Luther Vandross – The Ultimate Luther Vandross

Das ist einfach zu wenig: Eine einzelne CD kann die Karriere eines der größten R&B-Stars (viele sagen DES größten) nicht adäquat abbilden. Um dem Titel „The Ultimate Luther Vandross“ gerecht zu werden, hätte es schon ein Doppelalbum werden müssen, besser eine Box mit drei CDs.

Für den CD-Käufer ist „The Ultimate Luther Vandross“ natürlich trotzdem kein Fehlgriff, so er denn nicht schon alle seine Alben im Plattenschrank stehen hat (ein Vorhaben, dass der geneigte Leser am besten gleich auf seine To Do-Liste setzt). Schwache Songs, die kenne ich von Luther Vandross nicht, jeder einzelne auf „The Ultimate Luther Vandross“ steht über dem Genre-Durchschnitt.

Gut an dieser Zusammenstellung ist, dass die drei Labels Epic, Legacy und J Records sich dabei zusammengetan haben, um den langen Zeitraum seiner Karriere abbilden zu können. Wer bisher kein Fan des Künstlers war, kann sich mit dieser Scheibe einen Überblick über Luthers Stilvielfalt verschaffen, die er in seiner rund ein Vierteljahrhundert währenden Karriere bewiesen hat.

Die kommerzielle Ausrichtung sollte dabei nicht stören, denn aus welchem anderen Grund, als in einer Extra-Runde Extra-Einnahmen zu erzielen, werden überhaupt Hit Collections veröffentlicht? Daher ist es nur konsequent, dass seine Duette „Endless Love“ mit Mariah Carey sowie „The Closer I Get To You“ mit Beyoncé Knowles hier dazu gehören. Den künstlerischen Höhepunkt in seinen Leben bilden sie gewiss nicht, sind aber gut gemacht und schön anzuhören. Im direkten Vergleich mit dem Original von Donny Hathaway und Roberta Flack bekommen Luther und Beyoncé von mir zwar ohne Zögern ein paar Punkte weniger – absolut gesehen besteht hingegen kein Anlass, mich negativ zu äußern. Nein, wirklich nicht!

Die vergleichsweise hohe Zahl der Lieder aus jüngerer Vergangenheit erklärt sich daraus, dass Luther Vandross bis zu seinem Tod leider nur wenige Jahre bei J Records unter Vertrag stand und J Records nun natürlich auch ordentlich an dieser CD verdienen will. In seinen letzten Lebensjahren war seine Musik allerdings auch wieder sehr gefragt, für den Titelsong „Dance With My Father“ aus 2003, erhielt er den Grammy für den Song des Jahres – den Hauptpreis!

Der Platz für seine zahlreichen Hits wurde dadurch beschnitten, dass zwei bisher unveröffentlichte Songs mit in das Album aufgenommen wurden, wobei „Shine“ in einer Reihe mit seinen größten Hits bestehen kann. Das Chic-Sample aus „My Forbidden Lover“ von 1979 haben die Superproduzenten Jimmy Jam & Terry Lewis ges[chic]kt genutzt, wodurch „Shine“ wie einer von Luthers frühen Hits klingt.

Zweiter Neuling auf „The Ultimate Luther Vandross“ ist „Got You Home“, eine sehr, sehr eingängige Ballade – doch das hat Luther Vandross ja immer so gut verstanden: Den süßesten Honig nie unangenehm klebrig zu servieren.

FAZIT: „The Ultimate Luther Vandross“ ist ein sehr schönes Album, doch der Titel passt nicht – nicht vom Anspruch und nicht vom Namen, denn ein „Ultimate Luther Vandross“ gab es (mit einer etwas anderen Songauswahl) schon 2001. Fällt den Plattenfirmen nicht mal mehr ein neuer Titel ein?

Künstler: Luther Vandross | Album: The Ultimate Luther Vandross | Label: Smd Epc (Sony BMG) | VÖ: 1. September 2006

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

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