson ist nicht nur eine gute Sängerin, Songschreiberin und Produzentin, sondern auch Schauspielerin. Nach der Highschool erhielt sie mit 18 eine Rolle in „The Wizard Of Oz On Ice“, vor allem hat sie in Filmen gespielt: Laurneá im Spike Lee Joint „School Daze“ (1988), Brianne in „My Past Is My Own“ (1989), Zena in „Sing“ (1989) und eine Cotton Club-Sängerin im Gangsterfilm „Hoodlum“. Dazu kann sich noch vorweisen, einen wichtigen Part in Bobby McFerrins „Voicestra“-Ensenble gehabt zu haben.

Freunde des reifen Soul-Sounds, die Laurneá bislang noch nicht kennen, bietet „The Collection“ die Gelegenheit, diese Künstlerin schätzen zu lernen. Es spricht allerdings auch nichts dagegen, sich lieber alle vier vorherigen Alben zu besorgen – außer vielleicht, dass diese nicht so leicht zu bekommen sind.

Künstler: Laurneá | Album: The Collection | Label: Shanachie (Just records Babelsberg) | VÖ: 25. November 2005

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.