Say it loud! Public Enemy live in Darmstadt

Torsten Williamson-Fuchs mit Flavor Flav (Foto: Williamson-Fuchs)
Torsten Williamson-Fuchs mit Flavor Flav (Foto: Williamson-Fuchs)

Es war laut und es war eigentlich zu laut, aber von Anfang an: eine Oldieshow war versprochen – schließlich machten PE die Tournee zu einem alten Album. Doch die „Fear of a black planet-Tour 2010“ ist alles andere als altbacken, auch wenn Chuck D., Flavor Flav, Terminator X und Professor Griff die Crew schon 1982 gründeten. Der Event war gut organisiert: Die „Vorgruppen-MCs“ gaben sich die Mics in die Hände. Ohren-Auffällig: Tranzlator, die mit heavy Riffs an Bodycount und Run DMC sowie die frühen Red Hot Chili Peppers erinnerten. Bei Mädness, die für hessisches Lokalkolorit sorgten, machte ich Frühstückspause. Und traf bei „KFC“ neben der Darmstädter Centralstation Frontrapper Flavor Flav, der sich und seine hübschen Begleiterinnen mit Fast Food eindecken wollte. Und dabei die Erfahrung machte, das es in Deutschland für viel Geld wenig Kentucky Fried Chicken gibt. Von zuhause ist er anderes gewöhnt.

 

rap2soul präsentiert PUBLIC ENEMY
rap2soul präsentiert PUBLIC ENEMY

Chicken-bedingt ging die Show etwas später los. Kurze Vorstellung der zehn (!) Leute auf der Bühne, dann holte Flav die Uhr hervor und die Party startete. 2010 ist das Jahr, in dem Hip Hop ständig vom Eurodance vergewaltigt wird, Eminem Haddaway‘s „What is love“ sampelt. Da tut PE mehr als gut, auch wenn aus radikaler Message längst eine ausgeklügelte Show geworden ist. Die beiden MC’s sind eingespielt: Chuck D. lässt die Muskeln spielen und Flav spielt das durchgeknallte Frontschwein, das von zwei tanzenden GI’s eskortiert wird. Dazu drei Virtuosen als Rhythmussektion. Der Gitarrist sieht aus wie Barrack Obamas kleiner Bruder, aber die Unschuldsmiene täuscht, malträtiert er doch die Saiten wie früher Jimi Hendrix. Der Mann am Bass beweist sein Feeling, als er „Rapper’s delight“ slapt. Technisch versiert DJ Lord, der trickst wie ein Weltmeister. PE lassen ihren Begleitern Platz für Soli und sorgen während der Show immer wieder für Abwechslung. Das geht soweit, dass Flavor Flav während eines MC contests an der Schießbude Platz nimmt und für den Beat sorgt. Oder durch die Fanreihen zieht. Die Anhänger in der gut gefüllten (nicht ausverkauften) Centralstation bekommen alle großen Hits plus einen neuen Song für ihr Geld. Nach gut zwei Stunden hält Flavor Flav seine Abschlussansprache, in der er sich gegen Rassismus und Separatismus ausspricht. Dann geht das Licht an und der DJ lässt Bob Marley laufen, dessen „One love“ die Meute in die kühle Nacht schickt. PE in Darmstadt war PE Number One, aber etwas zu loud.

Über Torsten Fuchs 525 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".

1 Kommentar

  1. Mädness ist ein grossartiger deutscher MC.. und keine Band!
    Sein Album: „Zuckerbrot und Peitsche“ ist eines der besten deutschen Hiphop Alben 2009.

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