Christina Aguilera – Lotus

Christina Aguilera ist wütend. Ach was, sie ist stinkend sauer. Vom Ehemann verlassen, das letzte Album ein desaströser Flop, ihre schauspielerischen Leistungen wurden geradezu zerissen und ihre Tage als topfitte Laufstegbeauty scheinen auch lange vorbei. Doch die selbsternannte Kämpferin lässt sich nicht unterkriegen. Bei ihr handele es sich schließlich um eine Lotosblume verlautet sie stolz. Unzerstörbar und jedem Widerstand resistent. Diese Blüte überlebt jeden Sturm, ist eine Kriegern und unermüdlich… etc. pp.

Nun gut… Das Intro des Projekts „Lotus“ beginnt ganz gut. Sehr gut muss man sagen. Mystisch, atmosphärisch, aufregend. Man ist sogar gespannt auf das was kommt… Doch dann lässt Frau Aguilera ihrem Zorn freien Lauf. Geradezu cholerisch plärrt sie in das Mikrofon. Es gäbe eine ganze Armee an Christinas laut dem Song „Army Of Me“ Au weia. Fast schon verzweifelt versucht sie hier ihren Hit „Fighter“ zu reproduzieren. Sie scheitert. Kläglich. Selbiges lässt sich eigentlich über fast die ganze Platte sagen. Ziellos, inkohärent und teilweise sogar schmerzhaft für die Ohren, reiht sich eine Trashnummer an die andere. Besonders schlimm auf Songs wie „Shut Up“ oder „Red Hot Kinds Love“. Und Trash muss nicht immer per se schlecht sein.

Christina Aguilera (Foto: Sony, Ausschnitt Cover)
Christina Aguilera (Foto: Sony, Ausschnitt Cover)

Er kann auch charmant sein: Mit „Your Body“ gelang ihr die perfekte Bubblegum-Trash-Single, ein groovig melodiöser Hook, Lyrics so flach und kitschig, dass sie schon wieder geil sind und eine super Produktion. Keiner der Songs auf dem Album kann „Your Body“ das Wasser reichen. Nach dem soliden und einzigartigen Bionic, versinkt die Interpretin in einer rechtfertigenden, defensiven und überaus nervigen Attitüde. Auf gefühlten hundert Songs erwähnt sie ihre Hater (so werden oftmals Neider im Musikjargon genannt) und bezeichnet diese dann als „Mutterficker“. Skandalös, riskant, artistisch! Eher nicht.

Dennoch handelt es sich bei Aguilera um eine unsagbar talentierte Vokalistin. Und wie schlecht ein Song auch komponiert sein mag, ihre Stimme ist dennoch beeindruckend, und so ist die CD „Lotus“ nun auch nicht ganz so katastrophal, wie man nun vermuten könnte, denn singen kann sie nämlich immernoch. Wenigstens. Und ein zwei Anspieltipps gibt es auch. „All Around The World“, eine peppige Tanznummer, die einem zugegebenermaßen im Ohr bleibt und die Balladen „Blank Page“ sowie „Sing For Me“. Es ist ihre Stimme, auf diesen langsamen Songs überzeugt. Und obwohl Lotos sehr resistente Pflanzen sind, verwesen auch sie. Und dieses Exemplar scheint seine besten Tage hinter sich zu haben. Tatsächlich ist er schon am verwesen.

Künstler: Christina Aguilera | Album: Lotus | Label: RCA (Sony) | VÖ: 9. November  2012

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Malcolm Ohanwe moderiert sein eigenes Format "MalcolmMusic", wo er das Who-is-Who der Genres R&B, Afrobeat, und Hip-Hop interviewt.

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