J. Harris – Gotta Be Me

Bodenständigen, durch und durch erwachsenen R&B bietet J. Harris auf seinem Album „Gotta Be Me“. Auf seiner eigenen Website vergleicht er sich stimmlich mit Will Downing und soweit ist dies ein treffender Vergleich. Mit tiefer Stimme und völlig unaufgeregt präsentiert J. Harris einen sehr entspannten Sound. Im Vergleich zu Will Downing, dem er bei den ruhigen bis mittelschnellen Stücken im Stil ähnlich ist, ist J. Harris bei schnellen Tracks signifikant leidenschaftlicher. Etwas grooviger geht’s bei J. Harris außerdem auch zu.

Auf Stimmakrobatik verzichtet der Künstler weitgehend, was auch bei auf ein erwachsenes Publikum abzielenden Künstlern nicht selbstverständlich ist. Die Stimme steht bei diesem Album nicht nur deshalb im Mittelpunkt, weil sie so tief und vergleichsweise kräftig ist. Es liegt auch an der Instrumentierung, bei der sich wiederum ein Vergleich zu Will Downing anbietet. Sparsam, einfach, weitgehend synthetisch, wie es kennzeichnend ist für Projekte mit kleinem Budget. Wie klein das Budget war, wird aus dem etwas verrückten Interview-Track klar, in dem J. Harris erzählt, dass er alle Songs in seiner Küche aufgenommen hat.

Dazu passt eine Produktion, die die Stimme von J. Harris nicht allzu rund schleift und ihr einen rauen Charme lässt. So wirkt der Sound besonders ehrlich wie etwa bei einem Liveauftritt. Kleine Schwächen stören da nicht, sondern unterstreichen, dass hier ein normaler Mensch und kein Megastar seiner Kunst nachgeht.

Erstmal öffentlich gezeigt hat der Mann aus New Orleans sein Talent während seiner Highschool-Zeit als er mit Freunden die Gruppe Tavasco gründete. Immerhin waren sie Vorgruppe für die Commodores, B. B. King, die Four Tops und einige andere wichtige Künstler. Nach der Auflösung von Tavasco sang J. Harris zuerst bei Three Smooth und später bei ReaLove.

Nach all den Jahren in diesen Bands tat er sich mit Songwriter und Produzent Montel Jones zusammen, um mit „Gotta Be Me“ sein erstes Soloalbum aufzunehmen. Wer ein R&B-Album mit relaxtem, manchmal leicht jazzigem, ein andermal eher groovigem Sound sucht, das weit entfernt vom Mainstream auf jeglichen Pop verzichtet, sollte „Gotta Be Me“ probieren.

Künstler: J. Harris | Album: Gotta Be Me | Label: Jamtel Publishing | VÖ: 24. September 2007

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.