Für die deutsche Musikszene war Marlon B. weit mehr als ein Rapper: Er war ein kultureller Brückenbauer. In den frühen 1990ern prägte er als Mitglied der Frankfurter Hip-Hop‑Crew Black Angels die Clubszene – direkt, wortkarg, aber mit einer Präsenz, die jede Bühne füllte. PELI ONE Moderator DJ Superjam beschreibt ihn als jemanden, der früh Fistbumps statt Handschläge etablierte, „weil er nicht wusste, wo die Hände der Leute vorher waren“. Diese Mischung aus Humor, Pragmatismus und Street‑Weisheit machte ihn zu einer unverwechselbaren Figur.

Sein Weg führte ihn später nach Mannheim, wo er Teil des wechselnden Kollektivs Söhne Mannheims wurde. Dort brachte er Reggae‑Einflüsse, Patois und eine internationale Perspektive in den Sound der Gruppe ein. Auf dem Album Iz On (2009) war er fest verankert, sowohl als Rapper als auch als Songwriter – unter anderem beim Track „Gesucht & Gefunden“.
Nach seinem Ausstieg 2017 zog Marlon B. zurück nach Jamaika, wo er eine Bar betrieb und weiterhin als Musiker aktiv blieb. Die Region Robins Bay gilt eigentlich als ruhiger Ort – umso schockierender war der Angriff, bei dem neben ihm zwei weitere Männer getötet wurden. Die Täter flohen, das Motiv ist bislang unklar.
DJ Superjam erinnert sich an ihren letzten gemeinsamen Auftritt 2019 beim Chilly’s Top Hat Revival: Marlon brachte „immer positive Vibes – ob auf der Bühne oder einfach beim Abhängen“. Für viele war er ein Freund, Mentor und jemand, der mit wenigen Worten ganze Crews wachrütteln konnte. So wie 1993, als er nach chaotischer Organisation vor einem Gig nur vier Worte sagte: „Black Angels a fraud“ – ein Moment, der die Gruppe zusammenschweißte und zu einem legendären Auftritt führte.
Mit seinem Tod verliert die deutsche Urban‑Music‑Szene eine Stimme, die Authentizität lebte und Generationen prägte. | mit KI
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