Joy Denalane – Maureen

Das Problem von „Mamami“ sei, dass dieses Album ein Einzelfall sein könnte, schrieb ich vor acht Jahren bei ww.rap2soul.de über das Debüt. Soul auf Deutsch habe gerade mal ein Album lang funktioniert, musste unser Black Music Portal 2006 über Denalanes (sehr gute) englischsprachige LP konstatieren, die sich im Nachhinein (leider) als zu gewagt erwies. Jetzt also die Besinnung auf den USP der ersten Platte, das Alleinstellungsmerkmal deutsche Sprache.

In den Texten thematisiert sie das Leben und die Liebe im Allgemeinen sowie eigene Erlebnisse im Leben und der Liebe im Besonderen. Sie habe in den letzten Jahren teilweise sehr schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Am Ende sei sie musikalisch und privat dahin zurückgekehrt, wo sie hingehöre, erklärt uns die Denalane im Interview ihre Trennungsschmerzaufarbeitung von „Nie wieder, nie mehr (feat. Julian Williams)“. Der Opener (und zugleich die erste Single) „Niemand (was wir nicht tun)“ liest sich wie eine deutsche Ausgabe eines Bandes von Curtis Mayfield. Überhaupt liefert die Musikerin mit vielen des Dutzends Songs eine Eins zu Eins-Übersetzung von klassischer amerikanischer Soulmusik aus den 1970er Jahren.

Und es funktioniert: ob alt-schuliger Funk („Rosen“) oder neo-souliges Liebeslied („Lass es Liebe sein“) – die Sprache wirkt an keiner Stelle sperrig, sondern schmiegt sich eng an die Melodiebögen. „Wo wollen wir hin von hier“ kombiniert Hip Hop und Soul so geschmeidig wie es für Mary J. Blige selbstverständlich ist. „Happiness“, eines der stärksten Stücke, ist sicher nur aus Zufall das einzige in englischer Sprache.

Joy hat sich unter ihrem zweiten Vornamen nachhaltig zurückgemeldet. Anstelle der Hupfdohle Lena, die sich auf ihrem Siegerlied im vorigen Jahr wie eine „Björk für Bettelarme“ anhörte, hätte das Land besser mit einem Song von „Maureen“ in den ESC ziehen sollen! Der Wunsch, die LENARENA in eine DELANARENA umzutaufen, bleibt natürlich ein frommer angesichts des teutonischen Massengeschmacks.

Künstler: Joy Denalane | Album: Maureen | Label: Nesola (Sony Music) | VÖ: 20. Mai 2011

Über Torsten Fuchs 523 Artikel
Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für "Hip Hop, Soul, R&B".

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