Die Netflix-Dokumentation „Babo – Die Haftbefehl-Story“ hat nicht nur die Streaming-Charts erobert, sondern auch eine Welle der Diskussionen ausgelöst, die weit über die Rap-Szene hinausreichen. Der Film, produziert von Schauspieler Elyas M’Barek, zeigt das Leben von Aykut Anhan alias Haftbefehl in schonungsloser Offenheit – von Kindheitstraumata über Drogensucht bis hin zu einem beinahe tödlichen Absturz.

„Ich war schon tot“, sagt Haftbefehl in der Doku – und meint das wörtlich. Nach einem Kokainexzess 2023 musste er reanimiert werden. Die Kamera hält auch in den dunkelsten Momenten drauf: Krankenhausgeräte piepen, der Rapper schwitzt auf dem Beifahrersitz, während seine Familie ohne ihn in den Urlaub fährt. Die Trigger-Warnung zu Beginn der Doku ist mehr als gerechtfertigt.
Elyas M’Barek, selbst bekennender Fan der ersten Stunde, erklärt seine Motivation: „Ich wollte, dass seine Geschichte richtig erzählt wird – aus seiner Sicht.“ Für M’Barek ist Haftbefehl einer der bedeutendsten Rapper Deutschlands – ein „krasser Typ, der Raum einnimmt“.
Die Doku zeigt, wie Haftbefehl mit 13 Jahren zum ersten Mal Kokain konsumierte, wie der Suizid seines Vaters ihn prägte und wie er sich immer wieder in die Sucht zurückzieht. „Menschen tun mir schlechter als Koks“, sagt er in einer Szene. Die Doku ist kein Heldenepos, sondern ein düsteres Porträt eines Mannes, der gegen seine Dämonen kämpft.
Auch die Reaktionen aus der Szene bleiben nicht aus. Fler kommentiert die Doku mit den Worten: „Er wird nicht alt“ – eine düstere Prognose, die viele Fans erschüttert. Capo, Haftbefehls Bruder, soll laut Raptastish sogar handgreiflich geworden sein und dem Dealer seines Bruders die Nase gebrochen haben – eine Szene, die die familiäre Verzweiflung greifbar macht.
In Offenbach fordert der Schülerrat inzwischen, Haftbefehls Leben und Musik im Unterricht zu behandeln. Die Begründung: Seine Texte seien authentisch, gesellschaftskritisch und ein Spiegel der Realität vieler Jugendlicher. Die Doku scheint also nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu bilden – und zu bewegen.
Ob die Operation an Haftbefehls Nase, die laut einem Arzt „notwendig“ war, mit seiner Sucht zusammenhängt, bleibt Spekulation. Klar ist: Die Doku hat eine Debatte entfacht, die Deutschrap, Drogenpolitik und Bildung gleichermaßen betrifft.
„Babo – Die Haftbefehl-Story“ ist mehr als ein Musikfilm. Es ist ein Weckruf – für Fans, Familien und vielleicht auch für Haftbefehl selbst. | mit KI
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