Moses Pelham – Das „Geteilte Leid 3“ Tour-Interview

Moses Pelham (Foto: rap2soul)
Moses Pelham (Foto: rap2soul)

Berlin, Huxleys Neue Welt. Der Vergnügungstempel in der Hasenheide an der Grenze von Neukölln und Kreuzberg ist einer dieser alten Vergnügungsorte. Der Name, angelehnt an einen Science Fiction Roman, war der Berliner Konzertort für die „Geteiltes Leid Tour 3“ von Rap-Veteran Moses Pelham. Die Stahltreppe direkt zum Bühneneingang. Interviewtermin, zwei Stunden vor Konzertbeginn. „Ihr kommt dann einfach in die Halle“, sagte die Mitarbeiterin von 3p. „Ja, klar.“ 2004 zum Interview „Geteiltes Leid 2“ war rap2soul-Chefredakteur Jörg Wachsmuth in Frankfurt am Main, nicht Rödelheim, aber immerhin. Nein, Moses war nicht in Frankfurt, er saß im Berliner Restaurant „Sachs“. Dort hat er rap2soul ein Interview gegeben. Andreas war auch diesmal dabei, als Begleitung und Fotograf. „Moses Pelham Band“ steht auf der Trommel des Schlagzeugs. Berlin ist Tourort zwei, der Auftakt in Kiel am Vortag, mit einer Panne. Das Black Music Portal ist Medienpartner. Das Interview ist Pflichtprogramm. Moses und ich setzen uns vor das Schlagzeug auf der Bühne. Blaues Licht. Die letzten Checks laufen. Wir blicken in den noch leeren Saal, der in zwei Stunden gut gefüllt sein soll.

Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)
Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)

rap2soul: 2004 hast du das letztes Mal für rap2soul ein Interview gegeben. Damals „Geteiltes Leid 2“. Warum hat es solange gedauert Moses Pelham wieder als Rapper zu hören? Warum mussten wir so lange warten?

Moses Pelham: Ich hab ja auch auf Glashaus ein wenig gerappt. Ich hab da diese Glashaus-Sache, die mir auch die Möglichkeit gibt zu formulieren, was ich so zu formulieren hab, was mir so am Herzen liegt. Ein bisschen Produktionstätigkeit für den einen oder anderen Menschen. Es macht mir alles viel Freude. Es ist nicht so, dass mir eines lieber wäre als das andere. Und ich glaube auch, dass diese Platte davon profitiert, dass ich die anderen Sachen gemacht habe. Innerhalb der Produktion und inhaltlich ist es auch für eine Platte schon ganz gut, wenn du sie nicht einem Marketingplan folgend veröffentlichst. So guck mal in zwei Jahren muss wieder eine neue Platte kommen, sondern sie kommt halt, wenn sie fertig ist. Und sie ist dann fertig, wenn du genug erlebt hast.

rap2soul: „Geteiltes Leid 3“ ist von dir als Trilogie angekündigt worden. „Geteiltes Leid“. Gibt es dann so etwas wie „Geteiltes Leid 3.1“ oder gibt es etwas ganz neues?

Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)
Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)

Moses Pelham: Ich krieg die Frage schon öfter. Ich bin echt so froh damit. Als ich vor 15 Jahren gesagt habe, ich mache eine Trilogie, da konnte ich doch überhaupt nicht wissen, wie diese Trilogie aussehen würde. Wie es weitergehen würde, weil sie einfach ein Abbild meines Lebens ist. Ich wusste halt nicht, wie mein Leben verlaufen würde. Ich bin heute so froh, wie ich finde es vernünftig zu Ende gebracht zu haben. Da auch eine Perspektive am Ende drin zu haben. Es war am Anfang ja viel Beschwerde hier und viel Beschwerde da und alles ist schlecht, was machen wir. Da ist jetzt so eine Konstruktivität drin im dritten Teil, die mir sehr gut gefällt, und das hat sogar etwas von einem Happy End. Ich würde mir das jetzt im Moment nicht nochmal antun zu sagen, ich mache einen Zyklus, der für mich nicht überschaubar ist. Ich genieße zurzeit die Situation zu sagen, schau mal, ich habe den Job, den ich gesagt habe zu tun auch zu Ende gemacht. Ich kann jetzt einfach mal gucken, was ich so mache. Das Zeug jetzt hier live zu spielen, ist eine schöne Sache, aber auch einfach an Stücken zu basteln und zu schauen was passiert und dann dem Kind ein Namen zu geben, aber nicht von vornerein zu wissen, die Lieder die du sammelst können für nichts anderes sein, als für Geteiltes Leid 1 oder 2 oder welcher Teil auch immer dann ansteht. Das ist schon ganz schön, hat für mich auch etwas mit Freiheit zu tun.

Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)
Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)

rap2soul: Du hast jetzt so ein bisschen Jury-Erfahrung gesammelt, bei so einer Casting-Show. Würdest Du das jetzt nochmal machen, war das jetzt ein besonderes Erlebnis?

Moses Pelham: Mir hat es sehr gut gefallen. Du kannst dir sicher vorstellen, dass ich da gewisse Vorbehalte hatte, als man mich fragte. Man hat mich auch nicht zum ersten Mal gefragt. Die Menschen, die die Sendung gemacht haben, haben mir ziemlich deutlich gemacht, dass sie nicht das von mir wollten, was die anderen wollten. Sie wollten nur, dass ich sage was ich denke. Sie kannten meine Musik und wollten eine ernsthafte Sendung machen, in der es nicht darum geht, welche Krankheit die Mutter von jemand hat, sondern eine Musiksendung.

rap2soul: Also eine bewusste Entscheidung für diese Casting-Show…

Moses Pelham: Absolut. Alles was man mir versprochen hatte wurde eingehalten. Ich habe da eine tolle Zeit gehabt. Das Team war ganz wunderbar. Tolle Leute, sehr arrangiert, ich hatte viel Spaß mit meinen drei Jury Kollegen. Ich fand das es sehr Entertaining war auch die Gespräche zwischen uns vieren so. Wir haben einen super Gewinner, der sich wie unsere Sendung von anderen Casting-Sendungen auch von anderen Gewinnern unterscheidet. Es tut mir auch ganz gut, dass der so erfolgreich ist. Das ist alles toll. Ich habe es sehr genossen und ich habe dabei auch Erfahrungen gesammelt. Die ich schon gerne anwenden würde. Ich würde gerne eine höha schnella weita Variante machen.

Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)
Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)

Andreas für rap2soul: Wir haben ja 2004 gesprochen, da hast Du gesagt, was dich bewegt hat zu dem Zeitpunkt „Dankbarkeit“ war, was glaubst Du wie der Moses P, aus dem Rödelheim Hartreim Projekt mit der Situation umgegangen wäre in der Jury. Glaubst Du es wäre anderes gewesen?

Moses Pelham: Ich schätze, dass die meisten Sachen, die ich heute so mache, etwas mit erwachsen werden zu tun haben, weil ich es auch bin.

Andreas für rap2soul: Es fiel mir auf, weil Du von der Erwartung an ein Assi-Bad Boy-Image von Dir gesprochen hattest…

Moses Pelham: Ja gut, aber ich hab mich nie so als der Assi oder Bad Boy gesehen. Ich hab das was wir da machen immer schon als Reaktion auf etwas, was mir missfiel gesehen. Wenn man das nicht versteht, erkennt man etwas in mir, was ich einfach nicht bin. Aber um die Frage konkret zu beantworten. Ich habe keine Ahnung. Ich glaube auch, dass ich zu Rödelheim Hartreim Projekt Zeiten auch als Produzent noch nicht soweit gewesen wäre, mich in so eine Sendung zu setzen. Ich glaube ich wusste damals einfach noch nicht genug über Gesang, um das zu machen.

Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)
Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)

rap2soul: 3p als Label, hatte ich den Eindruck, ist irgendwie pausierend gewesen und nicht zu sagen weg. Kommt das jetzt wieder? Können wir außer Glashaus und Moses Pelham selber noch was erwarten…

Moses Pelham: Auf 3p halte ich das für sehr unwahrscheinlich, weil damit ein Geschäft einhergeht, dass ich nicht mehr machen will. Du musst einen Mensch unter Vertrag nehmen und zwar langfristig, damit es sich für dich lohnen kann, investieren und dann hoffen, das über die Strecke dein Geld zurückkommt. Das ist eine so entscheidende Abmachung, und ich habe mir darüber so viele Gedanken gemacht und bin immer wieder an dieselbe Stelle gestoßen, mit den Menschen mit denen ich das gemacht habe, dass ich zu einer Art Sozialarbeiter, Kindergärtner geworden bin. Deine Rolle verändert sich von du bist mein bester Freund, zur Nervensäge, die etwas will, als hätten die einen Pakt mit dem Teufel gemacht und du bist jetzt der Teufel. Das ist einfach eine Rolle, die ich nicht haben will. Das ist so unangenehm, ich möchte es nicht. Meine Lebensqualität hat sich einfach dermaßen erhöht, seit ich diese Entscheidung getroffen habe. Du verstehst gar nicht, wie unglücklich ich war, wie wenig ich verstanden habe, warum Menschen nicht verstehen, was gerade passiert. Ich habe einfach keinen Bock diesen Job zu machen. Also pass auf, ich mach gerne eine Produktion für dich, aber die muss dann jemand bezahlen und ich sag dir, wer es nicht ist.

Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)
Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)

rap2soul: [lacht] Okay, dann kann ich das mit dem Plattenvertrag jetzt auch vergessen. Auf dem neuen Album „Geteiltes Leid 3“ ist auch Xavier Naidoo zu hören um nochmal auf das Thema Kindergarten zurückzukommen.

Moses Pelham: Ja, das ist damals auch eine furchtbare Erfahrung gewesen. Aber das ist in diesem Fall nicht nur so gewesen, es war ein sehr prominenter Fall, der sehr tragisch geendet ist, aber diese Diskussion, die hatte ich mit jedem Künstler. Es gab keinen Künstler, den ich unter Vertrag genommen hatte, mit dem ich diese Diskussion nicht hatte. Das liegt vermutlich auch in der Natur der Sache, weil es keine Ausbildung gibt, du bist jetzt Künstler. Da sind so viele Hoffnungen mit verbunden, das verstehe ich, das kenne ich aus meinem eigenen Leben.

Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)
Moses Pelham, Jörg Wachsmuth (Foto: rap2soul)

rap2soul: Jetzt bist Du auf Tour. Die Tour geht noch eine Weile. Wie sind so die ersten Eindrücke?

Moses Pelham: Es fing gestern mit Chaos an. Aber ich glaube, und das ist auch etwas was ich in den letzten Jahren gelernt habe, dass wir trotzdem einen schönen Abend hatten und das Beste draus gemacht haben.

rap2soul: Vielen Dank für das Interview, jetzt freuen wir uns auf die Show…

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Jörg Wachsmuth gehört zu den beiden Gründern von rap2soul. Er ist Chefredakteur des Portals. Wachsmuth gehörte zur OffAir-Crew von Kiss FM Berlin, war von 1994 bis 2005 Moderator und Redakteur bei Radio Jam FM und später als Moderator von Radio BHeins in Potsdam (2015 - 2018). Aktuell ist er Chef und Morgenmoderator bei PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio. Der ausgebildete PR-Berater und Journalist ist auch Mitglied der Jury 25 "Soul, R&B und Hip Hop" beim Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.

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