Beyoncé – BEYONCÉ

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Beyoncés Album erschien am 13. Dezember über Nacht ohne Ankündigung.

„Yoncé all on his mouth like liquor!“… Beyoncé ist  momentan wirklich in aller Munde. Der selbst proklamierte KING B, so nennt sich die Texanerin, hat mit ihrem Überraschungsalbum für weltweites Aufsehen gesorgt. Keine Entertainerin unserer Zeit versprüht in so üppigem Maße  Virtuosität und Selbstgefälligkeit im selben Moment.  In zitiertem Song „Yoncé“ sind selbstverständlich eindeutig nicht die unseren, sondern Ehemann Jay-Zs wulstige Lippen gemeint… Eigentlich ist das komplette Album als hingebungsvolle Hommage an ihren Macker zu verstehen. Denn Beyoncé zeigt sich nicht nur von seinen Lippen beeindruckt… Jay-Z gibt Beyoncé den besten Sex überhaupt, die geilsten Diamanten und das beste Geschenk, was sich eine Frau vorstellen kann: Tochter Blue Ivy. Beyoncé hat alles erreicht und dennoch so viel zu beweisen gehabt.

Nachdem ihr Album „4“ hinter den kommerziellen Erwartungen bleibt, sahen jüngere Pop-Diven wie Lady Gaga, Rihanna, Katy Perry und kürzlich auch Miley Cyrus die einzigartige Chance einen verstohlenen Blick auf die Krone – die nach Madonna, kein weiblicher Pop-Star für sich zu beanspruchen wusste – zu erhaschen. Sie sich gar zu schnappen, oder – wehe einem – aufzusetzen. Das kann die Number One Diva doch nicht auf sich sitzen lassen! Der Druck auf Bienenkönigin Beyoncé stieg über das ganze Jahr ins Unermessliche. Nach ihrer Superbowl-Performance, der globalen H&M-Kampagne, dem PEPSI-Werbe-Deal, einer riesig inszenierten Kino-Doku, und der monströsen „Mrs Carter Show“-Welttour kam immer noch kein musikalisches Lebenszeichen des kurvigen R&B-Stars. Hatte sie Angst hinter den Erwartungen zu bleiben? Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass sie jegliche Erwartungen, so kolossal sie auch waren, mit diesen Clou zweifellos übertroffen hat…

Schönheit tut weh… …Falschheit auch.

„BEYONCÉ“ ist ikonisch, episch, historisch und jeder andere Superlativ, der einem nur einfällt kann hier getrost verwendet werden. Genau so wie sich Beyoncé das erhofft hat.  Die begnadete Performerin, die Perfektionistin, die Popowacklerin per excellence. Chapeaux! Sie hat sich die knapp 830 Tausend Lorbeeren, in Form von iTunes-Verkäufen nach nur vier Tagen redlich verdient: Für nur 15 € erhält der Konsument nicht nur Beyoncés Stimme als MP3, nein einen audiovisuellen Kunstfilm in 17 Kapiteln gibt es auch. Wer Beyoncé kennen lernt, erhält also gleich eine sinneserweitende Erfahrung inklusive. Ein einfaches „Nice to meet you!“, tut es bei Mrs. Carter offensichtlich nicht… Eingeführt wird man in die Sphären Beyoncés mit dem Track „Pretty Hurts“. In dem „emotionalen“ Video zeigt sich Beyoncé von ihrer verletzlichen, hässlichen und zerbrechlichen Seite. In dem Video sieht man sie als Kandidatin eines Schönheitswettbewerbs. Wattebäusche in Orangensaft getunkt. Magersüchtige Mannequins. Man kann sich ein Bild machen… Laut singt Beyoncé dann: „Hübsch sein tut weh! Perfektion ist die Krankheit unser Nation“ Uff… Ernsthaft Beyoncé!? Ernst?! Och komm, das gibt’s doch nicht. Diese Dreistigkeit. Beyoncé selbst ist wohl die Künstlerin die Perfektion mit Abstand am nächsten kommt, die auch keinen einzigen Wimpernschlag dem Zufall überlasst, und dann will sie die mondäne Oberflächlichkeit anprangern…

Beyoncé re-etabliert sich als die Königin des Pops
Beyoncé re-etabliert sich als die Königin des Pop. (Foto: Sony Music)

Schuster bleib bei deinen sexy Leisten…

Nach diesem recht ärgerlichen Einstieg hat Beyoncé nun einiges an Kompensationsarbeit zu verrichten. Und Junge, hängt die sich rein. Auf „Haunted“ beginnt die Knowles zu rappen, und serviert im Video das wovon man dachte, dass nur Rihanna es drauf hat: Sich illuminatimäßig mit modelesquen Posen in einer post-modernen Szenerie zu rekeln. Die atemberaubende Schönheit Beyoncés hypnosiert einen regelrecht. Spätestens nach Folge-Song „Haunted“, weiß man, dass es für Beyoncé keineswegs ein Spiel ist. Explizit und anrüchig ist sie, wie es nur Madonna kann. Tatsächlich singt Beyoncé: „Fick mich!“… Alle Hemmungen sind nun gefallen. Bey gibt sich voll und ganz ihren Hormonen hin. Und genau das steht ihr unglaublich gut. Beyoncé kann zwar nicht verletzlich, aber sie kann sexy. Perfekt reiht sich da der Song „Blow“ ein. Dass es sicherlich nicht ums Luftballon- oder Seifenblasen geht, erahnt man spätestens mit der Zeile „Ich will dass du mich zum kommen und stöhnen bringst“ . Der jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes – geilste Song des Albums ist aber ohne Zweifel „Partition“. Da beschreibt Beyoncé doch tatsächlich wie Jay-Z auf ihr Abendkleid ejakuliert. Also expliziter hätte der  König des R&Bs und Meister der Schlafzimmermusik R. Kelly himself den Text nicht schreiben können. Der Song ist eine Aufforderung an den Chauffeur die Trennwand der Limousine auch ja hochzufahren, er soll Beyoncé ja nicht auf den Knien sehen. Sexappeal und Beyoncé werden zu Synonymen. Was Körperlichkeit betrifft, ist Beyoncé eine wahre Koryphäe. Egal wie anrüchig der Text anklingt, bei ihr kommt es dennoch elegant, selbstbestimmt und vor allem gelungen rüber.

Hipsteroncé – Makellos mit Superkräften

Auf „BEYONCÉ“ findet Beyoncé jedoch erstmals eine Nische jenseits von sexy R&B- und Pop-Diva. Durch Jay-Z hat Beyoncé wohl auch den Hipster in ihr entdeckt. Sie ist kantiger denn je unterwegs, trägt in ihren Videos coole teilweise gar androgyne Kleider. Beyoncé gefällt jetzt auch dem weißen gutbürgerlichen Tumblr-Nerd, der normalerweise nur auf Casper und The xx abfährt. Sie sollte es zumindest. Sie holt sich die Indie-R&B-Pioniere Frank Ocean, Miguel und Drake an Bord. Selbstverständlich darf auch der allseits gerwertschätzte Pharrell an die Regler… Gemeinsam mit einer Prise Timbaland (der auf Justin Timberlakes letzten beiden Alben seine musikalische Renaissance erfahren hat) entstehen erstmals auch Tracks, wie sie aufmüpfiger von einer schwedischen Underground-Interpretin nicht sein könnten. In dem Video zu Flawless zeigt sich Beyoncé  im A$AP-Rocky-schwarz-weiß-Gedächtnis-Look mit Lumberjack-Hemd und schwarzen Lippenstift. Über einen Trap-Beat singt sie, „Ich bin makellos! So bin ich aufgewacht!“. Davor ein Sample von einer feministischen Rede einer nigerianischen Aktivistin. Genauso feuilletonistisch unterwegs sind da die Nummern „Mine“ mit Drake oder „Superpower“ mit Frank Ocean. Sie macht ernste handgemachte Musik. Und das steht ihr unheimlich gut, zumindest solange es keine pompösen Pop-Balladen sind: Denn diese sind bei ihr schrecklich kitschig.

Die Hölle besiegt den blauen Strahlehimmel

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Foto: Sony Music

Während die Ryan-Tedder-Nummer „XO“ durch seinen euphorischen Chor noch funktioniert, schmiert Beyoncé bei den letzten beiden Nummern nach einem solch genialen Zwischenteil leider ab. Die Ballade „Heaven“ illustriert wie ausdruckslos Beyoncés Stimme in ihrer Einfachheit ist. Es wundert einen nicht, warum sie ihre Songs mit so eindrucksvollen Musikvideos, Instrumenten und Backgroundvocals anreichert, denn in einer so ganz schlichten und minimalistischen Darbietung, wird man nicht wirklich gerührt. Höchstens zum Skippen. Selbst die Hymne an Tochter Blue ist fad. Beyoncé funktioniert besser als Höllenbraut. Himmlischer Frieden, idyllische Ruhe, Ponys und Sonnenuntergänge stehen ihr nicht. Zieh dir deine Teufelsstrapse an und wackel was das Zeug hält mit deinem Arsch, dann gewinnst du. Eventuell noch den einen oder anderen Drink hinter die Birne kippen, wenn man in Betracht zieht, dass die wohl beste R&B/Rap-Kollabo des Jahres „Drunk In Love“ das Resultat von sündhafter Sauferei ist. Nach dem Pepsi-Deal sollte wohl schleunigst ein Schnaps-Deal an Land gezogen werden…

 

Insgesamt. 4.5/5

 

Künstler: Beyoncé | Album: BEYONCÉ | Label: Columbia (Sony Music)  | VÖ: 13. Dezember 2013 (digital) / 20. Dezember (physisch)

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Malcolm Ohanwe moderiert sein eigenes Format "MalcolmMusic", wo er das Who-is-Who der Genres R&B, Afrobeat, und Hip-Hop interviewt.

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