Hammer + Zirkel „Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch lustiger“ – das rap2soul-Interview

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Hammer + Zirkel live (Foto: rap2soul)

Am 31. Oktober 2008 erscheint das Debütalbum des Rap-Duos Hammer + Zirkel. „Musik ist unser Leben, drum werden wir Erzieher“ haben die beiden Berliner vom Plattenbau Ost ihr Album genannt. Das zuständige Label ist Mellowvibes Records im Berliner Wedding. Dort traf rap2soul Redakteur Jörg Wachsmuth (West-Berliner) Hammer + Zirkel (Ost-Berliner) zum Interview. Ihren Fans hatten sich die beiden musikalischen Erzieher schon vorher gezeigt, auf der Jugendmesse YOU, mehr dazu findet sich in der rap2soul-Galerie, und der Record-Release Party.

Rap2soul: Ihr habt jetzt eine Art Heimatalbum gemacht?

Zirkel: Ein Heimatalbum nicht. Wir sind ja nicht die Retter der Heimat. Joe Rilla hat es sich auf die Fahne geschrieben. Bei uns ist das nicht so. Wir machen schon auch Musik für Westdeutsche.

Rap2soul: Bei zwei oder einem Song hatte ich aber das Gefühl…

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Das Deutschrap-Duo Hammer & Zirkel live auf der YOU 2008 in Berlin (Fotos: Wachsmuth / rap2soul)

Hammer: „Ick bin so froh das ich en Ostler bin“. Es bot sich einfach an, das so von Lucilectric zu übernehmen. Wir fanden es lustig und wenn wir etwas lustig finden, dann machen wir das einfach.

Rap2soul: Wie entstehen die Songs?

Zirkel: Brainstorming, fanden es halt einfach lustig. Das ist doch das schöne bei Coverversionen, alle kennen es. Wir haben es bei unserer Record-Release-Party kurz angespielt und alle konnten gleich mitsingen.

Hammer: Ja, Begrüßungsgeld gab es bei der Party. Ein Schokotaler pro Person, dafür haben wir im Westen am KaDeWe gefeiert.

Rap2soul: Wir sitzen gerade im Wedding, wie ist das für Jungs aus Hohenschönhausen?

Zirkel: Ob Wedding, Kreuzberg, Marzahn oder Hohenschönhausen, alle haben kein Geld. Das ist überall gleich, so groß sind die Unterschiede nicht. Da ist der Wedding nicht viel anders.
Ich bin sooft in Kreuzberg, wegen dem Eis

Hammer: Das kann ich nur bejahen.

Rap2soul: Eis?

Zirkel: Ja, in der Falkensteinstraße gibt es sehr gutes Eis.

Rap2soul: Ihr seid Erzieher?

Hammer: Es ist wie folgt, ich bin gelernter Erzieher und seit 4 Jahren im Beruf. Der Zirkel arbeitet auch als Erzieher. Ich arbeite im Kindergarten und dort mit der neuen Krabbelgruppe.

Zirkel: Und ich bin in einer Betreuungseinrichtung. Die Leute sind da zwischen 6 und 16 Jahre alt.

Hammer: Wir versuchen aber die Musik weitgehend von der Erziehertätigkeit wegzuhalten. Gut, einige Kollegen wissen, wenn ich nachmittags wieder frei brauche und deshalb in die Frühschicht versuche zu tauschen, dass ich wieder einen Auftritt oder Pressetermin habe.

Rap2soul: Ihr macht Musik zum Spaß haben?

Zirkel: Ja.

Hammer: Auf jeden Fall. Wir haben den Leitspruch „Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch lustiger.“ Wenn sich die anderen Rapper auskotzen über ihr beschissenes Leben, gut uns gefällt auch nicht alles, dann überspitzen wir das, drehen noch einige Dinge und finden es am Ende lustig.

Zirkel: Was nützt es denn immer großartig rumzuheulen. Neulich stand mein Studio komplett unter Wasser. Natürlich war ich erstmal traurig und angepisst. Eine Stunde später habe ich darüber gelacht, während ich das Wasser noch abgesaugt habe.

Hammer: Muss ich das positive noch rausstellen. Zwei Anrufe in der Nacht, schon waren echte Freunde da und haben geholfen. Das ist etwas, woran man sich wieder hochziehen kann.

Rap2soul: Wie hat das mit euch eigentlich angefangen?

Zirkel: Auf der Erzieherschule. Er saß in der ersten Bankreihe. Zuerst ging es gar nicht um die Musik, sondern nur um den Humor. Das erste Mal als wir dann zusammen saßen sind wir auch gleich von der Lehrerin rausgeworfen worden. Auf der Erzieherschule, wo das eigentlich gar nicht geht. Man muss ja über alles reden und so. Wir haben aber so gelacht, wir sind direkt rausgeflogen.

Hammer: Das war die beste Ansage der Deutsch-Lehrerin. Als ich einen lustigen Spruch gemacht habe. Die Lehrerin zur Klasse „Wollen wir darüber nun wirklich lachen – ich denke nicht.“

Rap2soul: Und wie war das jetzt mit der Musik?

Hammer: Wir haben anfangs beide Musik gemacht, beide produziert, beide gerappt. Sind von Freestyle zu Freestyle-Session Das war so vor sieben acht Jahren. Dabei entdeckt man seine Stärken. Ich bin dann weg vom produzieren, mehr zum Rap. Zirkel ist weg vom Rap. Am Ende findet man sich immer mehr, wenn man 8 Jahre Musik macht. Oft sitzen wir auch da und schreiben zusammen.

Rap2soul: Ihr seid auf dem Sampler „Deutschlands vergessene Kinder“ zu hören, zugunsten des Kinder- und Jugendhilfeprojekt Die Arche.

Zirkel: Das war uns eine Ehre. Auf einem Soundtrack zu sein mit Leuten wie Xavier Naidoo, Curse, Max Herre. Die haben wir schon vor acht Jahren gehört und hören sie immer noch.

Rap2soul: Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?

Zirkel: Vom ersten bis zum letzten Song zwei Jahre.

Hammer: Zwischendurch war ja auch ein Mixtape geplant, was dann nicht kam. Joe Rilla meinte irgendwann, das Mixtape ist super, ihr macht jetzt aber lieber ein Album.

Rap2soul: Wie sieht es mit Vorbildern aus?

Zirkel: Vorbilder, das ist schwierig.

Rap2soul: Inspiration?

Hammer: Das tägliche Leben.

Zirkel: Wenn Curse jetzt mit Westernhagen und Jan Delay mit Udo Lindenberg und Buschido etwas mit Oliver Pocher macht, machen wir jetzt nicht unbedingt etwas mit Jeanette Biedermann. Wir würden dann eher einen Song mit Samy Deluxe ein Lied aufnehmen.
Mit Olaf Schubert würde ich gerne etwas machen. Das ist so ein Comedian. Der hat so ein Pullunder an, fettige lange Haare, die fangen aber erst hinter den Ohren an. Der hat eine Stirn.

Hammer: Er ist der Comedy Newcomer des Jahres.

Das neue Album von Hammer + Zirkel „Musik ist unser Leben, drum werden wir Erzieher“ erscheint am 31. Oktober 2008 exklusive auf releaseyourself.net

Über Jörg Wachsmuth 796 Artikel
Jörg Wachsmuth gehört zu den beiden Gründern von rap2soul. Er ist Chefredakteur des Portals. Wachsmuth gehörte zur OffAir-Crew von Kiss FM Berlin, war von 1994 bis 2005 Moderator und Redakteur bei Radio Jam FM und später als Moderator von Radio BHeins in Potsdam (2015 - 2018). Aktuell ist er Chef und Morgenmoderator bei PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio. Der ausgebildete PR-Berater und Journalist ist auch Mitglied der Jury 25 "Soul, R&B und Hip Hop" beim Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.

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