Mit 80 um die Welt – James Last im Interview

James Last (Foto:Fabrice Demessence)
James Last (Foto: Fabrice Demessence)

Band-Chef James Last ist gerade 80 Jahre alt geworden, jetzt will der Mann der Happy Sounds es wissen. Derzeit lebt der Star der 70er Jahre in Florida. Aktuell ist er aber zur Tour nocheinmal nach Deutschland gekommen. Mit großem Erfolg! – Geschwärmt hat James Last vom Hip Hop, als er rap2soul-Chefredakteur Jörg Wachsmuth persönlich getroffen hat (damals noch in der Morningshow des Black Music Radiosenders Jam FM). Es war die Zeit als „hansi“, wie ihn Freunde nennen, mit Fettes Brot eine gemeinsame Single aufgenommen hatte. Damals sagte James Last: Ich würde gerne mit P. Diddy etwas gemeinsam machen.

An dieser Stelle veröffentlicht rap2soul Teile des Inteview das seine Konzertagentur Semmel Concerts im Vorfeld der letzten Deutschland-Tour 2009 geführt hat. Mit 80 um die ganze Welt….

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag in Ihrer Wahlheimat Florida aus?
James Last: Ach perfekt? Eigentlich läuft das ziemlich organisiert hier. Der Tagesablauf, der ist schon immer vorgezeichnet. Meine Frau und ich sind beide Frühaufsteher. Um sieben Uhr gehen wir schwimmen. Dann wird gefrühstückt. Um neun Uhr sitzen wir beide am Schreibtisch. Es ist immer was zu tun. Viel zu tun. Und seitdem ich mit Computer arrangiere, kann ich viel erneuern und verbessern und wieder neu hören. Und meine Frau hat im Büro so viel zu tun, so dass der Tag immer ausgefüllt ist.

Sie haben gerade das Wort Computer in den Mund genommen. Was hat James Last mit dem Internet am Hut?
James Last: Mit dem Internet habe ich nicht viel am Bauch. Das macht meine Frau alles. Ich sehe gerne, was da passiert. Und was ich lesen muss, das druckt sie aus.

Sie spielen nicht Online-Poker oder informieren sich über Bundesliga-Ergebnisse im Internet?
James Last: Nein. Wir können doch hier im Fernsehen auch Fußball ansehen. Jetzt läuft gerade – glaube ich – die Bundesliga. Also sie würde hier laufen, zeit verschoben. Es ist praktisch alles da. Und wenn ich irgendwelche Sportergebnisse aus dem Internet haben möchte, dann holt die meine Frau rein.

Sind Sie alter Werder Bremen – Anhänger oder gilt für Sie: Der Bessere soll gewinnen…James Last: Ich würde bei jeder Sportart sagen, dass der Bessere gewinnen soll. Obwohl mir Werder Bremen sehr sympathisch ist durch die Spielweise, wie sie spielen. Den (Thomas) Schaaf kenne ich auch persönlich ganz gut, den Trainer. Das ist auch ein Mann, der die Spieler spielen lässt. Das ist die Art wie ich auch meine Musiker behandele. Ich schreibe es denen so, wie es jedem am besten liegt. Und so ist jeder erkannt worden vom Bandleader da vorne. Ich bin nicht der Diktator des Orchesters. Ich lasse spielen. Und das macht der Schaaf auch. Obwohl der HSV auch eine Hammermannschaft ist.

Sind Sie ein strenger Bandchef?
James Last: Würde ich nicht sagen. Nein. Ich versuche immer den Musikern alles ihrem Können gerecht aufzuschreiben. Und Gott sei Dank sind die auch so interessiert, dass Sie jetzt schon – obwohl die Tour erst in einem Jahr stattfindet – die Noten haben wollen. Darum schreibe ich das jetzt alles am Computer auf und jeder bekommt seine Diskette zu sich nach Hause geschickt. Sie hören das ganze Programm schon vorher, bevor wir uns gemeinsam zum Proben treffen. Aus dem Grund, damit sie eben schon drei bis vier Wochen zu
Hause üben können. Wenn sie zu den richtigen Proben kommen, dann weiß jeder schon, um was es geht.

Wie wählen Sie die Musiker aus?
James Last: Die wähle ich gar nicht aus. Die kommen einfach. Der Stamm ist ja schon ewig lange dabei. Und auswechseln…ich habe ja noch nie jemanden rausgeworfen. So was gibt es nicht bei mir. Das ist wie im Fußball. Wer gut ist, bleibt dabei.

Wie groß ist die Vorfreude auf die Tour?
James Last: Die ist riesig. Und die Tour entstand ja aus einem Spruch heraus. Seit 20 Jahren sage ich ständig wenn wir auf Tour sind: In zwei Jahren kommen wir wieder. Und wenn nicht, dann spätestens zu meinem 80. Geburtstag. Und jetzt klappt das tatsächlich. Und ich bin munter und auf den Beinen und der
Kopf reagiert auch noch ganz gut. Derzeit bin ich dabei das Programm zu schreiben. Und das ist sehr wichtig, denn ich brauche mindestens ein Jahr im Voraus um das Programm zu schreiben. Wenn das gut einstudiert ist, dann habe ich meinen Spaß – auch auf der Bühne.

Seit wann wissen Sie denn, dass Sie auf Tour gehen werden?
James Last: Wir haben mal darüber geredet aber effektiv weiß ich es seit einer Woche. Unser Manager, war hier und wir haben überlegt, ob wir es machen sollen oder nicht. Der Witz ist: Nach zwei Tagen riefen die amerikanischen Musiker schon an und sagten, wir haben einen Anruf aus Japan bekommen und wir wollen wissen, wo die Konzerte sind und wo wir die Karten für unsere Freunde herbekommen können.

Gibt es Lieblingslieder aus Ihrem Repertoire, die Sie unbedingt auf der Bühne spielen wollen?

James Last: Nein, weil alles zusammen passen muss. Der Ablauf des Programms ist meinem Gefühl nach sehr wichtig. Und ich bin kein musikalischer Selbstbefriediger, der immer eigene Titel spielen muss. Ich spiele das, was auf dem Markt ist und was mir gefällt. Und da haben wir diesmal ein tolles Programm auf die Beine gestellt.

Wo ist der große Unterschied zwischen der letzten und der kommenden Tour?
James Last: Programmmäßig ist das schon etwas anders. Die Zeit geht eben weiter. Und die Zeit der Musik ist auch sehr kurzlebig geworden. Es gibt viele Titel, die schnell nach einem oder zwei Jahren wieder vergessen werden. Richtige Hits oder Evergreens, wie es sie früher mal gab, sind heute kaum mehr vorhanden. Und da freut man sich, wenn ein solcher Titel mal auftaucht.

Wo bekommen Sie Ihre Eingebungen für neue Kompositionen?
James Last: Ich höre beim Autofahren viel Radio. Wir haben hier in Amerika ja die tollsten Programme. Und ich stehe auch auf alte Titel. Auch auf alte deutsche Titel. Wo die Leute denken: Ah, das kommt jetzt auch wieder. Natürlich auf eine andere Art als früher. Denn gewisse Dinge gehören einfach ins Programm. Und das kann man auch heute noch spielen.

Das Interview führte Matthias Würfl im April 2008 in Florida

Über Jörg Wachsmuth 633 Artikel
Jörg Wachsmuth gehört zu den beiden Gründern von rap2soul. Er ist Chefredakteur des Portals. Wachsmuth gehörte zur OffAir-Crew von Kiss FM Berlin, war von 1994 bis 2005 Moderator und Redakteur bei Radio Jam FM und später als Moderator von Radio BHeins in Potsdam (2015 - 2018). Aktuell ist er Chef und Morgenmoderator bei PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio. Der ausgebildete PR-Berater und Journalist ist auch Mitglied der Jury 25 "Soul, R&B und Hip Hop" beim Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.

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