Soul Expression(s): Lee Fields im Zoom Frankfurt

 

Schwitzender Bühnenarbeiter: Lee Fields in Frankfurt.
Schwitzender Bühnenarbeiter: Lee Fields in Frankfurt.

Gespenstische Gestalten bereiten sich in der Frankfurter Innenstadt auf einen langen Abend mit deutschen Adaptionen von heidnischen Bräuchen vor, doch im Downtown Club „Zoom“ ist die Verwandlung in einen Juke Joint angesagt. Zu einer Zeit, zu der durchschnittliche Rapper erst anreisen, steht Lee Fields mit The Expressions bereits auf der Bühne. Kurz nach halb neun beginnt der Afroamerikaner seine Soulshow – umringt von dem weißen Sextett. Die Hausband von Truth & Soul Records und der in North Carolina geborene Mann wirken kontrastreich: der kleine Elder Soulsman und die beinahe wie Hipster aussehenden Begleiter sind optisch so verschieden und passen gleichzeitig so gut zusammen. Fields und Band spielen sehr viel vom im Juni erschienenen Album „Emma Jean“. Schon kurz nach dem Auftaktgong schwitzt Fields in seinem Glitzerjackett wie ein Boxer vor der letzten Runde.

Schweiß des ehrlichen Musikarbeiters

Es ist der Schweiß des ehrlichen Musikarbeiters, der glaubhaft machen kann, es erlebt zu haben, wovon er singt. Egal wie sehr man sich anstrenge, man schaffe es nie wirklich – „Just can’t win“ eben. Fields musste sich seinen jetzigen Status hart erarbeiten, dabei hätte er mit viel Glück ein zweiter Johnny Taylor, ein dritter Al Green oder ein vierter Otis Redding sein können. Das Glück hatte er nicht, aber er ist mit sich im Reinen. Mit 63 klappen Hüftschwung und Bühnentänzchen wie beim jungen James Brown. Und er kann stolz sein auf „Emma Jean“, der Longplayer schaffte es auf die aktuelle Black Music-Longlist beim „Preis der deutschen Schallplattenkritik“. Lee_FieldsSongs wie „Standing by your side“ und „It still gets me down“ werden vom gut gefüllten Zoom gefeiert. There is another one, sagt Field immer wieder, sonst sagt er nicht viel, aber aus jeder Schweißpore strömt sein Dank an die Leute; er weiß nur zu gut, dass diese wegen ihm gekommen sind. Thank you so much, wird er später auf die (vor allem!) Vinyle schreiben, die er freundlich und zurückhaltend signiert. Für die Fans ein paar persönliche Worte nach der Zugabe, die er ohne Sakko und nur mit Weste auf blanker Haut bestreitet. Schnörkellos, konzentriert und ohne Schnickschnack – so war dieser kurze und intensive Abend mit einem Lee Fields, der sich auch beim Autogrammeschreiben volksnah präsentierte wie Gregory Porter und Musiq Soulchild in Frankfurt.

Über Torsten Fuchs 527 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".

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