Public Enemy – How You Sell Soul To A Soulless People Who Sold Their Soul?

Bei den Hip-Hop-Veteranen aus Long Island, New York weiß man stets, was die Stunde geschlagen hat, was nicht nur an der übergroßen Uhr, die Rapper Flavor Flav als Markenzeichen seit eh und je um den Hals baumelt, liegt: Public Enemy garantieren harte Raps, gesellschaftskritische, politische, provozierende und oft genug umstrittene Texte.

Ihr Album „How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul“ ist für Public Enemy zeitlich betrachtet ein mehrfaches Jubiläum: 20 Jahre nach ihrem Debut „Yo! Bum Rush The Show“ erscheint das zehnte Studioalbum und das im 25. Jahr seit Bandgründung.

Der zungenbrecherische Name „How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul?“ deutet schon auf dem Cover an, dass dieses Album keinen angepassten Kommerz-Hip-Hop beinhaltet und der Zuhörer geistig gefordert wird.

Zahm geworden sind Public Enemy nicht, „How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul?“ haut rein, ist kraftvoll und bietet den Sound, den man von der Hip-Hop-Formation erwartet. Am besten hört man bewusst zu, um den anspruchsvollen Texten folgen zu können. Ob man die Kritik und Meinungen, die Public Enemy verbereiten, teilt oder nicht: Stoff für Diskussionen darüber, was in der Welt möglicherweise für Missständen herrschen, liefert die Band am laufenden Band.

Der Sound auf „How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul?“ ist aggressiv, nur wenige Tracks klingen vergleichsweise relaxt. Ein so wenig kommerziell klingendes Album einer erfolgreichen Rap-Formation gibt es selten zu hören. Immerhin können Public Enemy auf drei Platin- und drei Gold-Alben sowie eine unglaubliche Zahl von Konzerten zurückblicken, die Chuck D, Flavor Flav und die anderen in dutzende Länder der Erde geführt haben.

Neben ihren Lieblingsfeinden bekommen auch Möchtegern-Gangster eine Breitseite: Gemeinsam mit KRS-ONE als Gast wüten Public Enemy im Track „Sex, Drugs & Violence“ indes mehr inhaltlich als musikalisch, denn vereinzelt versuchen sie es mit ein wenig Harmonie, was „How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul?“ gut tut, bekommt der Zuhörer doch eine kleine Verschnaufpause, nicht zuletzt kommen die aggressiven Tracks so noch besser zur Geltung.

Neben Texten, die durch ihre intellektuell gut unterfütterten Provokationen gefallen, ist „How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul?“ voll von starken Beats, die Public Enemy hervorragend beim vollmundingen Austeilen kraftvoll durch die Tracks schieben.

Wer seinen Frust über Politik oder die Entwicklung von Hip-Hop mal lautstark ausleben möchte, bekommt von Public Enemy zuverlässig den passenden Sound dafür. Im Gegensatz zu Politikern müssen Rapper in ihren Songs keine Kompromisse eingehen. Public Enemy leben das auf erfrischende Weise aus.

Wer sich an den Songtexten stört, sollte im Kopf behalten, dass kräftiges Dissen zum Rap-Handwerk zählt. Public Enemy dissen halt auch die US-Regierung, die bei Bandgründung übrigens noch von Ronald Reagan geführt wurde – dieser Name dürfte bei vielen jungen Rap-Fans heute nur ein Achselzucken bringen. Der Blick darauf verdeutlicht, wie sehr die Band mit „How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul?“, mit dem sie immer wieder auf frühere Veröffentlichungen Bezug nimmt, ihrer eigenen Tradition treu geblieben ist.

Künstler: Public Enemy | Album: How You Sell Soul To A Soulless People Who Sould Their Soul? | Label: Slam Jamz | VÖ: 14. September 2007

Über Oliver Springer 340 Artikel
Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.

1 Trackback / Pingback

  1. Chuck D wird internationaler Schirmherr des RECORD STORE DAY 2014. | rap2soul

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.