Lartiste entfacht Debatte nach der CAN 2025: „Für die Marokkaner gibt es kein Afrika mehr!“ Die Finalniederlage Marokkos gegen Senegal bei der CAN 2025 hat nicht nur sportlich nachgewirkt – sie hat eine politische und kulturelle Debatte ausgelöst, die weit über den Fußball hinausreicht. Im Zentrum steht der französisch-marokkanische Rapper Lartiste, der nach den chaotischen Szenen im Stadion eine Reihe von Aussagen veröffentlichte, die in Frankreich, Marokko und der gesamten afrikanischen Diaspora für Empörung sorgten. Seine Formulierungen – darunter der Satz „Pour les Marocains, il n’y a plus d’Afrique“ – wurden von vielen als Abkehr von afrikanischer Identität und als gefährliche Annäherung an rechtspopulistische Narrative interpretiert.

Besonders brisant: Lartiste hatte noch wenige Wochen zuvor gemeinsam mit Angélique Kidjo und Jaylann das offizielle CAN‑Hymnenprojekt „Africallez“ performt – ein Song, der die Einheit des Kontinents feiern sollte. Dass derselbe Künstler nun von „kulturellen Unterschieden“ spricht, die „ein unüberwindbares Gefälle“ erzeugten, wirkt für viele wie ein Widerspruch zu seiner bisherigen öffentlichen Haltung. Französische Medien wie La Nouvelle Tribune und zahlreiche Social‑Media‑Stimmen warfen ihm vor, sich rhetorisch an die extreme Rechte anzunähern.
Auch prominente Stimmen meldeten sich zu Wort: Claudy Siar, Moderator bei RFI und eine wichtige Stimme der afrikanischen Diaspora in Frankreich, kritisierte Lartiste scharf. Er sprach von einem „humanisme de façade“ und warf dem Rapper vor, rassialisierende Argumentationsmuster zu bedienen, die er selbst früher bekämpft habe.
Lartiste wiederum verteidigte sich und erklärte, seine Solidarität mit Afrika sei „weggerissen“ worden – eine Reaktion auf die aus seiner Sicht respektlosen Angriffe gegen marokkanische Fans. Er betonte, er spreche „zur France“, nicht zur extremen Rechten, und verwies auf seine eigene Geschichte in den Banlieues.
Die Debatte zeigt: Die CAN 2025 war mehr als ein Fußballturnier. Sie wurde zum Brennglas für Identität, Diaspora‑Politik und die Frage, wie viel kulturelle Brücken ein Künstler tragen kann – und will. | mit Ki
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