Silbermond wurde uns weggerappt – rap2soul-Interview mit Rapsoul

Rapsoul 8Foto: Wachsmuth / rap2soul)
Rapsoul (Foto: Wachsmuth / rap2soul)

In einem Berliner Hotel zwischen dem Neubau des BND und der Charité ist rap2soul-Chefredakteur Jörg Wachsmuth auf Jan, Steve und CJ Taylor getroffen. Mitte Juli 2009 kommt das lang erwartete dritte Album von Rapsoul mit dem Titel „Irgendwann“ in den Handel. Im Herbst geht es dann auf Tour. Das Interview der Jungs mit dem Black Music Portal.

Rap2soul: Über eurer Biografie steht „Das magische dritte Album oder Back To The Roots“, habt ihr da mitgewirkt?

Jan: Ja, klar. Drei Alben musst du als Künstler heute machen, dann entscheidet sich ob du dabei bist oder ob du raus bist. Wir sind dabei.

Steve: Back To The Roots, der Spruch kam, weil wir uns arbeitstechnisch wieder an das erste Album gehalten haben. Damals haben wir geschrieben, geschrieben, geschrieben, aufgenommen, aufgenommen. Sind schöne Songs entstanden. Beim zweiten Album haben wir dann mehr experimentiert.

Jan: Diesmal wussten wir, das war’s, wir sind bereit. Vielleicht hat es deshalb auch solange gedauert. Da ist ein Song „Arschloch sein“, der ist vor zwei Jahren entstanden. Aber der hat so ins Konzept gepasst.

Rap2soul: Wo nehmt ihr die Inspiration für die Texte her. Zum Beispiel der Song über Alkohol „Bester Freund“.

Jan: Inspiration kommen aus unserem Umfeld, aus Nachrichten und von Dingen die wir sehen. Wir sehen ja auch Mädels, die vor dem Club rum stehen, sich ins Koma saufen aber dann erst 16 Jahre sind. Da denkst du schon, okay, das ist doch meine Zielgruppe. Gerade die, die unsere Musik hören, die uns schreiben, dass wir ihnen durch unsere Musik Hoffnung schenken. Also hauen wir ein Apel an die Kids raus, sagen vergesst es, das ist kein guter Weg.

CJ: Wir haben auch viel gesoffen. Wir haben aber gewusst wo unsere Grenzen sind, nur heute ist das bei den Jugendlichen anders.

Jan: Es wird immer extremer, auch mit Drogen. Du musst dich von allen abheben, musst am meisten saufen. Das ist nicht gut.

Rap2soul: Habt ihr eine Vorbildrolle als Musiker?

Steve: Automatisch, in dem Moment wo du in den Medien bist, hast du eine art Vorbildfunktion.

CJ: Ich glaube auch, das die Leute das eher von uns hören, die noch etwas näher an den Jugendlichen sind, als wenn sie es von ihren Eltern gesagt bekommen.

Rap2soul: Was hat es mit „Tag eins nach Dir“ auf sich?

Steve: Tag eins ist unsere erste Single, es ist Tag eins nach Achterbahn, es ist Tag eins nach dir, es ist Tag eins nach allem was wir bisher erlebt haben. Wir fangen wieder von Anfang an, deshalb ist es auch der erste Titel auf dem Album „Irgendwann“.

 

Rapsoul (Foto: Wachsmuth / rap2soul)
Rapsoul (Foto: Wachsmuth / rap2soul)

Rap2soul: Erzählt etwas zu „Sie wissen nicht wie es ist“.

Jan: Der Titel ist reflektierenden, weil wir doch irgendwo ganz normale Jungs sind, die glücklicherweise ihr Hobby zum Beruf machen konnten, aber trotzdem normal geblieben sind.

Steve: Man gibt auch viel Preis von sich. Ich schreibe alles in die Texte, wenn ein Onkel verstorben ist. Die Leute wissen alles.

Rap2soul: Wie sieht es mit „Das Schiff sinkt“ aus?

Jan: Bei „Das Schiff sinkt“ habe ich zum ersten Mal einen kompletten Song gesungen. Ich hab ihn im Tourbus auf der Achterbahn-Tour geschrieben. Es geht um zusammen halt, so wie wir drei zusammenhalten.

Jan: Selber wenn ich mir die Sachen später anhöre, merkt man, dass es viele Dinge aus den Songs ablesen kann.

Rap2soul: Über Dich CJ habe ich gelesen, deine Stimme war weg. Was fühlt man dann als Sänger?

CJ: Es geht einem alles durch den Kopf. Man hat einfach Angst, dass das was einem von Gott geschenkt ist einfach weggenommen ist. Da fragt man sich wieso. Viel Stress, während der Tour erkältet, den Kopf total dicht gemacht und dann gab es die Reaktion, da hat die Stimme gestreikt.

Steve: Gerade in der Phase haben wir versucht nicht unter Druck zu setzen, damit er sich auch kurieren konnte. Wir haben parallel weiter gearbeitet. Es hat eineinhalb Jahre gedauert, es war ein auf und ab. Es gab Steine in unserem weg. Die Sache mit der Stimme unser Label (Gun Records) hat sich aufgelöst. Es war nicht einfach.

Rap2soul: Habt ihr schon als „Dreckskind Pechvogel“ geglaubt ihr werdet Musik machen?

Steve: Wir haben schon gearbeitet. Das höchste was ich erreicht habe war Abitur. Aber wir haben immer Musik gemacht. Dass es dann so kommt, haben wir gehofft, erwartet nicht immer.

Jan: Ich hab alles auf eine Karte gelegt, Schule abgebrochen, Ausbildung geschmissen. Vertrag bei Sony bekommen. Ich glaube es war der richtige.

CJ: Bei mir war immer das Gefühl, es ist genau was ich machen will.

Jan: Wir haben uns in Frankfurt im Plattenladen getroffen, der Besitzer von dem Laden hat uns zusammengebracht. Der hat gesagt, CJ ist ein Sänger hört euch den an. Dann haben sich Steve und er getroffen. Das hat gestimmt. Der Name Rapsoul ist im Auto entstanden, wir haben überlegt was wir machen, so ist der Name entstanden.

Rap2soul: Schaut auf die Kollegen, zählt ihr euch zum deutschen Hip Hop?

Steve: Gar nicht.

Jan: Wir haben eine neue Sparte. R&B. wir haben eine Grenze überschritten. Erst wurden wir als Schwulen-Mucke abgetan, ein Jahr später ist CJ für Feature angefragt worden.

Rap2soul: Gibt es Künstler mit den ihr zusammen arbeiten wollt?

Steve: Eine Sache ärgert mich sehr. Das Curse uns Silbermond weggenommen hat.
Jan: Wir wollten mit Silbermond zusammenarbeiten, das war so eine Idee. Aber das wurde uns weggerappt. Aber okay, wir nehmen das hin und kommen mit etwas ganz neuen.

Über Jörg Wachsmuth 775 Artikel
Jörg Wachsmuth gehört zu den beiden Gründern von rap2soul. Er ist Chefredakteur des Portals. Wachsmuth gehörte zur OffAir-Crew von Kiss FM Berlin, war von 1994 bis 2005 Moderator und Redakteur bei Radio Jam FM und später als Moderator von Radio BHeins in Potsdam (2015 - 2018). Aktuell ist er Chef und Morgenmoderator bei PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio. Der ausgebildete PR-Berater und Journalist ist auch Mitglied der Jury 25 "Soul, R&B und Hip Hop" beim Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.

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