Ein Klassiker der Hip-Hop-Soul-Geschichte stand vor Gericht – und wurde rehabilitiert. Universal Music Group (UMG) hat eine Urheberrechtsklage erfolgreich abgewehrt, die sich um Mary J. Bliges 1992er Hit „Real Love“ drehte. Im Zentrum des Streits: ein angeblich nicht lizenzierter Sample aus dem Funk-Protestsong „Impeach the President“ von The Honey Drippers aus dem Jahr 1973.

Die Klage wurde im April 2024 von Tuff City Records eingereicht, einem Label, das für seine aggressive Rechtewahrnehmung bekannt ist. Tuff City argumentierte, dass „Real Love“ ein Sample aus „Impeach the President“ verwendet habe – allerdings nicht direkt, sondern über einen Umweg: Der Blige-Song enthält Elemente aus Audio Two’s „Top Billin’“, das wiederum auf dem Honey Drippers-Track basiert.
Doch das Gericht ließ sich von dieser Argumentationskette nicht überzeugen. US-Bezirksrichter Dale Ho urteilte am 23. September 2025, dass die beiden Songs „nicht gleich klingen“ und ein „gewöhnlicher Hörer“ keine erkennbare Ähnlichkeit feststellen würde. „Impeach the President“ sei ein politischer Funk-Track mit Bläsern und Call-and-Response-Gesang, während „Real Love“ ein emotionaler Hip-Hop-Soul-Song sei, getragen von Piano und Drums.
Mary J. Blige selbst war nie Teil der Klage. Die rechtliche Auseinandersetzung richtete sich ausschließlich gegen UMG, das bereits zuvor eine separate Einigung über die Nutzung der Tonaufnahme erzielt hatte – nicht jedoch über die Komposition. Diese Unterscheidung ist juristisch entscheidend: Während die Verwendung eines Samples aus einer Tonaufnahme stets eine Lizenz erfordert, ist die Nutzung von Elementen einer Komposition rechtlich komplexer und hängt von der erkennbaren Ähnlichkeit ab.
Die Entscheidung des Gerichts stärkt die Position von Künstlern und Labels, die mit historischen Samples arbeiten. Sie zeigt, dass nicht jede rhythmische oder stilistische Anlehnung automatisch eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Für Mary J. Blige bedeutet das: Ihr Song „Real Love“, der 1992 Platz 7 der Billboard Hot 100 erreichte und bis heute über 120 Millionen Spotify-Streams zählt, bleibt unangetastet.
Tuff City Records, das bereits Klagen gegen Jay-Z, Ye (Kanye West), Frank Ocean und andere eingereicht hat, muss sich erneut mit einer Niederlage abfinden. Für Universal Music ist der Sieg ein wichtiges Signal – und für Fans von Mary J. Blige eine Bestätigung: „Real Love“ ist nicht nur musikalisch, sondern auch rechtlich ein Original. | mit KI
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