Justin Timberlake – The 20/20 Experience

Mr. JT ist zurück! Sieben Jahre hat es gedauert. Der Sänger und Songschreiber Justin Timberlake, hat nach seinen Ausflügen in die Schauspielwelt, wieder den Weg zurück in die Musik gefunden. Sein Album The 20/20 Experience läutet Justins kreative Rückkehr ein. Innovativ, frisch, ein wenig retro und dennoch R&B durch und durch. So ein Album gelang zuletzt Brandy mit ihrem phänomenalem Werk Two Eleven. Ganz vergleichbar sind die Alben aber nicht. 20/20 zeichnet sich noch eher durch einen strikten roten Faden aus. Das komplette Album wurde von Timberlake, J-Roc, James Fauntleroy und Timbaland produziert und komponiert. Die Songs entspringen also einer bestimmten Zusammenkunft von überschaubaren Musikern und haben allesamt gemeinsame Grundzutaten: Timbalands charakteristische Produktionen samt Backing Vocals, Justins samtige Falsettstimme und die äußerst metapher-bespickten Texte von Fauntleroy und Co.

Das Album erinnert sehr stark an die verschiedenen Ären der R&B-Musik. Zum einen ist nicht zu übersehen, dass Timberlake der Motown-Periode Tribut zollt. Seine Outfits sind strikt schwarz und weiß. Er lässt seine Musik von einer Big Band aufnehmen und entwickelt so einen organischen und nostalgischen Sound u.a. zu hören auf dem Song „That Girl“, der an Legenden der 50er und 60er erinnert, wie Nat King Cole oder Frank Sinatra. Am besten sieht man das an dem Track „Suit & Tie“. Die Single erinnert nicht nur visuell an Größen wie Marvin Gaye oder Curtis Mayfield. Der Song ist übrigens mit 5 Minuten einer der kürzesten Track des Albums. Bei fast allen anderen Titeln kann man fast schon von kleinen Dramen mit je mehreren Akten sprechen.

Genauso stark vertreten, auch wenn nicht so offensichtlich, ist zum anderen der für einige Jahre erfolgreiche Millennium-Sound im R&B, geprägt von Künstlern wie Aaliyah, Static Major und eben Timbaland. Um die Jahrtausendwende waren es Hits wie Aaliyahs „We Need A Resolution“, Truth Hurts „Addictive“ oder Magoos „Indian Flute“, die experimentelle, teils fernöstlich klingende Beats mit dem melismatischen Gesang des R&Bs und Hip-Hop-Bässen kombinierten und eine neue Welle des Genres repräsentierten. Diesen Sound lässt Timbaland wieder aufleben auf Tracks wie „Don’t The Hold The Wall“, einem Song der Justins gesangliche Facetten auf einem Beat mit Grillenzirpen und südasiatisch klingenden Gesängen im Hintergrund zur Schau stellt oder „Tunnel Vision“, welcher melodisch stark an frühere Timbaland-Produktionen wie „I Tried“ (Brandy), „Are You That Somebody“ (Aaliyah) oder „What Goes Around… Comes Around“ (Justin Timberlake) angelehnt ist. „Tunnel Vision“ ist dramatisch komponiert und behandelt eine zerbrochene Liebesbeziehung. Aber auch auf die  90er wird verwiesen in Songs wie dem Opener „Pusher Lover Girl“, welcher zu gleichen Teilen an R. Kellys 12-Play-Stil und dem  Neo-Soul von Musikern wie D’Angelo oder Maxwell erinnert.

Generell ist das Album nur so bespickt mit Verweisen. Er springt zwsichen Dekaden, und von einem Subgenre ins Nächste. Denn auch der Alterntive-R&B-Sound der 2010er macht bei Timberlake nicht Halt. „Blue Ocean Floor“ verkörpert den Sound, wie sie ihn Musiker wie Weeknd oder Frank Ocean erst seit ein paar Monaten etabliert haben. Melancholisch, seicht und sehr introvertiert ist der letzte Song des Albums geworden. Es scheint fast als habe Timbaland seine besten Instrumentals nur für Justin aufgehoben. Alle Songs klingen gut durchdacht und absolut perfekt durchproduziert, im positiven Sinne. Die aktuelle Nummer-eins-Single „Mirrors“ ist da auch keine Ausnahme  Man hat das Gefühl, hier hat sich der Interpret über jede Nanosekunde ausführlich Gedanken gemacht. Lediglich sein Ausflug in die Welt der Bachata-Musik mit „Let The Groove In“ hätte mir erspart bleiben können. Ganz authentisch kommt mir diese Latin-Pop-Nummer dann nicht rüber. Einer der sehr wenigen schwache Momente auf einem ansonsten überaus gelungenem Projekt.

Künstler: Justin Timberlake | Album: The 20/20 Experience | Label: Sony Music | VÖ: 15. März 2012 

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Malcolm Ohanwe moderiert sein eigenes Format "MalcolmMusic", wo er das Who-is-Who der Genres R&B, Afrobeat, und Hip-Hop interviewt.

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