Stylerkings – SK-lation

Stylerkings - SK-lation
Stylerkings – SK-lation

Das Trio aus Leipzig hat mit „SK-lation“ das wohl witzigste und sinnvollste deutsche Rapalbum im eben zu Ende gegangenen Jahr 2006 eingespielt. Doch schon lange bevor es zur Eskalation kam, waren die Stylerkings aktiv; wenn auch unter anderen Namen. Patrick 23 und Bauer rappen seit zehn Jahren, Shema macht in diesem Jahr seine erste Plattenleger-Dekade voll.

Die eigentlichen Wurzeln können bis zu den Microphoenix gezogen werden, einem der ersten Rap-Kollektive der Messestadt. Patrick 23 stand bis Ende der 90er Jahre am Mikro, er startete nach dem Aus der Microphoenix solo durch. Bauer und Shema kommen aus der Produktion: Zwei Veröffentlichungen, „Quintessenzen“ und „Zufall oder Schicksal“, verließen mit VolksEigenen Beatz versehen den VEB (zu DDR-Zeiten stand diese Abkürzung für „Volkseigener Betrieb“). Auf Features dafür kreuzten sich erstmals die Wege der drei späteren Stilkönige. Man(n) konnte gut miteinander, verstand sich bei Arbeitsweise und Gesinnung. Die Ära der Stylerkings begann dann vor anderthalb Jahren mit dem Debüt „Die Ära beginnt…“.

In punkto Selbstbewusstsein waschen die drei Leipziger nicht mit dem Sparprogramm. Die Band beschreibt sich als „geballte Ladung an Styles & Skills“, deren Mitglieder die „Chefs in der City“ seien. Klappern gehört zum Hip-Hop-Geschäft wie das Slappen zu einem funky gespielten Bass. Was steckt dahinter?

Wie eingangs festgestellt eine gehörige Portion Wortwitz, Ironie, Verstand und Lebenserfahrung; und das alles eskaliert in Texten, die in der Rapszene eher selten zu finden sind. Mal ehrlich, wer in Deutschland hat denn wirklich etwas zu sagen, das über Wannabe-Ghetto-Geprolle und pubertär-geistige Ergüsse hinausgeht? Curse, klar, aber dann muss schon mit der Lupe gesucht werden. Die Stylerkings schlagen sich jedenfalls eindeutig auf die Seite des MCs aus Minden.

In „Dieses Land“ liefern die Jungs eine soziale Zustandsbeschreibung, die fast schon konservativ ausfällt („sicherlich ist vieles nicht perfekt, doch eben ist es besser hier, als irgendwo im Dreck zu leben“). Auch „Steh wieder auf“ verteilt Ratschläge, die nicht nur gut gemeint, sondern einfach richtig sind. Der Song „Hinter dir “ beackert ein Lieblingsfeld der Band, die sich fortlaufend über weibliche Hinter(n)-Ansichten Gedanken macht. Auch hier Wortwitz anstelle von plumpem Sexismus („Dein größter Vorteil ist dein Hinterteil…“), bei „LeCityRapStars“ dagegen müsste schon der Parental Advisory-Sticker geklebt werden … wobei bei der Groupiegeschichte der Wunsch wohl der Vater des Gedankens sein dürfte.

Stylerkings
Stylerkings

Hinter Lyrics wie „Dein Arsch ist für mich dein wahres Gesicht“ stecken eigentlich nur Komplimente, die unorthodox verteilt Werden – Frauenfeindlichkeit hört sich anders an; wobei sicher der eine oder andere Mahner warnend den Zeigefinger heben wird. Mit Features wird gegeizt, nur Maulheld wird für „Spucken“ Einlass gewährt.

Das Album besticht vor allem mit den Texten, die musikalisch oft dezent verpackt wurden, aber immer gut verschnürt sind. Vielseitig zudem: ein cooler Scratch über einem Barry White-Loop („Hinter dir“), Abfeiern zu Reminiszenzen an die Studio 54-Spiegelkugel, polyrhythmische Impulse („Horch ma“) – so viel Abwechslung bei sicherlich beschränktem Budget findet sich selten. Natürlich gibt es keine Flows, die Jay-Z an sich zweifeln lassen würden, aber dieses Schicksal teilen die Leipziger mit allen anderen deutschen Rappern. Die Saat, die Opossum einst in den Boden der größten und coolsten, ostdeutschen Stadt nach Berlin eingebracht hat, geht jedenfalls auf. Denn mit „Sk-lation“ meldet sich Leipzig nachdrücklich zu Wort und kann in Deutschland eigentlich nicht überhört werden.

Shema, Bauer und Patrick 23 touren regelmäßig und engagieren sich auch sonst für die heimische Szene. Bauer beispielsweise ist federführend bei Akupunktur; einer Loge aus Produzenten, DJ’s und MC’s, der lokale Zugpferde wie Marcelemcy und Kai Takecare angehören. Eines steht jedenfalls fest: bei den Stylerkings kann noch mehr eskalieren. Die gehen richtig ab!

Künstler: Stylerkings | Album: SK-lation | Label: Offtakt Records

Über Torsten Fuchs 529 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".