Tommy Dodson – Ain’t Nothing Like The Real Thing

Nicht nur die Megastars gehen auf Welttournee! Dieser Mann ist schon auf der ganzen Welt aufgetreten und dennoch kaum bekannt. Fünf Jahre lang spielte Tommy Dodson auf Kreuzfahrtschiffen, denn dort wird die schöne Tradition, einen Barpianisten zu beschäftigen, noch gepflegt.

Während der Arbeiten an „Ain’t Nothing Like The Real Thing“ arbeitete Tommy in Pianobars in Los Angeles und trat auf Privatparties in Beverly Hills auf. Auf jeden Fall kann ein Künstler es schlechter haben! Doch wer weiß, vielleicht würde er vor weit größerem Publikum spielen, hätte er seine Musikerkarriere nicht unterbrochen.

Geboren in Fort Scott im US-Bundesstaat Kansas wuchs Tommy Dodson mit der Musik von Künstlern wie Little Richard und James Brown auf – und Nat „King“ Cole, Ella Fitzgerald und Sarah Vaughn, denn sein Vater war Jazzsaxophonist. Früh nahm Tommy Klavierstunden und so dauerte es nicht lange, bis er für den Gospelchor seiner Kirche nicht nur sang, sondern auch spielte.

Bereits mit 12 gründete er seine eine kleine Band, mit der er durch Kansas, Missouri, Oklahoma und Arkansas tourte. Mit 14 zog Tommy nach Los Angeles wo er später an der Uni auch Musik zu seinem Hauptfach wählte.

Bis dahin sah es nach einem Mustereinstieg in eine große Musikerkarriere aus, einige Jahre arbeitete er in Clubs in Südkalifornien, trat mit verschiedenen Gruppen auf und spielte als Solokünstler in Piano Bars.

Dann jedoch wählte er das berühmte Telekommunikationsunternehmen AT&T zu seinem Arbeitgeber, bevor er in seinen 40ern wieder die Musik zu seiner Hauptbeschäftigung erklärte.

„Ain’t Nothing Like The Real Thing“ ist das dritte Album des Künstlers, auf dem erstmals auch sein Sohn Roy IV und dessen Frau Denise zu hören sind. Das Spektrum der Songs ist sehr breit, denn diesmal wollte Tommy Dodson ein Album mit den Liedern aufnehmen, die in seinem Leben besonders wichtig waren, sodass zahlreiche Coverversionen auf diesem Longplayer zu finden sind.

Obwohl von ganz ruhigen bis zu kräftigen, fröhlichen Songs und von Love Songs bis Gospel vieles dabei ist, wird sehr deutlich, wie gut Tommy Dodson seinen Stil gefunden hat. Nat „King“ Cole war der Künstler, der ihn dabei am stärksten beeinflusst hat.

Nicht jeder Song findet in der Interpretation von Tommy Dodson besonderen Glanz, doch „(Sittin’ On) The Dock Of The Bay“ schlägt sogar das Original von Otis Redding. Die entspannte Leichtigkeit tut dem Song sehr gut.

Wie Tommy Dodson Southern Soul und Jazz mischt, ist für ein Album aus Ende 2006 so weit vom Mainstream entfernt, wie man es sich nur vorstellen kann! Der Gospel-Klassiker „Oh Happy Day“ klingt dagegen eher konservativ.

Bei „A House Is Not A Home“ wird klar: Tommy Dodson ist kein Luther Vandross, der die schönste Version dieses von Burt Bacharach und Hal David geschriebenen Juwels gesungen hat, die ich kenne.

So war es eine gute Entscheidung, einen ganz anderen Ansatz als Luther Vandross, Ronald Isley (auch wunderschön!) oder die Persuaders zu wählen. Tommy Dodson versucht erst gar nicht, den zarten, feinfühligen Ansatz der zuvor genannten Künstler zu imitieren, sondern bringt eher eine relaxte, „zurücklehnende“ Version.

Tommy Dodson ist der Generalist, der Mann am Piano, der „jeden“ Song für sein Barpublikum interpretieren kann. Auch das ist eine Kunst.

Künstler: Tommy Dodson | Album: Ain’t Nothing Like The Real Thing | Label: Edge Of Eden Music | VÖ: 26. Juni 2007

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.