Die Billboard Hot 100 verzeichnet einen Einschnitt, der Hip-Hop-Fans weltweit aufhorchen lässt: Zum ersten Mal seit Februar 1990 ist kein einziger Rap-Song in den Top 40 vertreten. Mit dem Ausscheiden von Kendrick Lamar und SZA’s Hit „Luther“ endet eine 35-jährige Dominanz des Genres in den oberen Chartregionen.
„Luther“, ein Song, der 13 Wochen lang die Spitze der Hot 100 anführte und insgesamt 46 Wochen in den Charts verweilte, wurde am 25. Oktober 2025 als „recurrent“ eingestuft und entfernt. Hintergrund sind neue Regeln von Billboard, die Songs nach bestimmten Zeit- und Platzierungsgrenzen automatisch aus der Liste nehmen – etwa wenn sie nach 26 Wochen unter Platz 25 fallen.
Diese Regeländerung traf „Luther“ direkt, der zuletzt auf Platz 38 rangierte. Damit fiel der letzte Rap-Song aus den Top 40 – ein Bruch mit einer Kontinuität, die mit Biz Markies „Just a Friend“ im Februar 1990 begann.
Doch die Ursachen gehen über Chartmechanik hinaus. Rap verliert seit Jahren an kommerzieller Dominanz: Während das Genre 2020 noch fast 30 % Marktanteil hatte, sind es 2025 nur noch 24 %. Pop-Acts wie Taylor Swift, deren gesamtes Album „The Life of a Showgirl“ aktuell in den Top 40 vertreten ist, dominieren die Charts. Auch Künstler:innen wie Olivia Dean, Morgan Wallen oder Alex Warren halten sich mit langlebigen Hits in der Liste.
Die Rap-Szene befindet sich zudem in einer Übergangsphase. Drake hat sein Album „Iceman“ noch nicht veröffentlicht, Kendrick Lamar ist nach intensiver Präsenz wieder ruhiger geworden. Zwar veröffentlichen Künstler wie Cardi B und BigXthaPlug neue Musik, doch deren Songs wie „Safe“ und „Hell at Night“ rangieren nur in den 40ern und 50ern.
YoungBoy Never Broke Again’s „Shot Callin“ ist mit Platz 43 aktuell der höchste Rap-Track – ein Hoffnungsschimmer, aber noch kein Durchbruch.
Die Reaktionen in US- und UK-Medien sind vielschichtig. Billboard spricht von einem „Moment der Reflektion“ für das Genre. Rolling Stone sieht die „Staffelübergabe“ zwischen Rap-Hits als unterbrochen. The FADER nennt die Entwicklung „symbolisch für den Wandel der Popkultur“.
Ob dies nur eine temporäre Delle oder ein struktureller Wandel ist, bleibt abzuwarten. Klar ist: Hip-Hop muss sich neu positionieren, um wieder in die vordersten Chartreihen zurückzukehren. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob neue Releases das Ruder herumreißen können – oder ob Pop und R&B die neue Chartrealität definieren. | mit KI
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