Keith Robertson – Love, Life & Relationships

Songschreiber, Sänger und Schlagzeuger war Keith Robertson schon viele Jahre, bevor er 2006 endlich ein Soloalbum veröffentlicht hat. Seine Erfahrungen mit Mainstream-Musik waren sicher sehr hilfreich, doch „Love, Life & Relationships“ zielt eher auf die qualitätsbewussten, reiferen R&B-Fans als auf die eher jungen chartorientierten Hörer.

Dennoch ist „Love, Life & Relationships“ leicht zugänglich und folgt eher bewährten Mustern als innovativen Ansätzen. Underground-Soul klingt anders. Dazu kommt die Gospel-Orientierung seines Debüts, was eine klare Einordnung in eine der herkömmlichen Schubladen noch einmal erschwert.

Eine erste musikalische Prägung erfuhr Keith Robertson durch seine Großmutter Mazel Robertson, die für den legendären Gospelmann James Cleveland im Background sang. Dazu passt, dass Keith einige Erfahrung mit dem Schreiben und Produzieren im Gospel-Bereich hat.

Tiefe Einblicke in die Welt von Rhythm & Blues erhielt er von Rudolph Isley und Chris Jasper von den Isley Brothers; deren Neffe zu sein, war für seine musikalische Entwicklung der reinste Glücksfall!

Waren diese Möglichkeiten sozusagen unverdient, hat er sich durch sein Talent und Entwicklung verdient, mit Teddy Pendergrass zu arbeiten und mit der Dazz Band auf Tour zu gehen. Die Liste seiner Auftraggeber ist inzwischen so lang, dass ihm wohl auch die Zeit und Ruhe fehlte, früher ein Soloalbum zu veröffentlichen.

Während viele moderne R&B-Sänger den sexuellen Teil einer Beziehung betonen, ist es bei Keith Robertson – naheliegend! – der spirituelle, ohne dass jedoch die Romantik zu kurz käme.

Der Albumtitel „Love, Life & Relationships“ ist nicht originell gewählt, beschreibt aber treffend, worum es in den meisten Songs geht. In „Don’t Nobody Wanna Be Here“ dagegen geht es um Obdachlosigkeit – so angenehm hat dieses Thema selten zuvor geklungen, könnte man sagen. Ob das zur Problematik passt, lässt sich diskutieren. Zu bedenken ist, dass eine Sensibilisierung auf dieser Ebene weit mehr bringen kann als direkte Worte der Vernunft oder Appelle an das schlechte Gewissen. Auf Dauer hören die Menschen lieber Angenehmes.

FAZIT: Als Veteran im Black Music-Geschäft debütiert Keith Robertson auf sehr hohem Niveau.

Künstler: Keith Robertson | Album: Love, Life & Relationships | Label: Keith Robertson | VÖ: 12. März 2007

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.