Tamar Braxton – Love and War

Tamar Braxton (Foto: Epic / Sony)
Tamar Braxton (Foto: Epic / Sony)
Tamar Braxton - Love and War (Cover)
Tamar Braxton – Love and War (Cover)

5 gescheiterte Plattenverträge, 35 Lebensjahre, Platz 127 für das Debüt-Album, eine Schwester die bereits 60 Millionen Platten weltweit verkauft hat. 2012 würde das professionelle Resümée von ihr eher Mitleid erregen. Nur zwölf Monate später wendete sich alles um 180 Grad. Die Sängerin wird der Star von gleich vier erfolgreichen Reality-TV-Shows (Tiny Tonight, The Real, Braxton Family Values und Tamar & Vince), erreicht Platz eins auf iTunes mit ihrer Single und stürmt mit dem gleichnamigen Album „Love and War“ die selbe Position der Billboardcharts. Die Sängerin mit einer Range von 5 Oktaven räumte erst kürzlich in einer Nacht drei Soul Train Awards ab.

Sie ist offiziell angekommen: Tamar Braxton.

Und ihre Ankunft ist definitiv berechtigt. Die mittlerweile 36-Jährige ist eine unsagbar talentierte Stimmakrobatin, jedoch kommt diese Gabe bei ihr ohne diesen schmachtvollen Kitsch á la Céline, Whitney oder Dolly Parton aus. Tamar erinnert selbstverständlich an ihre Schwester und Musiklegende Toni, aber auch die musikalisch sowie privat extravagante Künstlerin Mariah Carey. Tamar versprüht Jugend, wie kaum ein anderer aktueller R&B-Act es vermag. Gleichzeitig hat sie alle Qualitäten, die eine klassiche Soul-Diva braucht. Genau dieser Wiederspruch macht sie aus. Das Album „Love & War“ ist regelrecht bipolar ausgefallen. Auf der einen Seite haben wir die wirklich gelungenen Herzschmerzsongs, wie „Stay and Fight“ – ein lupenrein produzierter Mitfühl-Track, der an Mary J. Blige c.a. 2006 erinnert, „Pieces“ oder die wirklich ansteckend schönen Songs wie der Titelsong „Love and War“ oder die kommende Single „All The Way Home“, ein wunderbar nett geschriebener Song, der das Gefühl beschreibt, so schnell wie möglich nach Hause zu seiner besseren Hälfte gelangen zu wollen.

Tamar Braxton und Malcolm (Foto: Hussein Kduoh)
Tamar Braxton und Malcolm
(Foto: Hussein Kduoh)

Auf der anderen Seite, die Songs die sie eigentlich zu dem Popkultur-Phänomen in ihrer Heimat machten, das sie heute ist. Braxton ist bekannt dafür in ihren TV-Serien immer schlagfertigst schnippische sowie scharfzüngige Sprüche auszupacken. Diese Phrasen und Mottos wurden nun in ihren Songs kompositorisch verwertet, wie etwa in der wahnsinnig genialen Nummer „She Did That“. Eine 77 Sekunden lange Hymne an sich selbst: Und das in der dritten Person! Strotzend vor Arroganz, Elan und wirklich kein bisschen Selbst-Ironie. Konsequent wird auf dem Song die eigene Person ins unermessliche zelebriert. Nur folgerichtig, dass der Titel danach „Hot Sugar“, die eigenen Fähigkeiten des Liebesspiels prunkvoll als heißen Zucker bezeichnet.

Dazwischen ruft Braxton noch zum kollektiven Hintern ausstrecken auf: „Pop It, pop it, pop it!“ In die Riege dieser Songs, lassen sich auch die Nummern „Tip Toe“ und „One on One Fun“ einreihen. Die Songs sind schon fast grotesk überzogen, was das Maß der Ratchetness (zu deutsch etwa: Keuligkeit) betrifft.

Neben den bemühten Schnarchnummern gegen Ende des Albums („Prettiest Girl“, „White Candle“, „Thank You Lord“) gibt es dann noch den fantastischen ersten Song der CD „The One“. Der Track mit dem Notorious B.I.G.-Sample geht direkt ins Herz, und von dort in Arme und Beine. Tanzbar, locker und vor allem frisch. Insgesamt ist Tamar Braxtons zukünftiger Werdegang sehr vielversprechend.

3.5/5

Künstler: Tamar Braxton | Album: Love and War | Label: Epic (Sony Music)  | VÖ: 25. Oktober 2013

 

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Malcolm Ohanwe moderiert sein eigenes Format "MalcolmMusic", wo er das Who-is-Who der Genres R&B, Afrobeat, und Hip-Hop interviewt.

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