Keine Abkehr vom Experiment: Robert Glasper Trio tourt im November

Vom Trio zu The Robert Glasper Experiment und zurück: Bevor der Mann aus Houston – was selten vorkommt – Kritik und Publikum gleichermaßen mit den herausragenden Alben „Black Radio“ und „Black Radio 2“ begeisterte, war er im Trio unterwegs. In den Zehnerjahren, vor dem weltweiten Durchbruch, vor der Grammy-Auszeichnung und der Aufmerksamkeit von Kritikern des Preises der deutschen Schallplattenkritik.

2012 war dann sein Jahr: Er habe den Eindruck, man müsse dem Jazz einen ordentlichen Klaps auf den Arsch geben, tönte er etwas großspurig im Fachmagazin „Downbeat“. Aber „Black Radio“ und die Nachfolger „B. R. 2“ bzw. „B. R. Recovered“ waren auch großartig und sind es heute, morgen und übermorgen noch. Die Redaktion von rap2soul.de verglich Glaspers Rolle in „Black Radio“ mit der eines Piloten:

„Jazz, Hip Hop und Soul rücken auf dem fünften Album des New Yorker Pianisten eng zusammen. Der gebürtige Texaner steuert von seinem Cockpit aus 13 Songs, die das Rückgrat einer imaginären Radioshow bilden (könnten). Sie sind in Soundpartikel und Wortfetzen eingebettet – die Idee dahinter ist eine alles aufzeichnende Black Box. In der Passagierliste tummelt sich die First Class: Erykah Badu, Musiq Soulchild, MeShell Ndegeocello, Bilal, (Donny Hathaways Tochter) Lalah, Mos Def und Stokley Williams von Mint Condition. Tief in ihrem Herzen seien sie alle Jazzmusiker, urteilt Glasper über seine Besatzung. Dynamische HipJazz-Manöver („Always Shine“ feat. Lupe Fiasco + Bilal) reihen sich an schwebende Soulballons („Gonna Be Alright“ feat. Ledisi).“

Der Kritiker gab Käufern des Blue-Note-Albums auch diesen Ratschlag mit auf den Weg: „Glaspers Maschine (seine vierte Arbeit für Blue Note) sollte nur besteigen, wer die Flugangst besiegt und Meilen für die Querung von Gebieten mit ausufernden Soli gesammelt hat. Der einstündige Klangtrip ist eine Qualitätsoffensive ähnlich der Jazzmatazz-Reihe von Guru. Zugleich ist er Kampfansage an alle Billigflieger, die immer noch Eurodance an Bord haben und damit den R & B-Himmel verdunkeln.“

Die drei Veröffentlichungen lassen sich durchaus als Trilogie fassen. Von der Trilogie nun wieder zum Trio – back to the roots – eine Abkehr vom Experiment?

Trio nach der Trilogie

Wohl kaum. Klar, da war eine Coverplatte 2015, die machen alle früher oder später mal. Ob Glasper auf der Tour 2017 etwas davon spielen wird? In der im Jazz beliebten Trio-Besetzung? Die drei Musiker kennen sich lange, sie sind eingespielt, und Standards dürften sie nur wenig fordern. Der Klaps auf den Arsch wird erwartet, das Experiment, Black (Music) Radio live on stage, wenn das Robert Glasper Trio fünf Konzerte in Deutschland gibt. Jazz Not Jazz: R & B, Soul, Hip-Hop, Jazzmatazz … Mit Robert Glasper am Piano, Vicente Archer am Bass und Damion Reid an den Drums. Der Dreier wird komplettiert von einem vierten, von DJ Jahi Sundance. Das Robert Glasper Trio tritt auf in den üblichen verdächtigen (Medien-)Städten, etwas überraschend ist der Tournee-Auftakt in Dortmund, es folgen Auftritte in Köln, Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin.

  1. November 2017: Dortmund (Domicil)
  1. November 2017: Köln (Club Bahnhof Ehrenfeld)
  1. November 2017: Hamburg (Überjazz)
  1. November 2017: Frankfurt (Zoom Club)
  1. November 2017: Berlin (Gretchen)

robertglasper.com, de-de.facebook.com/robertglasper, Tickets: 040/413 22 60, 01806/62 62 80 (Festnetz: 0,20 €/Anruf, Mobilfunk: max. 0,60 €/Anruf) und online: www.kj.de, tickets@kj.de

Update:

Eine Woche nach dem Auftritt des Robert Glasper Trios wartet der Zoom Club in Frankfurt am Main mit einem weiteren Hochkaräter der Soulmusik auf. Curtis Harding wird sein sehr gutes, neues Album „Face your fear“ (Anti Records) vorstellen. Dafür sollte der Montagabend nach Glasper auf jeden Fall geblockt werden. Auftrittstermin: 27. November, Zoom Frankfurt/M.

Über Torsten Fuchs 523 Artikel

Torsten Fuchs ist ein Experte der Black Music und bereits früh als Redakteur zu rap2soul gekommen. Torsten schreibt CD-Kritiken für mehrere Magazine. Als Moderator war er für JAM FM tätig, zuvor war er auch bereits bei Radio PSR und als Showhost bei MDR Sputnik. Torsten Fuchs ist Mitglied beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. in der Jury für „Hip Hop, Soul, R&B“.

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