Brandy – Two Eleven

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Brandy – Two Eleven
(Foto: Sony Music)

Der 11. Februar ist ein wichtiges Datum in der Geschichte der afroamerikanischen Popularmusik. An diesem Tag verlor und gewann die Welt zwei der größten und schillerndsten Stars ihrer Szene. Bei beiden Musikerinnen handelt es sich um Blaupausen für die jeweils darauffolgende Generation an Sängern und Sängerinnen. Whitney Houstons bislang unveröffentlichte Musik wird derzeit posthum auf dem Soundtrack zu ihrem Kinofilm Sparkle, sowie auf der Best-Of-Compilation „I Will Always Love You – The Best of Whitney Houston“ publik gemacht. Brandy – quicklebendig – veröffentlichte vergangenen Monat ebenfalls brandneue nie zuvor gehörte Musik, und zwar in Form ihres neuen Albums „Two Eleven“. Eine Hommage an jenes bedeutungsträchtige Datum.

Für die US-Amerikanerin ist es mittlerweile das sechste Studioalbum ihrer nun fast zwanzigjährigen Karriere. Bei Brandy galt schon immer das Prinzip Qualität vor Quantität. Und im Jahre 2012 verhält sich das genauso. Die Sängerin, welche im zarten Alter von zwei Jahren bereits mit Vater und Gospelmusiker Willie Norwood in Kirchenchören gesungen hat, macht hier deutlich warum sie so zahlreich von heutigen R&B- und Popstars als Inspiration und Einfluss angegeben wird: Die Sängerin liefert einfach ab. Jedes Mal.

Die Interpretin selbst bezeichnet ihre Musik als „futuristischen R&B, welcher an früher erinnert“. Eigentlich ein Oxymoron, dennoch zutreffend. Auf diesem Album vereinen sich die melismatischen R&B-Vocals der Neunziger mit hochmodernen und einzigartigen Kompositionen von übermorgen.

Brandy (Foto: Sony Music)
Brandy (Foto: Sony Music)

Umhüllt ist das Werk von zwei Interludes die mit kräftigem Bass und gar dämonisch-klingenden Vocals, einen zunächst die Pforten in die glorreiche Welt von Two Eleven eröffnen und einen dann leider genauso zügig wieder hinausgeleiten. Aber nun zum tatsächlichen Inhalt der CD.

Auf den neuen Songs hat Brandy vorallem mit dem Hip-Hop-Produzenten Bangladesh, dem Songwriter Sean Garrett und dem Pop-Komponisten Rico Love gearbeitet. Hinzu kommen Gastbeiträge von Chris Brown, Frank Ocean und anderen. Genauso facettenreich ist das Werk auch. Brandy hat also – anders wie damals – gleich mehrere musikalische Affären auf einem Projekt untergebracht. Ihre Liaison mit Bangladesh scheint heißt und innig. Rassige, leidenschaftliche und deftige Früchte trägt diese Beziehung. Eine davon ist die bereits vorangegangene Top-Ten-Single „Put It Down“, aber auch die prollige Halbschwester der Single „Let Me Go“ steht der Single in nichts nach. Hinzu gesellt sich der Standout-Track „What You Need“, welcher verruchte und nymphomanische Nuancen in sich verbirgt. So singt Brandy „Ich warte bereits in der Küche, in deiner Lieblingsstellung auf dich“ über einem stakkato-artigen Hip-Hop-Beat. Doch Brandy war diese Verbindung wohl nicht genug.

Brandy (Foto: Sony Music)
Brandy (Foto: Sony Music)

Denn mit Rico Love war sie auch fleißig am Werke. Ihre Zusammenarbeit zeichnet sich durch sehr melodiöse und unfassbar stimmlich beindruckenden Stücke aus. Auf Songs wie „No Such Thing As Too Late“ oder „Can You Hear Me Now?“ liefert die Sängerin rohen und unverfälschten Gesang auf gut geschrieben urbanen Popsongs ab. Auf „Hardly Breathing“ wird der Text auch in musikalischer Form realisiert: So scheint die Instrumentalisierung wie ein Herzschlag, welcher die schwindende Fähigkeit zu atmen im Song symbolisiert. Aber auch mit Herrn Love geht Brandy aufs Ganze. Der Titel „Paint This House“, bedient sich einer so schmalzigen Metapher, dass sie doch wieder funktioniert. Der sexuell geladene Song wird nie explizit und verbirgt seine Verruchtheit hinter Brandys engelsgleicher Stimme.

Eine aus der Feder Garretts stammende Nummer ist die aktuelle Single „Wildest Dreams“. Diese Ballade überzeugt mit ihrer Fähigkeit modern und eingängig sowie dennoch ernsthaft melancholisch zu sein. Der Song erzählt die Geschichte einer Person, welche eine Liebe erfährt, wie sie sich sie in ihren „kühnsten Träumen“ nie erhoffen könnte. Brandys Stimme transportiert diese Gefühlslage sehr eindrucksvoll. Selbiges Kunststück gelingt ihr auf dem ebenfalls vom Garrett mitgeschriebenen Nummer „So Sick“. Ihr Gesang auf diesem Song macht den Eindruck als wäre Brandy tatsächlich krank, so deutet sie zu Beginn des Songs mit ihrer Stimme die Geräusche des Niesens und Keuchens an, ohne dies wirklich zu tun. Auf dem Album finden sich viele solcher kleiner Details. Man muss sich der CD voll ganz widem zum ihr Genie komplett zu verstehen. Diese Zusammenstellung an Musikwerken ist – eigentlich erwartungsgemäß – phänomenal gelungen, und eines der besten Werke unsere Zeit, im Bereich der Rhythm-and-Blues-Musik. Ein perfektes Album.

Künstler: Brandy | Album: Two Eleven | Label: RCA / Sony | VÖ: 19. Oktober 2012

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Malcolm Ohanwe moderiert sein eigenes Format "MalcolmMusic", wo er das Who-is-Who der Genres R&B, Afrobeat, und Hip-Hop interviewt.

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