Neneh Cherry „Blank project“

Neneh_Cherry„Buffalo stance“ ist heute noch gut und in den Clubs relevant, „Manchild“ mit Abstrichen auch, nur „Seven seconds“ dudelt zu Recht auf der Oldiebank. Doch im Jahr 2014 sorgt Neneh Cherry mit einem neuen Album auf Smalltown Supersound (Rough Trade) für viel Aufsehen. Spätestens mit dieser von Four Tet produzierten Platte kann die Schwedin nicht mehr als 1980er-Three-Hit-Wonder abgetan werden. „Blank project“ ist irgendwie auch raw like sushi: roh, ungezähmt und fangfrisch. Die Instrumentierung ist wohldosiert, auf das Wesentliche reduziert und sparsam, ohne das kaputt gespart wurde. Exemplarisch dafür steht der Opener „Across the water“. Nur über ihre Stimme trägt Neneh fast das komplette Album, das mit übergeworfenem Popschleier zwischen Spoken Word, Rap, Poetry, Post Industrial und Electronica umherläuft.

Konzert in schicker Umgebung: Neneh Cherry wird von ihren gleichaltrigen Anhängern beklatscht.
Konzert in schicker Umgebung: Neneh Cherry wird von ihren gleichaltrigen Anhängern beklatscht.

Relevantes Popalbum in der zweiten Lebenshälfte

„Out of the black“ ist der einzige von zehn Tracks, dem Berechenbarkeit und Single-Ambitionen unterstellt werden könnten: anstelle von Cherrys Landsfrau Robyn hätte hier vielleicht Sian Evans als Gast aushelfen sollen, zumal der folgende Song „Dossier“ auch Kosheen gut zu Gesicht stünde. Neneh Cherry trumpft 2014 selbstbewusst und ähnlich gelassen wie Boy George nach langer Pause mit einem Album auf. Dass „Blank project“ aber so mutig und fast schon subversiv ausgefallen ist, hat der 50jährigen Künstlerin (und Mutter dreier Töchter) wohl niemand zugetraut.

Zwei Konzertstopps in Frankfurt und Berlin

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Mehr als „Seven seconds“: Neneh Cherry bespielt Frankfurt.

Beim ersten Auftritt in Frankfurt am 5. August zeigte sich die Schwedin vor knapp 1000 Zuschauern bestens gelaunt. Sie habe gedacht, in dieser Stadt drehe sich alles nur um Geld und Banken, sagte die Schwedin sinngemäß. Und sie verlebe einen schönen Tag hier, nachdem sie zunächst im Hotel beim Schauen des BBC-Programms nur schlechte Nachrichten bekommen habe. Cherry spielte viele Stücke ihres aktuellen Albums, sie gab auch eine Version von „The creator has a master plan“ zum Besten und schloss ihre Show mit -natürlich- „Buffalo stance“. Anfang September wird sie beim „Berlin Festival“ zu Gast sein.

Über Torsten Fuchs 529 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".

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