Mikelyn Roderick – Copasetic Is

Debütalben werden eher mit 24 Jahren veröffentlicht, nicht nach 24 Jahren im Musikgeschäft. Mikelyn Roderick, ehemals Sängerin der Band By All Means, ist eine Frau mit viel Erfahrung, so hat sie etwa schon für Quincy Jones, Barry White, Stevie Wonder, Bill Withers und Tevin Campbell im Background gesungen.

Die Liste derer, für die sie gearbeitet hat, ist sehr lang und man könnte sich viele Gedanken dazu machen, wie die vielen Künstler sie beeinflusst haben. Rahsaan Patterson dankt sie im Booklet der CD ganz besonders, er singt – als einziger Gastkünstler des gesamten Albums – beim Stück „If You Really Love Me“ dann auch mit.

Andererseits ist eine eindeutige Prägung durch einzelne Künstler nicht zu erkennen, Mikelyn Roderick hat sich einen eigenen Stil erarbeitet und bietet auf ihrem ersten Soloalbum eine ansprechend abwechslungsreiche Mischung. Im Gegensatz zur Erklärung des Namens „Copasetic Is“ (was dieses Copasetic ist, weiß wohl keiner so genau) hat man es bei der Zuordnung des Longplayers zu einem Genre leicht: Soul Jazz.

Mikelyn Roderick vermeidet dabei elegant die Extreme: anspruchsvoll, aber nicht zu kompliziert und anstrengend, entspannt, aber nicht seicht, eingängig, aber weder beliebig und erst recht nicht kommerziell. Ein Album wie dieses kommt nicht aus der Mode, ist zeitlos, vielleicht ein wenig old fashioned.

Selbst auf dem (einzigen) Dance-Track „Slippin’“ sorgt die Künstlerin mit ihrer weichen Stimme für entspannte Stimmung – nur kurz wagt sie sich mit mehr Power hervor und beweist, dass sie auch anders kann. Sich auf die sanfteren Töne zu konzentrieren und das Album weitgehend im Midtempo-Bereich zu halten, ist eine gute Entscheidung, denn dabei kann sie ihre Stärken besser nutzen.

Mit dem Titeltrack lädt sie dazu ein, sich weit, weit weg zu träumen, die hektische Welt hinter sich zu lassen. Leicht melancholisch und von meditativer Ruhe bietet dieser Track einen guten Anlass, das allgemeine Tempo unserer Zeit in Frage zu stellen. Den Schneeflocken beim Fallen zuzusehen oder in einer einsamen Gegend mit freiem Blick auf den Horizont die erste Kühle des Abends beim Sonnenuntergang an einem heißen Sommertag zu spüren, bieten sich gleichermaßen zum Genuss dieses Seelenbalsams an.

Die großartige Stimme von Mikelyn Roderick ist eindringlich, aber nie aufdringlich, man kann ihr zuhören oder „Copasetic Is“ im Hintergrund laufen lassen, auch für angenehme Atmosphäre in einer Lounge sind die meisten Lieder auf diesem Album auch ihrer Eleganz wegen gut geeignet.

Künstler: Mikelyn Roderick | Album: Copasetic Is | Label: Dôme (rough trade) | VÖ: 23. Februar 2007

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.