The Persuaders – Made To Be Loved

Dieses Album klingt wie die Einladung zu einer Zeitreise zurück in die 1970er Jahre. Gegründet 1969 hatten The Persuaders bald einige Hits: „Love’s Gonna Pack Up“, „Peace In The Valley Of Love“ und natürlich „Thin Line Between Love And Hate“, das auch vielen jungen Black Music Fans ein Begriff ist – allerdings in der sehr schönen Remake-Fassung von H-Town als Titelsong für den Film „A Thin Line Between Love And Hate“ aus 1996.

Zehn Jahre später wird es Zeit, dass die Persuaders selbst ihre alten Fans mit neuem Material versorgen – nach rund 30 Jahren Pause. Besonders viele junge Menschen werden sie damit leider nicht erreichen. Um die großartige Arbeit würdigen zu können, muss man schon viel R&B gehört haben. Ich selbst bin oft auch für einfach gestrickten Mainstream-R&B zu begeistern, doch für meine Seele brauche ich echten Soul, der mir hilft, mein inneres Gleichgewicht zu erlangen. Eben Musik, wie sie „Made To Be Loved“ bietet!

Besonders gut an diesem Longplayer gefällt mir, dass die Persuaders nicht einfach ein Retro Soul Album aufgenommen haben, sondern einen fast modernen Sound zu Gehör bringen – klassisch und konservativ im Stil, aber nicht von gestern! Elemente aus früheren Zeiten sind – gut ist das! – vorhanden und ich hoffe, dass ihre eigenen frühen Aufnahmen und die anderer großartiger Bands dadurch wieder stärker gefragt sind – so möchte ich mein Eingangsstatement mit der Zeitreise verstanden wissen. Im gar nicht so kleinen Segment des zeitlos, modernen Souls, das vor allem Altgediente Musiker bedienen, wirken die Persuaders mit ihrem 2006er Album fast schon avantgardistisch.

Die Stimmen der Sänger harmonieren im aktuellen Line Up meistens perfekt, die größte Stärke von „Made To Be Loved“ ist jedoch die Produktion – ausgefeilt und mit der nötigen Tiefe, um auch bei häufigem Anhören interessant zu bleiben. Ein ganz leichter Anflug von Jazz in einigen Liedern sorgt für eine Leichtigkeit, die ich im Sound ähnlicher Bands zum Teil vermisse.

So begeistert ich von „Made To Be Loved“ als Ganzem bin, will ich nicht unerwähnt lassen, dass es auch vergleichsweise schwache Momente aufweist: „As One“ hätten sie besser vom Tracklisting gestrichen. Der leiernde Sound liegt wohl im Konzept, nicht an der Leistung der Musiker, ich wundere mich, wie es diese Nummer auf das Album geschafft hat.

Dionne Warwicks „A House Is Not A Home“ aus 1964 singen die Persuaders überzeugend, wenngleich sie nicht an Luther Vandross herangekommen, der damit 1981 einen großen Hit hatte. Ganz groß dagegen „You´re The Best Thing“, das sie selbst vor über 30 Jahren schon einmal aufgenommen hatten (und für Gladys Knight & The Pips ein großer Erfolg wurde). Aber da hatten die Jungs ja auch viel, viel Zeit zum Üben…

Ein hoher Anteil an synthetischer Instrumentierung ist meist ein Indiz dafür, dass bei der Produktion aufs Geld geachtet werden musste, denn echte Musiker kosten echtes Geld. Spannend wäre es allemal, die Songs auch einmal alle mit großer Besetzung statt großer Programmierung zu hören. Umso mehr hoffe ich, dass die Persuaders viele neue Fans gewinnen, um in Zukunft ihre große Musik nicht knapp kalkulieren zu müssen. Meinen Support haben die Persuaders!

Künstler: The Persuaders | Album: Made To Be Loved | Label: It´s Soul Time! Records | VÖ: 10. Janurar 2006 (USA)

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.