Silk – Always And Forever

Nicht eben originell, aber solide gemacht. Das gilt für „Always And Forver“ von Silk, die darauf zehn Coverversionen bekannter R&B Hits singen. Klingt unspektakulär, ist es auch. Dennoch lohnt es sich, dieses Album zu prüfen, wenn man die Originale mag, denn sehr harmonisch zusammen singen, das kann die Band aus Atlanta noch so gut wie in den 90ern.

Es ist Geschmackssache, ob einem eine kreative Umsetzung besser gefällt oder ob man Coverversionen dann besonders schätzt, wenn sie so nah wie möglich am Original sind. Silk folgen den Hit-Versionen in zu geringem Abstand, was sich doppelt negativ auswirkt: Sie spielen ihre eigenen Stärken nicht voll aus und verzichten auf Neues.

Damit verschenken sie Chancen, die sie als erfahrene Profis hätten nutzen können. Silk sind doch mehr als eine Band, die auf Feiern und Festen bekannte Lieder nachspielen kann!

Bloße Kopien sind die zehn Songs auf „Always And Forever“ allerdings schon deshalb nicht, weil die Originale zum Teil von Künstlern stammen, die Silk sehr unähnlich sind. Wie gut sie bei „Adore“ Prince in seinem Stil imitieren, ist hingegen auch eine Leistung! Man muss die sehr hohen Töne allerdings schon mögen…

Ihr „The Lady In My Life“ wirkt dagegen blass gegenüber der fantastischen Version von Michael Jackson auf seinem „Thriller“-Album. Dagegen kommen die Jungs einfach nicht an! Die Zartheit und das Zittern in der Stimme hat Michael vielleicht nicht immer zum Besten eines Songs eingesetzt, doch „The Lady In My Life“ profitiert davon ungemein.

Der Titeltrack braucht sich hinter „Always And Forever“ von Heatwave nicht zu verstecken, wenngleich er ein wenig einlullend wirkt. Stimmlich und von der Harmonie der Sänger schlagen Silk sich besser. Schade, dass die Instrumentierung und die Produktion dahinter zurückbleiben!

Kopf an Kopf liegen Silk mit The System bei „Don’t Disturb This Groove“, bei dem sie mit ihrem Gesang mehr als nur mithalten können, die Produktion ist zwar knackig, wirkt aber im Vergleich steril. The System klingen natürlicher und weiter, lebendiger.

Die satte, druckvolle Baseline in „Nite & Day“ rettet Silks Version vor der Mittelmäßigkeit. Was sie mit ihrem Stimmen machen, überzeugt, insgesamt ein sehr schöner Song – dem jedoch der ganz besondere Zauber fehlt. Zu den heutigen Hörgewohnheiten passt Silks Sound in diesem Fall besser, doch Al B. Sure! hat nicht nur eine weit bessere Produktion bekommen, er vermittelt dazu eine großartige, entspannte Stimmung und Sehnsucht.

Bei „Sideshow“ gehen Silk „zielstrebiger“ als Blue Magic vor, die zurückhaltender und entspannter klingen. Der kraftvolleren Version von Silk fehlt es dennoch nicht am gewissen etwas oder an Gefühl.

„A Night To Remember“ ist der einzige schnelle Song auf „Always And Forever“. Biss hat er, doch längst nicht so viel wie bei Shalamar. Da „Always And Forever“ hauptsächlich Slow Jams beinhaltet, ist es sicher nicht falsch, auch „A Night To Remember“ ein wenig relaxter umzusetzen.

Silk haben keinen Barry White in ihren Reihen, dennoch ist der Quincy Jones-Song „Secret Garden (Sweet Seduction Suite)“ auch bei ihnen ein Meisterwerk. So viel Gefühl in ein Stück zu legen, gelingt nur wenigen R&B-Gruppen.

Auch „Two Occasions“ (im Original von The Deele) klingt hervorragend, hier stimmt auch die Produktion. Damit geht das Album mit einem Top-Track zu Ende. Doch mit dem Anfang „There Will Never Be“ (Original von The Switch) haben sie eine schlechte Wahl getroffen, weil die in hohen Tonlagen gezwitscherten Verse doch sehr gewöhnungsbedürftig sind. Auch viele R&B-Fans mögen das nicht.

FAZIT: Wie bei vielen Longplayern, die nur oder vorwiegend Coverversionen beinhalten, ist die Vergleichsmöglichkeit mit den Originalen oder verschiedenen bisherigen Versionen der wunde Punkt. Wüsste man nicht, dass es sich um Coverversionen handelt, würde einem „Always And Forever“ mit Sicherheit noch viel besser gefallen. Die zweit- oder drittbeste Version eines Klassikers aufzunehmen, ist deshalb mit Blick auf Publikum und Kritiker gleichermaßen immer ein Segeln gegen den Wind. Silk machen keine Odyssey daraus, sondern meistern mit Ausnahme von „There Will Always Be“ auch die Klippen.

Künstler: Silk | Album: Always And Forever | Label: Shanachie | VÖ: 13. Oktober 2006

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Oliver Springer gehört neben Jörg Wachsmuth zu den Gründern von rap2soul. Er lernte Hörfunk ab 1994 bei JAM FM und moderierte dort fast 12 Jahre. Später war der ausgebildete PR-Berater er als Pro-Blogger tätig. Gemeinsam mit Wachsmuth entwickelte Springer den Digitalradiosender PELI ONE - Dein neues Urban Music Radio, bei dem er seit 2018 den Nachmittag in der Drive Time moderiert.