Keine Star-Allüren beim Soulfood Festival: Organisator Klaus Luka im rap2soul-Exklusivinterview

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Klaus Luka

Die Vorbereitungen für das 3. Soulfood Festival in Bremerhaven laufen auf Hochtouren. Am 7. November ist es soweit – für viele wird dieser Abend zum Konzert-Highlight des Jahres werden. Klaus Luka ist einer der wichtigen Strippenzieher, er hat den Event auch in diesem Jahr mit auf die Beine gestellt.

Wenige Tage vor der Show hat der Mann alle Hände voll zu tun: Sind die Hotelzimmer gebucht? Wer holt wann die Künstler vom Flughafen ab? Zudem müssen in der Stadthalle Bremerhaven die Bühne aufgebaut sowie die Banner von rap2soul.de und Pelione.fm aufgehängt werden. Klaus Luka nimmt den Stress als professionelle Herausforderung an, für den Medienpartner rap2soul hat sich der Impresario Zeit genommen und die Fragen von Torsten Fuchs beantwortet.

Klaus Luka, wie seid Ihr damals auf die Idee gekommen, ein Soulfestival in Bremerhaven zu veranstalten, das jetzt seine 3. Auflage erlebt?

Im Jahr 2012 hat Rob Hardt mich eingeladen, zum Baltic Soul Weekender zu fahren. Dort habe ich diese tolle Atmosphäre genossen und bei einem gemeinsamen Essen mit Rob und Mousse T. habe ich gesagt: So etwas können wir doch auch in Bremerhaven machen. Alle waren begeistert und Mousse T. hat auch spontan zugesagt, beim ersten Festival aufzutreten, was er dann natürlich auch gemacht hat. Rob hat von Beginn an die künstlerische Leitung übernommen und mit der Stadthalle Bremerhaven und ihrem Geschäftsführer Ralf Türk haben wir sofort einen Partner gefunden, der dieses Projekt von Anfang an maßgeblich unterstützt hat. Auch drei Bremerhavener Hoteliers und andere Geschäftsleute aus Bremerhaven haben dieses Leuchtturm-Projekt als Chance erkannt, etwas Außergewöhnliches von hoher Qualität in Bremerhaven zu veranstalten und damit diese liebenswerte Stadt und ihre Einwohner positiv weiter bekannt zu machen.

Hast Du eine Erklärung, wieso Soul-Konzerte im Festivalrahmen ausgerechnet im norddeutschen Raum beheimatet sind?

Es gibt in Bremerhaven durch die Stationierung vieler US-Soldaten eine wirkliche Tradition von Soulmusik in der Stadt. Auch durch die vielen Hafenstädte, die wir im Norden haben, schwappte

Andrew Roachford und Torsten Fuchs Baltic Soul Weekender 2012 (Foto: rap2soul)
Mit „Rock you“ auf dem Festival-Sampler 2015 vertreten: Andrew Roachford (links, mit Torsten Fuchs)

diese Musik schon in den frühen 1960er-Jahren über den großen Teich und hat großen Einfluss auf die Musikkultur in Deutschland genommen.

In diesem Jahr seid Ihr aufgrund des „Ausfalls“ des Baltic Soul Weekenders plötzlich zum „Marktführer“ geworden. Wie fühlt sich das an, der Soul-Gemeinde vom Schwester-Festival zumindest vorübergehendes (und vermutlich lang andauerndes)  Asyl zu gewähren?

Wir finden es sehr schade, dass das Projekt Baltic Soul Weekender finanziell gescheitert ist. Es war ein großartiges Event und hat so vielen Menschen so viel Freude bereitet. Wir hoffen, dass wir mit unserer Arbeit dazu beitragen können, solche Projekte wiederzubeleben. Das geht aber nur, wenn alle Beteiligten und auch die Besucher an einem Strang ziehen und bereit sind, etwas zusammen auf die Beine zu stellen.

Bei einem Line-up wie Eurem (S.O.S. Band, D-Train, Cool Million u. a.) ist das Soulfood Festival alles andere als ein Lückenbüßer. Wie habt Ihr es denn geschafft, die legendäre S.O.S. Band mit ihrer Original-Leadsängerin Mary Davis nach Deutschland zu holen?
Da Rob als international anerkannter Musikproduzent über sehr viele direkte Kontakte verfügt und wir nun schon zum dritten Mal dieses Festival organisieren, haben wir innerhalb der Soul-Szene uns langsam einen Namen machen können. Die Künstler, die bisher bei uns auftraten, waren auch alle sehr begeistert von dem Spirit, den unser Festival hat und sprechen natürlich auch mit ihren Kollegen darüber. Wir sind bis heute noch freundschaftlich verbunden mit Künstlern wie Glenn Jones, George McCrae oder Kurtis Blow. Ganz zu schweigen von der Cool-Million-Family und dem Sed Soul Orchester.

Ohne zwischengeschaltete Agenturen und mit dem guten Renommee der Veranstaltung sind dann auch die Künstler bereit, faire Konditionen anzubieten und auf bestimmte Dinge auch zu verzichten. So fliegen z. B. alle Mitglieder der S.O.S. Band in der normalen Holzklasse von Atlanta nach Europa und haben auf First Class oder Business-Buchungen verzichtet. Auch auf abstruse Catering-Listen mit hochpreisigen Anforderungen wird von allen Künstlern verzichtet. Sie wissen ja inzwischen, dass sie bei uns wie Freunde behandelt werden.

Welche Kriterien muss ein Künstler erfüllen, damit er in die engere Wahl für einen Auftritt kommt und was sind schlussendlich die entscheidenden Punkte für die Auswahl Eurer Künstler?

Abgesehen von der musikalischen Qualität, die bei jedem unserer Künstler natürlich Voraussetzung ist, ist es uns wichtig, einen Querschnitt der Soulmusik zu zeigen. Von Weltstars wie Kurtis Blow oder der S.O.S. Band, über das international gefeierte Bandprojekt von Rob Hardt, Cool Million, bis hin zu Nachwuchskünstlern wir Farina Miss oder Mariama Ceesay, versuchen wir das Spektrum der Soulmusik von damals bis heute darzustellen. Und ein ganz wichtiger Faktor ist, dass wir menschlich miteinander harmonieren, denn das ist eine wesentliche Energiequelle dieses Festivals und wird uns auch immer wieder von allen Leuten, die mitgemacht haben, bestätigt.

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Rob Hardt von Cool Million ist erneut künstlerischer Leiter des Festivals, hat er im Alleingang kuratiert?

Diese Festival ist eine Gemeinschaftsproduktion ganz vieler Menschen. Rob und ich leiten zwar dieses Projekt und suchen auch gemeinsam die Künstler aus, aber ohne die Unterstützung vieler anderer  Menschen wäre es nicht möglich, dieses auch so durchzuführen. Da es sich hier tatsächlich um ein Non-Profit-Projekt handelt, ist die Leistung von Rob und vielen anderen Beteiligten umso höher zu bewerten, da es nur mit dem Idealismus sowie der Freude und Liebe zu diesem Projekt möglich ist, so etwas stattfinden zu lassen. Und auch die Unterstützung der Stadthalle Bremerhaven soll hier nochmal erwähnt werden, ohne die es auch nicht möglich wäre. Jetzt müssen nur noch die Menschen dieses Festival besuchen und damit zum Ausdruck bringen, dass es etwas ist, was sie wollen. Quasi eine Abstimmung mit den Füßen.

Ihr nennt Euch Soulfood Festival – gibt es denn auch Soulfood „drum herum“? Was passiert am 7. November in der Stadthalle neben den Konzertauftritten?

Das Festival ist auf die nächsten Jahre angelegt und jedes Jahr soll es mehr Aktivitäten um dieses Festival herum geben.  Soulfood steht ja nicht nur für Essen, sondern vor allem für alles, was die Seele nährt. Und das ist Musik, Essen, Spaß, Tanzen, Feiern. In den nächsten Jahren wollen wir das Festival auf mehrere Tage ausdehnen und mit anderen Aktionen aus Kunst und Kultur verknüpfen. Das kann auch an anderen Orten sein. Aber wir bleiben mal im Moment und freuen uns auf  Samstag, wenn um 18.00 Uhr die Türen der Stadthalle Bremerhaven geöffnet werden.

In welcher Reihenfolge treten die Künstler am Festivalabend eigentlich auf?

Wir beginnen mit unserem Festival Orchester, der Sed Soul Band, die dann anschließend auch alle anderen Künstler live begleiten wird. Nur die S.O.S. Band, die zum Abschluss des Festivals ein volles Konzert von ca. 80 Minuten spielen wird, tritt mit eigener Band auf. Mariam Ceesay wird den Auftakt machen und zeigen, dass es unglaublich talentierten Nachwuchs auch in Bremerhaven in der Soulmusik-Szene gibt. Dann werden Farina Miss und die Westcoast Soul Stars aus England auftreten. Mit Alexandra Prince werden wir deutsch-brasilianisches Soul Temperament auf der Bühne sehen. Ein echtes Highlight und voller Überraschungen.

D-Train (Foto: Promo)
D-Train (Foto: Promo)

In den Pausen und vor Beginn des Festivals haben wir unseren alten Freund Ferry Ultra, den Betreiber des legendären Musikclubs Monkeys in Hannover und international erfolgreichen Produzenten,  gewinnen können: Er wird heiße Dance- und Soulrhythmen auflegen. Dann geht es richtig ab und Cool Million betritt die Bühne, gefolgt von James „D-Train“ Williams, dem Superstar aus New York. Das wird Energie pur! Vor dem Auftritt der S.O.S. Band gibt es dann nochmal ein kleines Finale mit allen beteiligten Künstlern, die gemeinsam einen meiner All-time-favorite-Songs spielen werden. Welchen? Lasst Euch überraschen! Ich freu mich schon total drauf.

Gibt es noch Restkarten – und wenn ja – wo?

Natürlich kann man noch Karten bei eventim online buchen oder auch über das Ticketcenter der Stadthalle Bremerhaven. Außerdem wird es noch Karten an der Abendkasse geben. Für alle Auswärtigen haben einige Bremerhavener Hotels extra Festivalangebote gemacht und die Preise sind sensationell. Wie überhaupt der Ticketpreis von 39,90 € ein echtes Schnäppchen ist, bei diesem hochkarätigen Line-up. Die Hotelangebote findet man auch auf unserer website:  http://soulfood-bremerhaven.de/

Klaus Luka, vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Infos! Wir freuen uns auf das Soulfood Festival Bremerhaven am 7. November!

Über Torsten Fuchs 529 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".

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