It’s more than just a business – das rap2soul-Interview mit EPMD

20 Jahre nach dem wegweisenden “Strictly Business”-Album sind EPMD wieder da. rap2soul-Redakteur Torsten Williamson-Fuchs sprach exklusiv für www.rap2soul.de mit Parrish Smith über das neue Album „We Mean Business“:

rap2soul: Ihr seid also noch immer im Geschäft bzw. wieder im Geschäft. Wie kam es zur Wiedervereinigung mit Eric Sermon?

Parrish Smith: Weißt Du, wir mussten es einfach wieder machen. Die gesamte Musikindustrie hat sich völlig verändert, vieles ist tot. Aber unsere Live Shows sind gut gelaufen, da sind 60.000 Leute gekommen. Wir sind einfach wieder da.

rap2soul: Euer Album ist sehr kraftvoll produziert. „Roc Da Spot“ klingt fast wie eine Nummer, die von Dr. Dre gemacht wurde. Wolltet Ihr, dass die Fans tanzen?

Parrish Smith: Wir haben seit neun Jahren nichts mehr produziert und waren einfach wieder inspiriert. Ich denke, die Leute können diesen ganzen „Pro Tools“-Kram nicht mehr hören. Wir kommen von der guten alten 808, fette Basslinien gab es bei uns schon immer. „Roc Da Spot“ klingt nach Dre? Falsch, denn Eric hat den gemacht! Es ist unser Ziel, als Hip-Hop-Pioniere voran zu gehen und niemandem hinterher zu laufen.

rap2soul: Ihr habt Gäste wie Redman, Mobb Deep, Raekwon und Teddy Riley auf der Platte. Nach welchen Maßstäben ist die Gästeliste besetzt worden?

Parrish Smith: Ganz einfach – die Künstler müssen EPMD respektieren und wir müssen die Gastkünstler respektieren. Leute wie Teddy Riley sind selbst Pioniere, wir hören seine Musik auch privat. Wir respektieren uns gegenseitig und das ist die beste Basis, gemeinsam Musik aufzunehmen.

rap2soul: Welches ist euer Hauptziel mit “We Mean Business”, Geldverdienen oder ein Signal setzen?

Parrish Smith: Wir wollen ein Zeichen setzen, eine Botschaft rüberbringen. Wir sind noch da und Hip-Hop lebt. So lange ich lebe, wird auch die Kraft da sein, Hip-Hop am Leben zu erhalten. Selbst wenn keine Zeitung und kein Fernsehsender mehr darüber berichten würde. Andere sollten das auch so sehen: Ich empfehle jedem Rapper, der eine Sinnkrise hat, dass er zurück zu seinen Wurzeln gehen und sein erstes Album anhören sollte. Guck mal, Michael Jordan hat Basketball gespielt und damit Erfolg gehabt. Dann hat er andere Dinge getan, die nicht funktioniert haben und der Erfolg blieb aus. Also ist er zum Basketball zurückgekehrt.

rap2soul: Wie lange habt Ihr an „We Mean Business“ gefeilt?

Parrish Smith: Ungefähr drei Jahre hat das Ganze gedauert. Wir mussten ja zwischendurch immer wieder die Arbeit unterbrechen, weil wir für Shows gebucht waren. Als die Platte fertig war, haben wir uns nach einem Label umgeschaut. Wir haben uns für Bodog Music entschieden, weil die Firma ein gutes Vertriebsnetz in Europa hat. Bei denen fühlen wir uns gut aufgehoben.

rap2soul: Was machen EPMD eigentlich in der Freizeit?

Parrish Smith: Wenn ich chillen will, dann fahre ich in die Berge. Da oben habe ich meine Ruhe. Da klingelt kein Telefon. Ich genieße einfach die Stille und die atemberaubende Schönheit. Ich liebe den Grand Canyon. – Eric fährt hin und wieder nach Atlanta. Oder er fliegt dahin.

rap2soul: Wann fliegt Ihr nach Europa, um uns das Album zu präsentieren?

Parrish Smith: Wir kommen im Februar auf Tour, und zwar vom 11. bis zum 27. Februar 2009. Am 12. Februar sind wir in Lausanne in der Schweiz, einen Tag später in Zürich. Am 14. Februar kommen wir nach Münster. Die weiteren Deutschland-Termine stehen noch nicht fest; wir spielen aber auf jeden Fall in Passau, denn dort habe ich private Kontakte – gute Freunde von mir wohnen dort. Nach Berlin und Hamburg kommen wir auch. Am 15. und 16. Februar sind wir in Rotterdam und Amsterdam, am 21. und 22. Februar in Frankreich sowie am 25. Februar in London. Auch Termine in Bulgarien und Kroatien stehen an.

rap2soul: Stell’ Dir vor, Du würdest die Welt verlassen. Welchen letzten Satz würdest Du an die Hip-Hop-Community richten?

Parrish Smith: Alles, was ich mir als kleiner Junge ausgemalt habe, ist Realität geworden. Eine Vision ist wahr geworden. Ich habe all das sehen können, was ich sehen wollte. Und ich hoffe, andere Menschen sind ähnlich zufrieden wie ich. Das zumindest wünsche ich jedem auf dieser Welt.

Künstler: EPMD | Album: We Mean Business | Label: Bodogmusic (Soulfood Music) | VÖ: 5. Dezember 2008

Über Torsten Fuchs 528 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".

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