Kendrick Lamar – Good Kid M.a.a.d City

Ursprünglich nannte sich dieser Musiker K-Dot bis er vom Gangsta-Rap-Star Game den Ratschlag erhielt sich fortan der Öffentlichkeit mit seinen bürgerlichen Vornamen vorzustellen. Kendrick Lamar trat zum Vorschein. Und Herr Lamar erweist sich als wahres Ausnahmetalent. Wie kaum einem anderem, gelingt es diesem jungen Mann Melodik und Rhythmik gekonnt auf einem Hip-Hop-Album zu vereinen. Seine Stimme kommt sehr kindlich, aber dennoch erwachsen daher. Seine harten Lyrics gehen schon fast unter zwischen den wohltuenden Tonfolgen und seinem ebenfalls angenehm wohligen Stimmklang.

Ein Titel der dies besonders zur Schau stellt ist der Standout-Track und, Hommage an die 80er- und 90er-Ikone Janet Jackson, „Poetic Justice“. Gekonnt gelingt dem Protegé von Dr. Dre des weiteren eine Referenz an den legendären 2Pac, welcher mit selbigem Produzenten für Welthits sorgte und die mit Janet Jackson in dem 90er Gangstastreifen „Poetic Justice“ die Hauptrolle spielte. Das Album ist generell voll von Verweisen und Anspielungen auf Songs, welche nur absoluten Musiknerds geläufig sein sollten.

Die alte belgische Latinsoulband The Chakachas, erlebt so auf dem Track “Backseat Freestyle” eine kleine Renaissance. Der Musiker hat also nicht nur einen eklektischen Sound, sondern auch einen sehr vielseitigen Geschmack. Hat etwas von Tarantino. Auf dem Titel mit dem Jackson-Sample macht der kanadische Rapper Drake auch keinen schlechten Job. Er liefert einen der vielen guten Gastbeiträge des Longplayers.

Newcomer Jay Rock bietet auf dem Track „Money Trees“ einige der besten Bars auf dem Album dar und Mary J. Blige’s Hook auf dem finalen Song des Albums „Now or Never“ geht unter die Haut. Die Legende Dr. Dre erscheint gleich zweimal auf der Platte. Die auffeinander folgenden Tracks „Compton“ und „The Recipe“ erhalten durch seine markante tiefe Stimme noch mal den letzten Schliff. Ein weiteres Highlight ist die Nummer „Swimming Pools (Drank)“: Kendrick diskutiert auf diesem Lied auf eine charmante und dennoch präzise und gekonnte Art und Weise die vielen Facetten des Alkoholkonsums. Ein sehr persönliches Werk: Generell gewinnt man bei „good Kid, m.a.a.d. City“ den Eindruck man konsumiere eine unglaublich gut gelungene non-chronologische Autobiografie, bei der dramaturgisch die genau richtige Reihenfolge gewählt wurde, und keine Szene ohne Sinn erscheint. Man begibt sich mit dem Interpreten auf eine Reise nach Compton, Kalifornien.

Die atmosphärischen eher dumpfen Beats untermalen diese Stimmung. Die CD transportiert ein Gesamtbild auf verschiedenen Dimensionen. Die Songs sind umarmt von authentischen Skits, welche dem Album noch mehr Tiefe und Detail verleihen. Akustisch und inhaltlich beschreitet Lamar neue Ebenen im Hip-Hop, vergleichbar mit der Arbeit von Frank Ocean und Weeknd im Bereich R&B, kreiert Lamar eine gänzlich neue Ästhetik und Ideologie im Hip-Hop. Viele Klischées und Schemata von damals sind über Bord, dennoch bleibt die Attitüde, das Gefühl welches Hip-Hop vermittelt dominant. Man hört die Einflüsse von N.W.A., Tha Dogg Pound und Konsorten. Spürt aber auch den unbändigen Drang nach Innovation. Das Album lässt einen den Kopf auf und ab nicken, bringt einen aber auch zum Nachdenken. Sein Album würde ich auch mit Eminem zu seinen Bestzeiten vergleichen. Lyrisch genauso clever und schlagfertig, sogar noch ein wenig melodischer und eingängiger als die Raplegende und eine Schippe mehr Swag.

Künstler: Kendrick Lamar | Album: Good kid, m.A.A.d city (Explicit Version) | Label: Aftermath / Interscope | VÖ: 23. Oktober 2012

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